Alle haben die jüngsten erschreckenden Bilder der Gewalt sogenannter Fans noch präsent: Letzten Donnerstag wurden zwei Polizisten vor dem Stadion in Rapperswil-Jona durch einen Feuerwerkskörper verletzt, der von FC-Aarau-Chaoten wohl gezielt geschossen wurde. Oder die Bilder von rund einem Dutzend Hooligans, die in Lausanne den Fussballplatz stürmten. Oder die Gewalt von GC-«Fans» gegen SBB-Personal in einem Sonderzug.

Den Politikerinnen und Politikern reichts jetzt. Nach der Attacke in Rapperswil reden Dieter Egli (SP, Präsident des Verbandes der Aargauer Kantonspolizisten) und weitere Grossrätinnen und Grossräte aus sechs Fraktionen nun Tacheles. Sie fragen in einer Interpellation die Regierung, ob aus ihrer Sicht die Möglichkeiten des Polizeigesetzes genügten, um gegen Fangewalt vor Fussballstadien und auf dem Weg zu oder von Fussballspielen wirksam vorzugehen. Es sei kaum nachvollziehbar, dass solche Aktionen einzelner gewaltbereiter Chaoten innerhalb der Fanclubs nicht sanktioniert werden, schreiben die Politiker in ihrem aktuellen Vorstoss. Es könne nicht sein, dass einzelne gewaltbereite Fans eine ganze Szene in Verruf bringen – und von den Fanclubs nicht zurückgebunden werden können.

Die Politiker wollen wissen, ob der Regierungsrat weitere Sanktionsmöglichkeiten bei Heimspielen sehe. Zum Beispiel Zugangsbeschränkungen oder gar Spiele ohne Publikum? Zudem interessiert sie, welche Rolle in der Strategie gegen Fangewalt in oder um Aargauer Stadions und bei Auswärtsspielen die Zusammenarbeit mit den Fanclubs
spiele. Ob diese zur Mitarbeit und/oder zu Sanktionen gegen gewaltbereite Fans verpflichtet würden?

Schliesslich fragen die Interpellanten, ob es angesichts der schärferen Sicherheitsmassnahmen in den oberen Ligen allenfalls zu einer Verschiebung der Fangewalt an Orte ausserhalb der Stadien und in untere Ligen komme.

Zum Thema Gewalt gegen Polizei hat auch schon die CVP drei Vorstösse eingereicht. CVP-Präsidentin Marianne Binder hat den Eindruck, dass seitens der Regierung darauf kein grosser Handlungsbedarf signalisiert wurde. Sie sei etwas ratlos, sagt Binder. Im Gespräch mit Polizeibeamten sei die Wahrnehmung zunehmender Gewalt und Respektlosigkeit aber sehr präsent.