Prozess in Zofingen
Falscher Arbeiter wollte Frau mittels K.-o.-Tropfen vergewaltigen

Heute Donnerstag steht ein Mann vor dem Zofinger Bezirksgericht, dem versuchte vorsätzliche Tötung, einfache Körperverletzung sowie versuchte Vergewaltigung vorgeworfen wird.

Nora Bader
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K.o-Tropfen oder GHB in Röhrchen.

K.o-Tropfen oder GHB in Röhrchen.

Keystone

Am 4. Oktober 2014 fand eine Frau aus Oftringen einen Zettel, den jemand unter ihrer Haustür durchgeschoben hatte. Es müssten dringend Feuchtigkeitsmessungen in ihrer Wohnung durchgeführt werden und sie möge zurückrufen, stand darauf. Der Zettel war im Namen einer Firma unterzeichnet, die allerdings – wie sich später herausstellte – nichts von besagten Messungen wusste. Die Frau rief an und machte einen Termin am selben Abend ab.

Ein Mann kam, träufelte in verschiedenen Räumen eine Flüssigkeit auf den Boden und gab vor, die Feuchtigkeitsmessung erst nach Verdunstung der Flüssigkeit durchführen zu können. Während die Frau dem Arbeiter in der Küche einen Kaffee zur Überbrückung der Trocknungszeit zubereitete, schüttete er der Frau eine unbekannte Menge mitgebrachtes Liquid Ecstasy ins Getränk. Das Ecstasy hatte er gemeinsam mit einem Kollegen im August/September 2013 selber hergestellt und in Pet-Flaschen abgefüllt.

Frau brachte Mann dazu, Wohnung zu verlassen

Nachdem die Frau aus ihrem Glas getrunken hatte, verspürte sie ein Kribbeln in Armen und Beinen und bemerkte Anzeichen von Bewusstseinsstörungen. Nach rund eineinhalb Stunden gelang es ihr schliesslich, den Mann unter einem Vorwand dazu zu bringen, ihre Wohnung zu verlassen.

Schon geringe Mengen der Flüssigkeit, mit welcher der Mann das Getränk der Frau manipulierte, können zu Komazustand und Atemstörungen führen. Nebst direktem Atemstillstand kann in bewusstlosem Zustand unter Aussetzen von Schutzreflexen ein Erbrechen zu Ersticken mit Todesfolge führen.

Das forensisch-toxikologische Gutachten des IRM Bern hat gemäss Anklageschrift ergeben, dass der Mann dem Getränk der Frau eine starke Konzentration des Gifts beigemischt haben muss. Dadurch nahm er den eventualvorsätzlichen Tod der Frau in Kauf. Er hat gemäss Anklageschrift versucht, die Frau durch das Betäubungsmittel widerstandsunfähig zu machen, um sie anschliessend zu vergewaltigen. Der Mann ist wegen kleineren Vergehen vorbestraft und befindet sich in Untersuchungshaft.