Verbraucherschutz
Falsche Heilsversprechen in allen kontrollierten Drogerien

Verbotene Gesundheitsanpreisungen in sämtlichen kontrollierten Betrieben, dies steht im neusten Bericht des Amts für Verbraucherschutz. Bei den Produkten handelt es sich nicht um Medikamente, sondern um Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel.

Urs Moser
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Nahrungszusätze sind keine Heilmittel.istockphoto

Nahrungszusätze sind keine Heilmittel.istockphoto

Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker, glauben Sie dem Drogisten kein Wort. Auf einen solchen Slogan könnte man kommen, wenn man das Kapitel zur Anpreisung von Nahrungsergänzungsmitteln im neusten Bericht des Amts für Verbraucherschutz liest. Und das macht die Drogisten natürlich sauer. Verbandspräsidentin Maja Fabich-Stutz sieht zwar durchaus Handlungsbedarf. Aber weniger in ihrer Zunft als vielmehr in der Kontrolltätigkeit der Behörden.

Diese haben in zehn von zehn getesteten Drogerien moniert, dass Produkte wie Grüntee, Hagenbuttenextrakt oder Bachblüten-Bonbons mit einer heilenden oder vorbeugenden Wirkung gegen verschiedenste Leiden angepriesen werden. Also eine Beanstandungsquote von 100 Prozent. Bei besagten Produkten handelt es sich nicht um Medikamente, sondern um Lebensmittel oder sogenannte Nahrungsergänzungsmittel. Und diese dürfen nicht mit Hinweisen beworben werden, die ihnen «Eigenschaften der Vorbeugung, Behandlung oder Heilung einer Krankheit zuschreiben» (Lebensmittel- und Gebrauchsgegenständeverordnung).

Drogistenpräsidentin will Gespräch suchen

Was vom Amt für Verbraucherschutz beanstandet werde, habe weniger mit unlauterer Werbung oder der Fachkompetenz in Drogerien zu tun, sondern eher mit Wortklauberei, findet Drogistenpräsidentin Fabich-Sutz. Da komme eine Vertreterin des Amts und frage zuerst nach einem Heilmittel gegen ein bestimmtes Leiden. Im Gespräch komme sie dann selber auf Nahrungsergänzungsmittel zu sprechen, und wenn man dann auf ein Produkt hinweise, gebe es schon eine Beanstandung.

Hier wolle man das Gespräch mit dem Departement Gesundheit und Soziales suchen. Zum Beispiel sollen Bachblütenprodukte hilfreich bei Flug- oder Prüfungsangst sein. Wenn es nun verboten sein soll, auf entsprechende Nachfrage ein solches Produkt zu empfehlen, dann ist das für Maja Fabich Stutz wie wenn man einen Arzt dafür bestrafen würde, dass er einem Patienten mit zu hohen Cholesterinwerten zur Mässigung beim Cervelat-Konsum rät.

Die Kritik lässt Alda Breitenmoser, Leiterin des Amts für Verbraucherschutz, nicht gelten: «Es gibt klare Vorgaben, was man anpreisen darf und was nicht.» In ihrem Jahresbericht ist zum Beispiel ein Werbeschild abgebildet, auf dem behauptet wird, Grüntee habe eine krebshemmende Wirkung und reduziere die Gesundheitsrisiken für Raucher.

Laut dem Bericht des Amts für Verbraucherschutz wurden nicht nur in allen kontrollierten Drogerien Nahrungsergänzungsmittel mündlich zur Behandlung oder Vorbeugung von Arthrose, Rheuma oder Gelenkbeschwerden empfohlen, neun von zehn Betrieben verteilten auch Werbematerial wie Broschüren und Flyer mit offensichtlich unzulässigen Anpreisungen. So wurde in Aargauer Drogerien Preiselbeer-Konzentrat mit schriftlicher Heilanpreisung bei Harnwegsinfektionen verkauft, Omega-3-Fettsäuren wurden zur Prophylaxe gegen Alzheimer empfohlen.

Gesetze ändern schnell

Immerhin sieben von zehn Betrieben verkauften Nahrungsergänzungsmittel zum Beispiel mit Glucosamin (soll angeblich nicht nur bei Gelenkschmerzen helfen, sondern sogar geschädigtes Knorpelgewebe wiederherstellen) mit Gestellanschriften wie «Rheuma», «Naturheilmittel» oder «Pharma». Die Werbemittel stammten von den Herstellerfirmen und seien beim Versand genehmigt, so Drogisten-Präsidentin Fabich-Stutz.

Aber die Gesetze würden so schnell ändern, dass die Hersteller nicht damit nachkommen würden, das Werbematerial anzupassen. Allerdings stellten die Kontrolleure auch fest, dass in keinem der Betriebe, die selber Nahrungsergänzungsmittel abfüllen, die Verpackungskennzeichnung korrekt war.

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