Im Kanton Aargau kommt es jedes Jahr zu mehreren Hundert Zwischenfällen mit Hunden. Konkret sind seit dem Mai 2012 ganze 1988 Fälle registriert worden. Das erklärt der Regierungsrat in seiner Antwort auf die Interpellation der Birmenstorfer CVP-Grossrätin Edith Saner.

Nicht alle Fälle liefen so dramatisch ab wie jener von Mitte März 2016, als Bullmastiff "Rock" in Unterentfelden auf dem Schulhausplatz mehrere Kinder und Erwachsene gebissen hatte. Der Fall erregte Aufsehen. Der Hund wurde den Haltern weggenommen, einem Wesenstest unterzogen – und am Ende eingeschläfert.

Auf dem Pausenplatz in Unterentfelden wurden mehrere Menschen von einem Bullmastiff verletzt. (Hundebild: Symbolbild)

Auf dem Pausenplatz in Unterentfelden wurden mehrere Menschen von einem Bullmastiff verletzt. (Hundebild: Symbolbild)

Der Fall beschäftigte schliesslich die Regierung. So verlangte Grossrätin Saner im Mai Aufklärung über Kosten und Hintergründe des Falles "Rock" und über die Hundekontrolle im Aargau.

Die Wettinger EVP-Grossrätin Lilian Studer ging noch einen Schritt weiter, als sie strengere Vorschriften zur Haltung von gefährlichen Hunden verlangte. Ein Bullmastiff wie "Rock" müsse auf die Rassenliste für Hunde mit erhöhtem Gefährdungspotenzial. Nun hat der Regierungsrat beide Vorstösse beantwortet.

Zu grosser Administrativaufwand

Der Regierungsrat hält nichts davon, den Bullmastiff auf die sogenannte Rasseliste zu setzen, wie es Studer fordert. Auf einer solchen sind Tiere aufgeführt, die besonders gefährlich sind und folglich bewilligungspflichtig. Es gibt im Aargau nur gerade 27 Hunde der Rasse Bullmastiff. Sie auf die Liste zu setzen, würde einen "unverhältnismässigen Verwaltungsaufwand" für die Vollzugsstellen und die Hundehalter bedeuten, so der Regierungsrat. Das Ziel "eines Zugewinns an Sicherheit" würde hingegen nicht erreicht.

Die Sicherheit hänge nicht primär von der Hundeliste ab. Auch die gesetzlichen Bestimmungen des eigenössischen Hundegesetzes sowie des kantonalen Hundegesetzes seien auf ein "klares vorausschauendes Prinzip" ausgerichtet. Will heissen: Hundehalter und Drittpersonen, die einen Hund betreuen, tragen "die massgebliche Verantwortung für das Verhalten des Hundes". Sie stehen in der Pflicht, Beissvorfälle und Angriffe gegen Mensch und Tier zu verhindern.

500 gemeldete Fälle pro Jahr

In den Aargauer Gemeinden sind 37'408 Hunde registriert. Beim Veterinärsdienst gingen seit dem Inkrafttreten des neuen Hundegesetzes am 1. Mai 2012 Meldungen von über 1988 Zwischenfällen ein, wovon 125 (6%) bewilligungspflichtige Hunderassen betrafen. Insgesamt hat der Regierungsrat Kenntnis von rund 500 Fällen pro Jahr, bei denen ein Mensch oder ein Tier von einem Hund gebissen wurde oder ein Hund übermässiges Aggressionsverhalten an den Tag legte.

Grundsätzlich gilt: Ärzte, Tierärzte sowie weitere Fachpersonen sind verpflichtet, Vorfälle mit Hunden dem Kanton zu melden.

«Wenn  der Hund wie der Mensch wäre, hätten wir Tausende von Biss-Vorfällen»

«Wenn der Hund wie der Mensch wäre, hätten wir Tausende von Biss-Vorfällen» (April 2016)

Alt EVP-Nationalrat Heiner Studer, Hundetrainer Roman Huber und Alda Breitenmoser vom Aargauer Veterinärdienst über Listen, Rassen und Gesetze. Sehen Sie die wichtigsten Momente aus der Hundebiss-Debatte in der Sendung «TalkTäglich» auf Tele M1.

Kosten für "Rock"

Wird ein gemeldeter Hund vom kantonalen Veterinärsdienst verwahrt und einer Wesensprüfung unterzogen, entstehen Kosten von mehreren Hundert Franken. Die Kosten des Veterinärsdienstes werden dem Hundebesitzer verrechnet. Dieser muss bei der Beschlagnahmung seines Tieres sogar eine Kaution von 2000 Franken hinterlegen.

Die Anmiete eines geeigneten, ausbruchssicheren Platzes zur Durchführung des Wesenstestes gibt der Regierungsrat mit 150 Franken an. Die Personalkosten für Test, Figuranten und Video zur Beweissicherung betragen in der Regel 500 bis 600 Franken.

Die Unterbringungskosten im Tierheim des Aargauischen Tierschutzvereins betragen 15 Franken pro Tag. Zusätzliche Kosten können entstehen, wenn der Hund in einem unabhängigen Tierheim untergebracht werden muss oder eine tierärztliche Behandlung erforderlich ist.

Bullmastiff "Rock" war mehrere Wochen in der Obhut des kantonalen Veterinäramtes. Damit lassen sich die Kosten für Abklärung und Unterbringung von "Rock" auf einige Hundert bis wenige Tausend Franken schätzen.

Ein solcher Bullmastiff biss im März mehrere Personen in Unterentfelden.

Ein solcher Bullmastiff biss im März mehrere Personen in Unterentfelden.