Brugg
Fast Start verpasst, dann Silber gewonnen – die letzte Aargauerin, die eine Olympia-Medaille holte

Vor 20 Jahren, 1996 in Atlanta, triumphierten die Bruggerin Sabine Eichenberger und ihre drei Teamkolleginnen im Schweizer Kayak-Vierer mit dem zweiten Platz. Es ist bis heute die letzte Medaille an Olympischen Sommerspielen für den Aargau.

Manuel Bühlmann
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Betreibt ihren Sport immer noch auf höchstem Niveau: Sabine Eichenberger.

Betreibt ihren Sport immer noch auf höchstem Niveau: Sabine Eichenberger.

Chris Iseli

Der Fehlstart kam gerade recht. «Zum Glück», sagt Sabine Eichenberger. «Im zweiten Durchgang hat dann alles gepasst.»

Die Aargauerin und ihre drei Teamkolleginnen im Schweizer Vierer-Kajak nutzten die Gelegenheit, um nochmals durchzuschnaufen. Beinahe wären sie zu spät zum Finalrennen der Olympischen Spiele 1996 in Atlanta erschienen, weil sie beim Einfahren die Lautsprecherdurchsage nicht hörten. Der Disqualifikation entgingen sie knapp; stattdessen holten sie sich hinter dem deutschen Boot die Silbermedaille – die erste in dieser Sportart für die Schweiz, die letzte an Olympischen Sommerspielen für den Aargau.

Die Silber-Fahrt im Video.

Die Aargauerin Sabine Eichenberger.

Die Aargauerin Sabine Eichenberger.

Reto Schläppi

Erste und einzige Olympiade

20 Jahre sind seither vergangen und noch heute wird Sabine Eichenberger auf ihren «wichtigsten Erfolg», wie sie sagt, angesprochen. «Darüber freue ich mich. Das sind Erinnerungen, die jedem Sportler ein Leben lang bleiben.» Auf den Medaillengewinn folgten Bundesratsempfang, Zeitungsschlagzeilen («Silber-Girls») und Stimmen bei der Wahl zur Schweizer Sportlerin des Jahres 1996. Reich wurde sie dabei nicht; 6250 Franken Prämien erhielten die vier Silbermedaillengewinnerin vom Lake Lanier.

In Atlanta nahm Sabine Eichenberger zum ersten und letzten Mal an Olympischen Spielen teil. Der Grund: Kurz nach dem Medaillengewinn wechselte sie zur Wildwasserabfahrt, die im Unterschied zum Kanu Slalom und Sprint nicht olympisch ist. «Mein Herz gehörte immer dieser Disziplin», sagt sie. Ein Entscheid, der sich auszahlte.

Die 47-Jährige ist die erfolgreichste Kanutin des Landes – und fährt bis heute auf internationalem Spitzenniveau. Zuletzt sicherte sie sich im Einerkanadier Bronze an den Weltmeisterschaften im Juni. Eichenberger ist mehrmalige Weltcupsiegerin, Welt- und Europameisterin. Wie oft sie zudem den Schweizer-Meister-Titel gewann, weiss sie nicht. Ungefähr 60 Mal, schätzt sie. Den Sport finanziert sie sich mit den Sponsorenbeiträgen und dem Lohn aus ihrem 100-Prozent-Pensum bei der Gemeinde Riniken, wo sie als Finanzverwalterin arbeitet. Kanufahren ist für sie zu einem Ausgleich geworden, über Mittag trainiert sie auf der Aare.

Sabine Eichenberger auf der Aare-Brücke in Brugg mit Blick Richtung Lauffohr, wo sie lebt und aufgewachsen ist.

Sabine Eichenberger auf der Aare-Brücke in Brugg mit Blick Richtung Lauffohr, wo sie lebt und aufgewachsen ist.

afr

Ob sie nächste Saison mit dem Spitzensport weiter macht, weiss sie noch nicht. Eichenberger sagt, sie brauche deutlich mehr Erholungszeit als früher, auf Starts in mehreren Disziplinen verzichtet sie inzwischen. Irgendwann mache der Körper nicht mehr mit, dem sei sie sich bewusst. Die Bruggerin nimmts gelassen: «Nun steht der Spass im Vordergrund.» Ihre sportlichen Ziele habe sie erreicht. Im Rückblick auf ihre Karriere sagt sie: «Die Olympiamedaille überstrahlt alles.»

Bei den Wettkämpfen in Rio wird Sabine Eichenberger am Fernseher mitfiebern, viele der Teilnehmer kennt sie persönlich. Und auch den Athleten aus ihrem Heimatkanton wird sie die Daumen drücken. «Ich hoffe, dass ich als letzte Aargauer Medaillengewinnerin abgelöst werde.»

Silber und Blumen für die überraschenden Zweiten im Vierer-Kajak-Rennen von Atlanta 1996: Sabine Eichenberger (Dritte v.l.) mit ihren Teamkolleginnen.

Silber und Blumen für die überraschenden Zweiten im Vierer-Kajak-Rennen von Atlanta 1996: Sabine Eichenberger (Dritte v.l.) mit ihren Teamkolleginnen.

Keystone