Skandalarzt
Fall Ingo Malm: Patientendossiers können nun angefordert werden

Der Kanton hatte die Patientendossiers des Ärztezentrums Mutschellen bereits gesichert. Nun veröffentlicht es eine Liste mit Mailkontakten zu den ehemaligen Ärztinnen und Ärzten.

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2011 waren es Vorwürfe von Krankenkassen, er verrechne zu viele Leistungen – im Bild ein Brief von Santésuisse –, heute droht Ingo Malm eine Anklage wegen Betrugs und Urkundenfälschung.

2011 waren es Vorwürfe von Krankenkassen, er verrechne zu viele Leistungen – im Bild ein Brief von Santésuisse –, heute droht Ingo Malm eine Anklage wegen Betrugs und Urkundenfälschung.

Fabian Hägler

«Sämtliche Krankengeschichten sind gesichert. Wer im Ärztezentrum Mutschellen in Behandlung war, kann ab sofort seine Akte verlangen.» Das teilt das Departement Gesundheit und Soziales am Freitagmorgen mit. Für die ehemaligen bis zu 10'000 Betroffenen respektive Patienten des Ärztezentrums Mutschellen ist das eine gute Nachricht.

Mitte Januar noch standen sie plötzlich vor verschlossenen Türen. Ingo Malm hatte seine seine Gemeinschaftspraxis, die er als Verwaltungsrat führte, wegen eines ausgelaufenenen Mietvertrags geschlossen. Einige der Ärzte versuchten, die Praxis zu übernehmen – vergeblich. Im Februar 2018 wurde der Konkurs über die Ärztezentrum Mutschellen AG eröffnet.

Ehemalige Patientinnen und Patienten können direkt Kontakt mit ihren damals behandelnden Ärztinnen und Ärzten aufnehmen, wie das DGS weiter mitteilt. Die Kontaktliste findet sich nun unter www.ag.ch/krankengeschichte. Betroffene, die ihre Krankengeschichte nicht via Mail bestellen können, wenden sich unter der Telefonnummer 062 835 29 60 an das DGS (Administrative Dienste Abteilung Gesundheit).

Ingo Malm soll einerseits selber als Arzt im Ärztezentrum tätig gewesen sein, obwohl ihm der Kanton die Berufsausübungsbewilligung wegen fehlender Vertrauenswürdigkeit im Mai 2012 entzogen und das Bundesgericht dies 2014 in einem Urteil bestätigt hatte. Das DGS hatte Malm zudem per Verfügung wegen Verletzung der Berufspflichten gebüsst.

Die Staatsanwaltschaft führt gegen Ingo Malm ein Strafverfahren wegen des Verdachts auf Betrug, Urkundenfälschung und unerlaubte Berufsausübung. Malm soll unter anderem Sozialversicherungsbeiträge seiner Mitarbeiter nicht bezahlt haben und ehemals angestellten Ärzten mehrere zehntausend Franken schulden. Er sass deshalb mehrere Wochen in Untersuchungshaft. (pz)