324 Käselaibe durften nicht als Emmentaler verkauft werden, weil die Freiämter Milchgold Käse AG die Produktionsvorschriften nicht eingehalten hatte. Der Käser holte die Milch nur jeden zweiten Tag bei den Bauern ab. Gemäss Vorschrift müsste die Rohmilch aber innerhalb von «maximal 24 Stunden nach der Gewinnung des ältesten Gemelkes» verarbeitet werden. Laut Bundesamt für Landwirtschaft handelt es sich beim Verstoss um eine «schwerwiegenden Nicht-Konformität». Der Käse, mehr als 24 Tonnen, musste zu Schmelzkäse deklassiert werden.

Den Verstoss stellte die Zertifizierungsstelle der Sortenorganisation Emmentaler bei einer Nachkontrolle fest. Die Überprüfung betraf ausschliesslich den Dezember 2017. Vorherige Kontrollen hätten keine Unregelmässigkeiten ergeben, hält das Bundesamt für Landwirtschaft fest.

Man wollte nichts sehen

Das kann nicht sein, sagen nun mehrere Bauern, die ihre Milch an die Freiämter Käserei lieferten. Einer schreibt der AZ, dass das Milchabholen alle zwei Tage beim Betriebsleiter «jahrelange, übliche Praxis war und wohl noch immer ist». Er habe seine Milch über mehrere Jahre von Milchgold abholen lassen. «Während dieser ganzen Zeit wurde die Milch auf vier Grad gekühlt und alle zwei Tage abgeholt. Nie jeden Tag.» Ein anderer Milchbauer bestätigt dies: «Sämtliche Milch wurde bereits über Jahre nur zweitägig abgeholt.»

Dass sich Milchgold nicht an die Vorschriften hält, hätte bei den Kontrollen der Zertifizierungsstelle der Sortenorganisation Emmentaler auffallen müssen. Doch wie es scheint, hat über Jahre niemand etwas gesehen – oder wollte nichts sehen. Ein Milchlieferant sagt nämlich: «Die ganze Branche wusste um die Praktiken des Betriebsleiters und seines Teams.» Vor allem Emmentaler Switzerland, der Vorstand und die Revisionsstelle würden «eine sehr schlechte Falle machen», findet er.

Käsereien alle zwei Jahre kontrolliert

Christoph Räz ist Vize-Präsident der Sortenorganisation Emmentaler Switzerland. Er sagt, dass alle Käsereien, die zertifizierten Emmentaler produzieren, mindestens alle zwei Jahre kontrolliert werden. So auch die Milchgold Käse AG in Auw. Da müsste es doch auffallen, dass die Milch nur alle zwei Tage abgeholt wurde? «Jein», sagt Räz. «Generell gesagt: Wenn der Wille zum Vertuschen da ist, kann es sein, dass Unregelmässigkeiten länger andauern, bis sie entdeckt werden.» Die Erfahrung zeige aber, dass es bloss eine Frage der Zeit sei, bis sie an den Tag kommen. «Irgendeinmal fällt es in einer Kontrolle auf oder wir bekommen einen Hinweis.»

Trotzdem hat Emmentaler Switzerland bisher keine Strafanzeige gegen den Milchgold-Geschäftsführer eingereicht. «Die Sanktionen sind in unseren Reglementen festgehalten», sagt Räz. Sollte der Freiämter Käserei durch ihre Trickserei ein finanzieller Vorteil entstanden sein, müsste sie den entsprechenden Betrag der Sortenorganisation zurückzahlen. Zudem kann Emmentaler Switzerland eine Konventionalstrafe aussprechen.

Emmentaler geht es ums Image

Ein finanzieller Schaden sei Emmentaler Switzerland durch die Deklassierung des Käses nicht entstanden. «Muss Käse, wie in diesem Fall, als Schmelzkäse statt Emmentaler verkauft werden, hat alleine die Käserei den Schaden», stellt Christoph Räz klar. Trotzdem lassen mögliche Tricksereien die Sortenorganisation nicht kalt: «Solche Vorfälle schaden unserer Reputation», sagt Räz. Er könne auch nicht ausschliessen, dass Käse als Emmentaler verkauft wurde, obwohl die Milch nicht innert der vorgeschriebenen Zeit verarbeitet wurde. «Rein theoretisch ist das möglich, wenn der Käse in der monatlichen Qualitätskontrolle nicht aufgefallen ist.»

Der Geschäftsführer der Milchgold Käse AG hat auf die Anfrage der AZ für eine Stellungnahme nicht reagiert.