Altishofen LU

Fall Santoro: Aargauer Staatsanwaltschaft hat die Luxusautos versteigert

Hier versteigert Liquidator Jakob Aeschlimann im Auftrag der Aargauer Staatsanwaltschaft ein Porsche Cayenne

Hier versteigert Liquidator Jakob Aeschlimann im Auftrag der Aargauer Staatsanwaltschaft ein Porsche Cayenne

Am Samstagmorgen versteigerte die Aargauer Staatsanwaltschaft im luzernischen Altishofen die 40 Luxuskarossen aus dem Fall Santoro versteigert. Nur zwei Autos fanden keinen Abnehmer. Sie dürften damit über 1,5 Millionen Franken umgesetzt haben.

«Wer das Portemonnaie nicht dabei hat, sollte gar nicht erst mitbieten wollen», spricht der Zofinger Liquidator Jakob Aeschlimann Klartext.

«Ich bitte alle, die mitbieten, die Hand deutlich aufzustrecken. Und wer sich am Kopf kratzen will, der sollte sich dafür ducken, sonst könnte es dann plötzlich noch einen Zuschlag geben», sagt ein schmunzelnder Aeschlimann, der im Auftrag der Staatsanwaltschaft die Auktion durchführt.

Bereits beim dritten Auto, einem BMW X5, will der Meistbietende die Anweisungen nicht gehört haben und muss bei einem Höchstpreis von 45 500 Franken wieder passen. Er führt nicht genügend Bargeld mit sich. Aeschlimann wird deutlich: «Giele! Macht vorwärts, sonst sind wir am Abend noch hier.»

Zahlbar innert 10 Tagen

Hat einer den Zuschlag erhalten, muss er einen Kaufvertrag unterzeichnen und 20 Prozent des Startpreises umgehend bar oder per Bankcheck bezahlen. Dann hat der Käufer weitere zehn Tage Zeit, das Auto komplett zu bezahlen.

Geschieht dies nicht in dieser Zeit, hat der Meistbietende das Auto und selbst seine Anzahlung verloren. Die Autoliebhaber scheint dies nicht zu kümmern: Sie treiben die Preise in die Höhe - bis zu 20 000 Franken über den Startpreis.

Unzufriedene Autohändler

«Völlig überrissene Preise», sagt ein Autohändler, der anonym bleiben will. Er macht ein Beispiel: Der Startpreis eines VW Touareg betrug 23 000 Franken. Er hätte für dieses Auto knapp 25 000 Franken bezahlt. Schliesslich ging das Auto für 39 400 Franken weg. «Für dieses Geld liegt schon fast ein Neuwagen drin», so sein Fazit.

Ähnlich klingt es bei zwei Autohändlern des Grossunternehmens Emil Frey aus Safenwil: «Für Privatpersonen mag es einige Schnäppchen darunter haben, für Autohändler sind bereits die Startpreise zu hoch angesetzt», sagt Martin Schumacher, Verkaufsleiter der Occasionen bei Emil Frey.

Die Versteigerung stösst dennoch auf reges Interesse - ob Schaulustige oder Mitbietende. Vornehmlich Männer nehmen an der Auktion teil.

Was auf dem Parkplatz auffällt: Die Fahrzeuge der Besucher sind teilweise noch protziger als die zu ersteigernden Autos der Staatsanwaltschaft. So sind die Gäste mit Lamborghinis, Ferraris, Porsches oder Audis von überall her angereist.

Zudem zeichnet auch der deutsche TV-Sender RTL Bilder auf. «Solche Versteigerungen finden schliesslich nicht alle Tage statt», begründen die deutschen Journalisten ihre Anwesenheit.

Bentley Coupé wurde nicht verkauft

Nach der Auktion zeigt sich Liquidator Jakob Aeschlimann zufrieden. «Gefühlsmässig war es eine sehr positive Auktion.»

Nur zwei der 40 angebotenen Luxusautos konnten nicht verkauft werden, darunter der teuerste, ein Bentley Coupé für 179 000 Franken. Sie werden nun anderweitig ausgeschrieben.

Die Staatsanwaltschaft dürfte mit der Auktion aber dennoch geschätzte zwei Millionen Franken umgesetzt haben. «Das Geld wird nun auf ein Sperrkonto einbezahlt, bis die Besitzverhältnisse geregelt sind. Zwei Parteien machen zum jetzigen Zeitpunkt Eigentum geltend», sagt Elisabeth Strebel, Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Nach wie vor ist weitgehend unklar, wem die versteigerten Autos bislang gehörten.

Liquidator Aeschlimann selbst lässt sich von den versteigerten Luxuskarossen nicht beeindrucken. Er fährt mit seinem Skoda Fabia nach Hause.

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