Ständerats-Nomination

FDP Aargau setzt klar auf Thierry Burkart – und stellt hohe Erwartungen an ihren Kandidaten

Die Aargauer FDP-Delegierten haben Thierry Burkart als ihren Ständeratskandidaten nominiert. Mit 154 Stimmen setzte er sich gegen seinen Kontrahenten Matthias Jauslin durch, der auf 38 Stimmen kam. Nach der klaren Nomination sind die Erwartungen der Freisinnigen an Burkart hoch.

Eigentlich war es ein Heimspiel für Matthias Jauslin: Der Nominationsparteitag der FDP Aargau fand im Zentrum Risi in Dottikon statt, also im Nachbardorf von Wohlen, wo Jauslin wohnt.

Doch viel mehr als die Stimmen seines Heimatbezirks erhielt der Freiämter in der Ausmarchung gegen Thierry Burkart nicht. 154 zu 38 lautete das Resultat am Ende, die Delegierten aller Bezirke sprachen sich klar für den 43-jährigen Badener Rechtsanwalt und gegen den 56-jährigen Wohler Unternehmer aus.

Ständerat: Thierry Burkarts erste Worte nach der Nomination

Thierry Burkarts erste Worte nach der Nomination

Betrachtet man nur die Hausmacht der Kandidaten, ist das klare Resultat erstaunlich. Für jeden Sitz, den eine Bezirkspartei im Grossen Rat besetzt, durfte sie am Parteitag acht Delegierte stellen. Jauslin mit 24 Delegierten - der Bezirk Bremgarten stellt drei Grossräte - und Burkart mit 32 Delegierten - Baden hat vier FDP-Grossratsmitglieder - lagen bei der fixen Unterstützung fast gleichauf. Beide ernteten zudem ziemlich gleich lauten Applaus, nach dem sie sich den Delegierten selber vorgestellt hatten.

Burkart: Junge, Frauen...

Schon im Vorfeld der Nomination hatte sich aber gezeigt, dass Burkart wichtige FDP-Gremien hinter sich hat: Sowohl die Jungfreisinnigen, als auch die FDP Frauen Aargau sprachen sich für ihn aus. Gleich zwei Vertreter der Jungpartei empfahlen den Delegierten denn auch Burkart zur Wahl. Dieser sei in der Lage, eine junge Wählerschaft zu mobilisieren, habe ein offenes Ohr für die Anliegen der Jungfreisinnigen und könnte den Ständerat entstauben.

Sabina Freiermuth, Fraktionspräsidentin im Grossen Rat, warb im Namen der FDP Frauen für Thierry Burkart. Dieser sei fähig, über alle Parteigrenzen hinweg Lösungen zu erarbeiten, er sei nahe bei den Menschen und spüre ihre Probleme. Er habe zudem begriffen, dass es zur Frauenförderung keine Quoten, sondern andere Massnahmen brauche. Sie nannte Burkarts Vorstoss für mehr Home Office: Dies fördere die Vereinbarkeit von Familie und Beruf - ein Frauenanliegen werde so erreicht.

...und Parteiprominenz

Zuvor hatten sich schon Regierungsrat Stephan Attiger und Nationalrätin Corina Eichenberger für Burkart stark gemacht. Attiger wies darauf hin, dass sich dieser für den Sechsspur-Ausbau der A1, die Finanzierung des Aggloprogramms Aargau Ost und den Bahnausbau im Mittelland eingesetzt habe. Hinter ihm an der Wand prangte Burkarts Slogan «Die starke Stimme für den Aargau». Dieser sei ein politisches Schwergewicht und daher die richtige Ständeratsvertretung für den Kanton.

Thierry Burkart habe ein feines politisches Gespür, das er im Umgang mit politischen Verbündeten und Gegnern erfolgreich einsetze, sagte Eichenberger. Er sei kein reiner Verkehrspolitiker, sondern auch in Finanz- und Wirtschaftsfragen versiert.

FDP-Ständerats-Nomination: Kantonalpräsident Lukas Pfisterer übergibt Thierry Burkart ein Aargauer «Kraftpaket»

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Lukas Pfisterer übergibt Thierry Burkart ein Aargauer «Kraftpaket».

Zudem könne er über Parteigrenzen hinweg Lösungen erarbeiten, Allianzen schmieden und Mehrheiten finden, dies sei für das Amt als Ständerat wichtig. Burkart habe sich in Bern sehr rasch eine einflussreiche Stellung erarbeitet, dies als Mitglied im Ratsbüro und im Vorstand der FDP Schweiz, lobte Eichenberger, die 2019 nicht mehr als Nationalrätin antritt.

Als neuer Kandidat auf Anhieb?

Bei den Fürsprechern von Burkart reihten sich auch der aktuelle Grossratspräsident Bernhard Scholl, der frühere Handelskammer-Präsident Daniel Knecht und Grossrätin Jeanine Glarner ein. Sie alle betonten, mit dem Badener seien die Chancen der FDP am grössten, den Ständeratssitz zu verteidigen. Glarner sagte, sie habe in Gesprächen mit Vertretern anderer Parteien mehrfach gehört, mit Thierry Burkart würden die Freisinnigen den Sitz des abtretenden Philipp Müller schon im ersten Wahlgang verteidigen.

Ähnlich äusserte sich Kantonalpräsident Lukas Pfisterer, als die klare Nomination feststand. «Es ist eine Freude, nächstes Jahr mit Thierry Burkart in den Wahlkampf zu ziehen. Wir müssen mobilisieren, dann schafft er es schon im ersten Wahlgang in den Ständerat.» Pfisterer übergab Burkart ein Geschenk, das er «Aargauer Kraftpaket» nannte: Ein Sack, gefüllt mit Spezialitäten aus mehreren Regionen des Kantons.

Dass ein neuer Kandidat, der keinen Bisherigen-Bonus hat, auf Anhieb den Sprung ins Stöckli schafft, wäre aussergewöhnlich. Thierry Burkart selber gab sich in seiner kurzen Ansprache an die Delegierten denn auch bescheidener. Er dankte ihnen für das Vertrauen und die Unterstützung, mahnte aber gleich, der Sitz im Ständerat werde ihm nicht geschenkt. «Lasst uns kämpfen, für den Aargau, für die Schweiz und für die FDP», rief Burkart die Delegierten auf.

Jauslin: «Es hat sich gelohnt»

Der klar unterlegene Matthias Jauslin erhielt von Kantonalpräsident Pfisterer auch ein Präsent, verbunden mit den besten Wünschen für einen erfolgreichen Nationalratswahlkampf. Jauslin hatte schon bei der Vorstellung gesagt, aus seiner Sicht habe sich die Kandidatur gelohnt. Allein der Parteitag mit mehr als 200 Teilnehmern sei Beleg, «dass es dies wert war», hielt er fest.

Zuvor hatte sich Jauslin als Unternehmer präsentiert, der in die Politik ging, weil er sah, «dass vieles nicht im Sinn der KMU läuft». Die ehemalige Wohler Grossrätin Vally Stäger wies darauf hin, dass Jauslin aus einer Randregion komme und mit 56 Jahren im idealen Alter sei.

Edwin Riesen, Präsident der FDP Bezirk Bremgarten und Thomas Hoffmann, Präsident der FDP Wohlen, lobten seine Gradlinigkeit, Sozialkompetenz und Bodenhaftung - obwohl sein Hobby der Segelflug sei. Doch letztlich musste Jauslin, der ehemalige Spitzenathlet im militärischen Fünfkampf, Burkart zum Sieg gratulieren.

Den Liveticker zur FDP-Delegiertenversammlung in Dottikon können Sie hier nachlesen: 

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