Luan (Name geändert) kam 1993 als Kind aus dem Kosovo in die Schweiz. Heute ist er 27, verheiratet, hat einen vierjährigen Sohn und eine dreijährige Tochter, arbeitet bei einem Grossverteiler in der Region – und steht vor dem Bezirksgericht Aarau. Vor gut einem Jahr brach Luan ins Clublokal eines Fussballvereins ein und stahl dort Geld. Kurz zuvor hatte er ein Portemonnaie aus einem Securitas-Bus geklaut, der nicht abgeschlossen war.

Bei der Befragung durch Einzelrichter Andreas Schöb gab Luan die Diebstähle unumwunden zu, der Sachverhalt war damit rasch klar. «Es war eine blöde Schnapsidee, die ich im Alkoholrausch hatte», sagte der Kosovare.

Täter hat sich nicht entschuldigt

Dennoch fragte der Einzelrichter detailliert nach, insbesondere wollte er wissen, ob Luan beim Einbruch ins FC-Clublokal das Fensterglas und die Scharniere beschädigt habe. Schöb machte dem Angeklagten auch gleich den Grund für die Fragen klar: Seit die Ausschaffungsinitiative in Kraft getreten ist, müssen die Gerichte bei Einbruchdiebstahl eine obligatorische Landesverweisung anordnen.

«Ich weiss nicht, was ich sagen soll», antwortete Luan kleinlaut. Er habe vorgehabt, sich per Brief beim geschädigten Fussballverein zu entschuldigen, dies aber nicht getan. Schöb runzelte die Stirn und sagte: «Wenn der Klub seine Klage zurückgezogen hätte, würden wir jetzt nicht hier sitzen und über Ihre Ausschaffung reden.»

Kosovare mehrfach vorbestraft

Doch genau darum ging es bei der Verhandlung, wobei Luan und seine Pflichtverteidigerin Stephanie Bösch die Landesverweisung mit verschiedenen Argumenten zu verhindern versuchten.

Der Familienvater sagte, er habe kaum einen Bezug zum Kosovo, sei nur selten dort und habe im Heimatland ausser einem Onkel keine Verwandten. Er musste aber einräumen, dass seine Frau aus dem Kosovo stammt, die Heirat dort stattfand und sein Vater im Land ein Haus besitzt.

Zudem stellte sich heraus, dass der Kosovare vorbestraft ist, unter anderem wegen einer Party-Schlägerei oder Alkohol und Drogen am Steuer. Darüber hinaus hat er Schulden von gut 25'000 Franken und erst seit wenigen Tagen wieder eine feste Stelle.

Verteidigerin sieht Härtefall

Rechtsanwältin Bösch argumentierte, beim Einbruch ins FC-Klublokal sei – wenn überhaupt – nur geringer Schaden entstanden. Luan habe einen Diebstahl begangen, aber weder Hausfriedensbruch noch Sachbeschädigung. Zudem sei unklar, ob der Vertreter des Fussballclubs, der gegen den Kosovaren einen Strafantrag eingereicht hatte, dazu überhaupt berechtigt sei.

Zudem argumentierte die Verteidigerin, bei Luan liege ein Härtefall vor und es wäre nicht verhältnismässig, ihn des Landes zu verweisen. Ihr Klient habe sich geändert, sein Leben nun im Griff, konsumiere keinen Alkohol mehr, habe eine feste Stelle und zahle auch seine Schulden ab. Bei einer Landesverweisung würde seine Familie ihn als Vater und Hauptverdiener verlieren.

Fehler verhindert Ausschaffung

Ein Härtefall liege nicht vor, sagte Richter Schöb bei der Urteilsverkündung. «Ich hätte eine Landesverweisung angeordnet», hielt er fest, denn offenbar hätten die bisherigen Strafen Luan nicht davon abgehalten, weiter zu delinquieren. Zudem spreche er Albanisch, könnte im Haus seines Vaters im Kosovo leben, habe aber Mühe, sich in der Schweiz an Regeln zu halten.

Ausgewiesen wird Luan trotzdem nicht – «dieses Formular hat sie davor gerettet», sagte Schöb und zeigte den gelben Strafantrag des FC-Vertreters. Tatsächlich sei das Dokument nicht korrekt ausgefüllt und deshalb nicht gültig. Darum konnte Luan nur für die Diebstähle belangt werden: Er muss eine Geldstrafe von 7700 Franken zahlen, darf aber in der Schweiz bleiben.