Bevölkerungswachstum
Fast wie Ecopop: EVP will das Wachstum begrenzen

Die Regierung rechnet im Aargau für das Jahr 2040 mit einer Bevökerung von 815828 Personen. Ginge es nach der EVP, sollen jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht mehr als 720000 Personen im Kanton wohnen.

Fabian Hägler
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Soll die Bevölkerung weiterhin wachsen? (Symbolbild)

Soll die Bevölkerung weiterhin wachsen? (Symbolbild)

Ende 2013 lebten im Kanton Aargau genau 635 797 Menschen. Im vergangenen Jahr ist die Bevölkerung um 7904 Personen oder 1,26 Prozent gewachsen. Laut seiner Vorlage zum künftigen Siedlungsgebiet im Aargau rechnet die Regierung für das Jahr 2040 mit einer Bevölkerung von 815 828 Personen.

Diese Zunahme ist für EVP-Aargau-Präsident Roland Bialek zu gross. In einer Ein-
gabe an den Regierungsrat verlangt Bialek konkrete Massnahmen, «um das Bevölkerungswachstum zu drosseln». Nach den Vorstellungen der EVP soll der Kanton im Jahr 2014 nicht mehr als 720 000 Einwohner zählen. Innerhalb von 27 Jahren dürfte sich die Bevölkerung somit nur noch um 84 203 Personen erhöhen. Pro Jahr würde dies einem Wachstum von 3119 Personen entsprechen – klar weniger als die 7904 im letzten Jahr.

EVP grenzt sich von Ecopop ab

Bialeks Forderung, das Bevölkerungswachstum im Aargau auf einen festen Wert zu begrenzen, erinnert an die Ecopop-Initiative. Diese kommt am 30. November an die Urne und verlangt, das jährliche Wachstum auf 0,2 Prozent der Wohnbevölkerung zu beschränken. Auf den Aargau umgerechnet, würde dies einem Bevölkerungszuwachs von 1272 Personen pro Jahr entsprechen.

Roland Bialek, Präsident und Grossrat EVP Aargau «Dies könnte heissen, dass der Aargau etwas weniger attraktiv wird.»

Roland Bialek, Präsident und Grossrat EVP Aargau «Dies könnte heissen, dass der Aargau etwas weniger attraktiv wird.»

Aargauer Zeitung

Das ist deutlich weniger als die EVP anvisiert – dennoch ist die Stossrichtung von Bialeks Forderung ähnlich wie jene von Ecopop. Der EVP-Grossrat wehrt sich jedoch gegen diesen Vergleich: «Ecopop setzt einseitig bei der Einwanderung an, wir verlangen Massnahmen in verschieden Bereichen, um das Bevölkerungswachstum zu drosseln.» Bialek hält auch fest, dass er persönlich die Initiative ablehnen werde. Damit liegt er auf der EVP-Linie: Die Delegierten der Partei fassten im August die Nein-Parole.

«Kein Zaun an der Kantonsgrenze»

Bialek ist klar, dass der Aargau an der Kantonsgrenze keinen Zaun aufstellen kann. Dennoch fordert er vom Regierungsrat, auch unpopuläre Massnahmen aufzulisten, um das Wachstum zu begrenzen. Dies könne im Bereich der Raumplanungs-, Steuer- oder Verkehrspolitik geschehen. «Konkret könnte dies heissen, dass der Aargau etwas weniger attraktiv wird», sagt Bialek.

Heute wirke der steuergünstige, verkehrsmässig gut erschlossene Kanton als Magnet für Zuzüger. Dies könne zu Problemen wie überlasteter Infrastruktur oder Zersiedelung führen. «Wir wollen nicht hilflos dastehen und dem Wachstum zuschauen, sodass für unsere Nachkommen irgendwann gar kein Freiraum mehr vorhanden ist», sagt Bialek.

Bereits im Jahr 2011 hatte die EVP-Fraktion vom Regierungsrat Antworten zur Frage verlangt, wie viel Wachstum der Kanton noch ertragen könne. Der Vorstoss wurde abgelehnt, dennoch ist die EVP nicht allein mit ihrer Wachstumskritik. Auch die SP und die Grünen finden die Bevölkerungsprognose des Regierungsrats für 2040 zu hoch.