Seit 1803, als die Helvetische Republik unterging und sich die Schweiz zuerst als Staatenbund und ab 1848 als Bundesstaat neu organisierte, zählt das Land 17 Bundeskanzler, fünf mit aargauischen Wurzeln und vier mit einem Maturitätszeugnis der Kantonsschule Aarau. Damit entpuppt sich der Aargau als erfolgreichster Bundeskanzler-Kanton. Nur Bern besetzte diesen Posten zweimal. 12 Kantone kamen noch nie zum Zug, zum Beispiel Zürich.

Verschmitzter Auftritt: Walter Thurnherr bei seiner Wahlannahme.

Verschmitzter Auftritt: Walter Thurnherr bei seiner Wahlannahme.

Der in Zofingen heimatberechtigte Pfarrerssohn Karl Albert Gottlieb Ringier (1837-1929) studierte nach der Kantonsschule Aarau Jurisprudenz, musste aus finanziellen Gründen auf das Doktorat verzichten, wurde Staatsanwalt, war von 1868 bis 1877 Aargauer Ständerat und amtete von 1882 bis 1909 als Bundeskanzler. Ihn löste der im Gasthof «Sonne» in Windisch aufgewachsene Hans Schatzmann (1848-1923) ab. Auch er absolvierte die Kantonsschule Aarau und wurde Jurist sowie Gerichtspräsident in Aarau. 1881 wählte ihn der Bundesrat zum Vizekanzler. Von 1909 bis 1918 war er Bundeskanzler.

Robert Käslin (1871-1934), Sohn des Komponisten Eusebius Käslin, studierte nach der Kantonsschule Aarau die Rechte, wirkte als Gerichtsschreiber in Baden und zeitweise als Redaktor am «Aargauer Tagblatt», trat 1902 in die Bundesverwaltung ein, wurde 1919 Vizekanzler und 1925 Bundeskanzler. Weil er aus Beckenried gebürtig war, galt er als Nidwaldner Amtsträger. Dem Kanton Freiburg zugerechnet wurde der im aargauischen Herznach heimatberechtigte Oskar Leimgruber (1886-1976), Sohn eines Confiseurs. Der zeitweise ebenfalls als Redaktor bei «La Liberté» und der «Freiburger Zeitung» tätige Jurist amtete von 1943 bis 1951 als Bundeskanzler.

Der 52-jährige neue Bundeskanzler Walter Thurnherr wuchs in Wohlen auf, studierte nach der Kantonsschule Aarau an der ETH Physik, trat nachher in den diplomatischen Dienst ein und übernahm verschiedene Kaderfunktionen in der Bundesverwaltung, zuletzt als Generalsekretär und Stabschef von Bundesrätin Doris Leuthard im Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation.