Obergericht
Fasste der Vater seinen Sohn unsittlich an?

Das Aargauer Obergericht kommt im Fall eines Vaters, der seinen Sohn angeblich unsittlich berührt haben soll, zu keinem Urteil. Stattdessen wurde beschlossen, dass eine Fachperson die Aussagen des 7-jährigen prüfen soll.

Adrian Hunziker
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Fasste der Vater seinen Sohn unsittlich an? (Symbolbild)

Fasste der Vater seinen Sohn unsittlich an? (Symbolbild)

Keystone

Unterschiedlicher hätten die Aussagen der Parteien nicht sein können. Auf der einen Seite stand die Mutter des Opfers und Zivilklägers. Sie beschuldigte ihren ehemaligen Partner, den gemeinsamen Sohn über mehrere Jahre an seinen Genitalien angefasst zu haben. Auf der anderen Seite sprach der Vater des Opfers aufgrund der Besuchsregelung von Differenzen zwischen seiner Ex-Partnerin und ihm. Die sexuellen Übergriffe gegenüber seinem Sohn wies er von sich. Die Vorinstanz, das Bezirksgericht Bremgarten, hatte den Vater in dubio pro reo – im Zweifel für den Angeklagten – freigesprochen. Die Mutter des Opfers, ein heute 7-jähriger Knabe, legte Berufung ein.

Die Mutter und der Vater des Opfers lebten von 2003 bis 2006 in einer Beziehung. Der gemeinsame Sohn kam 2004 auf die Welt. Die Beziehung scheiterte wegen Konflikten, wie die Mutter des Opfers vor dem Aargauer Obergericht ausführte. «Unser Sohn entwickelte sich normal, bis er als 3-Jähriger auffällig wurde. Als er jeweils von den Besuchen bei seinem Vater nach Hause kam, war er traurig und zog sich zurück», so die Mutter.

Zu einem späteren Zeitpunkt habe sich ihr Sohn grundlos nackt ausgezogen, sich so schlafen gelegt und vor seiner Mutter an seinem Penis herumgespielt. Als sie ihn darauf ansprach, habe er gesagt: «Papi macht das auch so.» Später habe ihr Sohn ausgesagt, dass sein Vater das bereits so mache, seit er kein Baby mehr sei.

Keine abartigen Gelüste

Der Beschuldigte sagte aus, er habe keine sexuellen Absichten mit Kindern. Er sei seinem Sohn ausser beim Wickeln nie in die Nähe seiner Genitalien gekommen. «Ich habe ganz normale sexuelle Gelüste, ich stehe auf Frauen», sagte der Vater. Für das sich geänderte Verhalten seines Sohnes machte er die turbulente Beziehung zwischen seiner Ex-Partnerin und ihm verantwortlich. Sein Sohn habe das auch gespürt.

Die Anwältin der Zivilklage hatte für den Beschuldigten einen Schuldspruch gefordert. Das beinhaltete die Therapiekosten des Kindes und eine Genugtuung von 25000 Franken. Der Verteidiger des Angeklagten plädierte auf unschuldig.

Das Obergericht tat sich bei der Urteilsfindung schwer. Bei Aussagen eines Kleinkindes bleibe immer eine gewisse Unsicherheit zurück, argumentierte das Gericht. Letztlich wurde kein Urteil, sondern nur ein Beschluss gefällt: Das Gericht zieht eine neutrale Fachperson hinzu. Diese muss den Fall begutachten und entscheiden, wie die Aussagen des 7-Jährigen, die er in seiner Therapie machte, zu werten sind.

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