Die «Villa Malaga» in Lenzburg ist ein Geisterhaus. Seit gegen deren Eigentümer, Rechtsanwalt Roland Padrutt, im Frühjahr 2012 schwere strafrechtliche Vorwürfe publik wurden, ist es an der Schützenmattstrasse 7 dunkel, der Garten verwildert.

Jetzt kommt Bewegung in die Sache. Am 22. Mai wurde über die Villa Malaga GmbH – die Gesellschaft gehört zu 100 Prozent Padrutt – der Konkurs eröffnet. Das aktuelle kantonale Amtsblatt publizierte eine vorläufige Konkursanzeige.

Vorläufig deshalb, weil laut dem Konkursamt Aargau zuerst festgestellt werden muss, ob genügend Vermögenswerte vorhanden sind, um die Verfahrenskosten zu decken. Falls dies nicht der Fall ist, wird das Konkursverfahren mangels Aktiven wieder eingestellt.

Wer beim Bezirksgericht Lenzburg das Konkursbegehren gestellt hat, darf das Konkursamt wegen des Amtsgeheimnisses nicht sagen. Der zuständige Konkursbeamte Daniel Bosshard bestätigt, dass es nicht der Schuldner war, der seine Bilanz deponiert hätte. Also ist es ein Gläubiger, welcher die Verwertung verlangt.

Offene Forderungen haben zum Beispiel diverse Handwerker. Nachdem Padrutt die Villa im November 2010 von der Stadt für 2,35 Mio. Franken gekauft hatte, beauftragte er diverse Gewerbetreibende mit Sanierungsarbeiten, ohne jedoch alle Rechnungen zu bezahlen.

Auch auf zivilrechtlichem Weg

Ein Teil der Forderungen wurde als Pfandrecht im Grundbuch eingetragen. Wie ein Betroffener der Aargauer Zeitung auf Anfrage sagt, habe man jedoch schon längst den zivilrechtlichen Weg beschritten, um an das Geld zu kommen.

Als Urheber des Konkursbegehrens theoretisch infrage käme der Inhaber einer inzwischen liquidierten Firma für Satellitenkommunikation auf Schiffen. Diese war an der Villa Malaga GmbH anfänglich zur Hälfte beteiligt.

Im August 2011 stieg sie aus, und im Oktober tauchte in Padrutts Betreibungsregisterauszug ein entsprechender sechsstelliger Betrag auf. Der Anwalt des ehemaligen Firmeninhabers ist momentan nicht erreichbar.

Da alle Gläubiger das Konkursbegehren stellen könnten, käme auch eine Bank infrage. Diese könnte die Villa Malaga auch ersteigern. Kein Interesse, das ehemalige Anwesen eines Malaga-Händlers zurückzukaufen, hat die Einwohnergemeinde Lenzburg.

«Der Stadtrat beabsichtigt nicht, sich bei einer allfälligen Verwertung mit einem Angebot zu beteiligen», sagt auf Anfrage Stadtschreiber Christoph Hofstetter.

Die Stadt verkaufte die Liegenschaft an Padrutt als Höchstbietenden und musste sich den Vorwurf gefallen lassen, beim Käufer nicht genau hingeschaut zu haben. Der Kaufpreis wurde vollumfänglich beglichen.

Auch Treuhänderin in Liquidation

Gleichzeitig mit der Villa Malaga-GmbH ging auch die Ropp Verwaltungen AG in Liquidation. Bei dieser Firma handelt es sich um die Nachfolgegesellschaft der Padrutt & Partner AG, die im Internet bis heute ihre Dienste als Treuhänderin und Liegenschaftenverwalterin anbietet.

Padrutt soll mehrere Stockwerkeigentümer- und Erbengemeinschaften um fünf- bis sechsstellige Beträge erleichtert haben.

Die Aargauer Zeitung hat Roland Padrutt mit den Konkurseröffnungen konfrontiert. Er verzichtet mangels offizieller Zustellung der gerichtlichen Unterlagen auf eine Stellungnahme.