Leserwandern

Fast wie ein Spaziergang: Mit Kindern und Hunden durchs Naturschutzgebiet

Eher längerer Spaziergang denn Wanderung: Nach der Postautofahrt erkunden die Leser ein Naturschutzgebiet mit seinen Störchen und Flugzeugen. Auch mit dabei nebst den treuen Leserwanderer: die treusten Begleiter des Menschen.

Was im Migros Grenchen am 8. Juli 2013 lanciert wurde, hat sich 50 Wanderetappen später auch im Kanton Solothurn etabliert: die Aktion Leserwandern der «Nordwestschweiz». Sinnigerweise hat die letzte Saisonetappe 2014 auch wieder im – inzwischen stilvoll renovierten – Grenchner Migros-Restaurant geendet.

Den 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurde dabei allerdings ein Höhepunkt vorenthalten: Die Fahrt zwischen Solothurn und Altreu gilt als die schönste Flussfahrt der Schweiz und konnte aufgrund des immer noch hohen Wasserstandes der Aare nicht durchgeführt werden. Thomas Erne, Chef der Bielersee-Schifffahrtsgesellschaft BSG, entschädigte die Wanderer mit einem Gutschein für eine verbilligte Schifffahrt. «Wir konnten diese Saison bereits 126 fahrplanmässige Kurse nicht durchführen», erläuterte Erne die Situation, die zweifellos ihre Spuren in der Jahresrechnung hinterlassen wird. Jeder vierte Passagier der BSG verkehrt auf der Aare, der Anteil der Einnahmen ist aufgrund der Länge der Strecke noch höher.

So mussten denn die Wanderer mit dem Postauto nach Altreu vorlieb nehmen. Im Storchendorf erläuterte Wanderleiterin Susanne Im Hof die Geschichte der Wiederansiedlung des Storches in der Schweiz, die 1948 mit «Storchenvater» Max Blösch ihren Anfang nahm und als Erfolg gewertet werden kann. Heute sind in Altreu bereits wieder rund 100 Störche ansässig.

Die Wanderer hatten kurz Zeit, um das Witi-Informationszentrum zu besuchen, bevor sie um zehn Uhr Richtung Westen zur gemütlichen und flachen letzten Etappe aufbrachen. Mit dabei waren diesmal der Solothurner Regierungsrat Roland Heim, die Kantonsrätinnen Nicole Hirt und Karin Büttler, der Grenchner Polizeikommandant Robert Gerber und Bettlachs Gemeindepräsidentin Barbara Leibundgut. Im «Bettlerank» stellte diese ihre Gemeinde vor, deren südlichen Rand die Wanderer passierten. Unter anderem erwähnte sie auch das Unwetter von 2007, welches im Dorf grossen Schaden anrichtete. «Das Wasser kann nicht nur von der Aare kommen, sondern auch vom Berg!» 

Regierungsrat Roland Heim sagt, wieso er spontan bei der letzten Etappe dabei war

Regierungsrat Roland Heim sagt, wieso er spontan bei der letzten Etappe dabei war

Susanne Im Hof hatte nämlich zuvor die Juragewässerkorrektion des 19. Jahrhunderts vorgestellt, dank der die Wanderer überhaupt trockenen Fusses vorankommen konnten. Die aufwendige Trockenlegung des temporären «Solothurner Sees» hat die landwirtschaftliche Nutzung der Grenchner Witi überhaupt erst möglich gemacht. Sie steht heute als Kulturlandschaft unter kantonalem Schutz.

Nicht unbemerkt blieben auch die Flugzeuge, welche gelegentlich zu lauterem Sprechen zwangen: eine Steilvorlage für Beat Bürgin aus Altreu, der die Leserwanderung benutzte, um auf die seiner Ansicht nach negativen Auswirkungen einer geplanten Pistenverlängerung des Grenchner Flughafens aufmerksam zu machen.

Die Wanderer blieben trocken, die Stimmung war aufgeräumt, der Weg flach. «Wir waren bei einigen Etappen in allen drei Kantonen dabei und haben es sehr genossen», sagen Brigitte und Nathalie Hirschi aus Basel. «Schön, dass man spontan ohne Anmeldung kommen kann.»

Yvonne und Murielle Senn aus Schöftland waren zweimal dabei und positiv überrascht. «Man kann Gegenden erkunden, die nah und dennoch unbekannt sind.»

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