Bettwil
Fall Wietlisbach: Zu Unrecht geschasste Lehrerin kostet Bettwil 132000 Franken

Der Fall der 2012 zu Unrecht entlassenen Lehrerin Mary Wietlisbach kommt die Gemeinde Bettwil teuer zu stehen. Das wurde am Rande der Gemeindeversammlung offiziell mitgeteilt.

Toni Widmer
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Mary Wietlisbach ist von der Schulpflege rehabilitiert worden. AZ-Archiv

Mary Wietlisbach ist von der Schulpflege rehabilitiert worden. AZ-Archiv

Der schlagzeilenträchtige Fall Wietlisbach ist abgeschossen. Er kommt die Gemeinde Bettwil aber teuer zu stehen.

Wie an der Gemeindeversammlung offiziell bekannt gegeben wurde, kostet die Affäre um eine zu Unrecht fristlos entlassene Lehrerin die Gemeinde insgesamt 132 000 Franken. Das entspricht in etwa 10 Steuerprozenten.

Schulpflege informiert

Im Anschluss an die Gemeindeversammlung vom Freitag, 22. Novemer, an der über den Fall kurz informiert worden ist, hat die Schulpflege jetzt auch eine Medienmitteilung mit detaillierten Informationen verschickt. Darin geht die Behörde noch einmal auf den Fall ein und zeigt auf, wie er jetzt abgeschlossen werden konnte.

Mary Wietlisbach erhielt am 5. Juli 2012 nach 22 Jahren im Schuldienst der Gemeinde die Kündigung mit sofortiger Freistellung. Eltern hatten sich über ihre Schulführung beklagt und der Lehrerin unter anderem Mobbing, Angstverbreitung und Ungleichgewicht zwischen Lob und Tadel vorgeworfen.

In einer Aussprache erklärte sich die Lehrerin bereit, ihr Verhalten insofern zu ändern, als sie weniger impulsiv reagieren und mehr Geduld aufbringen wollte. Auf den Vorschlag einer Kündigung im gegenseitigen Einvernehmen ging Wietlisbach nicht ein.

Die Schlichtungskommission für Personalfragen stellte fest, dass einer Kündigung aufgrund von Mängeln in der Leistung oder im Verhalten eine Mahnung voraus gehen muss. Sie gelangte daher zur Auffassung, dass die vorliegende Kündigung ohne Mahnung unrechtmässig war. Das Fehlverhalten der Anstellungsbehörde wiege schwer. Sie erachtete eine Entschädigung von fünf Monatsgehältern als angemessen. Diese Empfehlung wurde von der Schulpflege Bettwil akzeptiert.

Betroffene Lehrerin klagte

Der Fall beschäftigte aber dennoch die Gerichte. Mary Wietlisbach klagte auf Entschädigung der erlittenen Unbill. Jetzt hat man sich jedoch aussergerichtlich einigen können. Dazu hält die Schulpflege fest:

«Als Folge der widerrechtlichen Kündigung erkrankte Frau Wietlisbach und war nicht mehr arbeitsfähig. Aufgrund der Erkrankung wurde die Kündigungsfrist während 180 Tagen unterbrochen. Das Arbeitsverhältnis endete somit am 31. Juli 2013.

Die Persönlichkeit von Frau Wietlisbach wurde verletzt durch nicht genügend abgeklärte bzw. verifizierte Feststellungen der Vorwürfe, durch Aussagen der Schulpflege über das zerstörte Vertrauensverhältnis, durch die sofortige Freistellung und durch nicht genügend abgeklärte bzw. verifizierte Äusserungen an einer Gemeindeversammlung.»

Da die Vorwürfe durch die Schulpflege nicht genügend abgeklärt bzw. verifiziert worden seien, schreibt die Schulpflege weiter, würden sie als unberechtigt zurückgenommen.

«Für ihr schwerwiegendes Fehlverhalten hat sich die Schulpflege bei Frau Wietlisbach entschuldigt und ihr aufgrund der Persönlichkeitsverletzung eine Genugtuung sowie Schadenersatz bezahlt.»

Nach mehrmonatigen Verhandlungen seien Mary Wietlisbach und die Schulpflege damit zu einer vollumfänglichen aussergerichtlichen Einigung gekommen; der Fall sei damit abgeschlossen.

Präsidentin trat zurück

Die damals verantwortliche Schulpflegepräsidentin Karin Meier ist im September 2013 noch vor Ablauf der Amtsperiode per sofort zurück getreten. Dieser Rücktritt steht vermutlich auch im Zusammenhang mit dem Abschluss des Falles.