Lenzburg
Fall Padrutt: Gericht traut dem österreichischen Arztzeugnis nicht

Der Lenzburger Rechtsanwalt Roland Padrutt ist seinem Strafprozess letzte Woche unentschuldigt ferngeblieben: Zu diesem Schluss kommt das Bezirksgericht – obwohl der Angeklagte bezeugte, er liege notfallmässig im Spital und sei verhandlungsunfähig.

Thomas Röthlin
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Der Stuhl des Angeklagten Roland Padrutt blieb letzte Woche leer (Symbolbild).

Der Stuhl des Angeklagten Roland Padrutt blieb letzte Woche leer (Symbolbild).

Peter Siegrist

Das dürfte die 30 Zivilkläger im Fall Padrutt freuen: Das Bezirksgericht Lenzburg beschied ihnen am Montagmorgen schriftlich, dass der Prozess gegen den wegen Vermögensdelikten angeklagten Anwalt Roland Padrutt letzten Donnerstag und Freitag hätte stattfinden können. Der Beschuldigte hatte kurzfristig darum ersucht, die Verhandlung zu verschieben, weil er im Spital liege. Der Prozess wurde gezwungenermassen abgesagt, weil er aufgrund der Tatschwere nicht ohne Angeklagten stattfinden konnte.

Das Gericht ist nun aber einstimmig zum Schluss gekommen, dass das in Österreich ausgestellte Arztzeugnis keinen triftigen Grund nenne, warum Padrutt nicht reise- und damit verhandlungsfähig gewesen sein soll. Das heisst, es wird ein neuer Termin angesetzt, und wenn der Angeklagte dann wieder nicht auftauchen sollte, kann er in Abwesenheit verurteilt werden.

Ein sogenanntes Abwesenheitsverfahren ist also erst im zweiten Anlauf möglich. Zudem muss die beschuldigte Person gemäss Strafprozessordnung «ausreichend Gelegenheit» gehabt haben, «sich zu den ihr vorgeworfenen Straftaten zu äussern». Zudem muss die Beweislage erdrückend sein.

Mit seinem Beschluss hat das Bezirksgericht das Verfahren beschleunigt. Mit einem nächsten Prozesstermin ist frühstens im Mai zu rechnen.

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