Namenforschung
Familiennamen im Aargau: Ein Gloor ist immer ein Aargauer

Keine Familiennamen kommen im Aargau öfters vor als Müller, Meier und Schmid. Es gibt aber auch Namen, die ganz klar eine Aargauer Herkunft verraten.

Sarah Serafini
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Top 10 der Aargauer Nachnamen

Top 10 der Aargauer Nachnamen

Wollen Sie in einer Aargauer Stadt eine unbekannte Person ansprechen, versuchen Sie es am besten mit Herr Müller oder Frau Meier. Denn sie sind überall. Müller, Meier, Schmid, Keller oder Fischer – das sind die häufigsten Familiennamen im Kanton. Das zeigt eine Auswertung des Online-Telefonbuchs «local.ch». Die zwei führenden Namen an der Spitze der Top Ten sind denn auch im Grossrat gut vertreten mit Werner Müller (CVP), Barbara Müller-Portmann (GLP), Adrian Meier (FDP), Maya Meier (SVP) und Titus Meier (FDP). Weiter auf der Liste der häufigsten Nachnamen stehen Suter, Widmer, Weber, Meyer und Huber.

Raoul Richner

Raoul Richner

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Der Hans Müller war also der Mühlen-Arbeiter, der Hans Meier war der Gutsverwalter. Meier kommt vom lateinischen Wort «maior» oder «maius», das für «grösser», «stärker» oder «bedeutender» steht. Das Haus oder der Hof, in dem ein Verwalter wohnte, bezeichnete man als «Meierhof». Der Verwalter von Gränichens Rütihof hiess dementsprechend «Rütimeier» und derjenige vom Unterkulmer Wannenhof war der Wannenmeier.

«Auch die anderen der Top-Ten-Aargauer-Familiennamen bezeichnen Berufe des täglichen Bedarfs oder einen Amtsträger», sagt Richner. Der Schmid ist ein Schmied. Der Keller ist etwas ähnliches wie der Meier, nur von einer anderen Hofstruktur. Der Fischer ist, wer errät es, ein Mann, der seinen Lebensunterhalt mit Fischen verdient. Fischer treten bekanntlich dort in Erscheinung, wo es Wasser gibt. Es ist also nicht erstaunlich, dass im Seetal mehr Personen mit dem Familiennamen «Fischer» auftauchen als an anderen Orten im Aargau.

Suter stammt vom lateinischen Wort «sutor» und bedeutet «Schuhmacher». Ein Widmer ist der Besitzer oder der Bewirtschafter eines Kirchengutes. Der Weber webt und Huber schliesslich wurde der Bauer genannt, der eine Hube, also ein Stück Land besass.

Familiennamen entstanden nicht nur aus Berufs- und Amtsbezeichnungen. Rufnamen des Vaters oder der Mutter wurden ebenfalls als Nachnamen übernommen. Wer Peter mit Nachnamen hiess, war Sohn eines Peters. Oder «Andersen» stammt ab von «Anderssohn» und bezeichnete den Sohn von Andreas.

Weiter gibt es Namen, die auf Ortschaften zurückgehen. Bolliger zum Beispiel bezeichnet die Ortschaft Bolligen. Auch kennzeichnende Eigenschaften eines Menschen wurden verwendet, um einen Nachnamen zu bilden. Bei «Bissig» ist das der Fall oder «Burri», das von dem schweizerdeutschen Wort «burre» kommt, das so viel wie «poltern» oder «aufbrausen» bedeutet.

Nicht einer der häufigsten Namen im Kanton, dafür einer der typischsten ist «Gloor». Richner sagt: «Jeder Gloor hat eine aargauische Abstammung.» Joho, Urech, Härdi und Fehlmann sind ebenfalls Familiennamen, die ursprünglich aus dem Aargau stammen. Dann gibt es noch jene Namen, die ganz lokal verortbar sind. «Dössegger ist so einer. Wer einen Dössegger trifft, kann sicher sein, dass dessen Ahnen aus Seon stammten.» Jeder Lüem kommt von Schinznach, jeder Rischgasser aus Veltheim, jeder Killer von Gebenstorf oder Turgi. Typische Aarauer Familiennamen sind Rothpletz und Nüsperli.