Skandalarzt
Fall Ingo Malm: Konkurs über Ärztezentrum eröffnet – Patientendossiers sind gerettet

Seit gut einem Monat ist die Praxis von Ingo Malm in Berikon geschlossen. Nun wurde der Konkurs eröffnet, der Arzt sitzt in Untersuchungshaft – doch immerhin die Patientendossiers sind gesichert.

Fabian Hägler
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2011 waren es Vorwürfe von Krankenkassen, er verrechne zu viele Leistungen – im Bild ein Brief von Santésuisse –, heute droht Ingo Malm eine Anklage wegen Betrugs und Urkundenfälschung.

2011 waren es Vorwürfe von Krankenkassen, er verrechne zu viele Leistungen – im Bild ein Brief von Santésuisse –, heute droht Ingo Malm eine Anklage wegen Betrugs und Urkundenfälschung.

Fabian Hägler

Mitte Januar standen die Patienten des Ärztezentrums Mutschellen plötzlich vor verschlossenen Türen. Weil der Mietvertrag ausgelaufen war, schloss Ingo Malm kurzfristig seine Gemeinschaftspraxis. Einige der zuvor bei Malm angestellten Ärzte versuchten, die Praxis zu übernehmen und weiterzuführen, doch die Versuche blieben erfolglos. Kurz darauf wurde Malm, der die Praxis als Verwaltungsrat führte, festgenommen und in Untersuchungshaft gesetzt.

Er soll einerseits selber ärztlich tätig gewesen sein, obwohl ihm der Kanton die Berufsausübungsbewilligung entzogen hatte. Zudem führt die Staatsanwaltschaft gegen ihn ein Strafverfahren wegen Betrugs und Urkundenfälschung. Malm soll unter anderem Sozialversicherungsbeiträge seiner Mitarbeiter nicht bezahlt haben und ehemals angestellten Ärzten mehrere zehntausend Franken schulden.

Strafverfahren dauert länger

Nun hat das Gerichtspräsidium Bremgarten entschieden, über die Praxis den Konkurs zu eröffnen. Im aktuellen Schweizerischen Handelsamtsblatt ist die Ärztezentrum Mutschellen AG als Firma in Liquidation geführt. Das Konkursverfahren läuft seit dem 19. Februar. Schon seine erste Praxis in Rudolfstetten hatte Malm vor fünf Jahren nach Mietschulden und einem Konkursverfahren aufgeben müssen.

Malm selber befindet sich derweil weiterhin in Untersuchungshaft, wie Fiona Strebel, die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, auf Anfrage bestätigt. Ob die Kantonale Staatsanwaltschaft nach Ablauf der dreimonatigen U-Haft eine Verlängerung beantragen werde, könne sie zum heutige Zeitpunkt noch nicht sagen. Strebel sagt aber, die Untersuchung im Fall Malm sei am Laufen und werde «auch noch längere Zeit in Anspruch nehmen».

Patientendaten bald zugänglich

Länger hat auch die Auseinandersetzung zwischen ehemaligen Malm-Ärzten und dem Kanton um die elektronischen Krankengeschichten der Patienten gedauert. Seit der Schliessung der Praxis waren die Dossiers von bis zu 10'000 Betroffenen nicht zugänglich. Johannes Engesser, einer der bei Malm angestellten Ärzte, war der Meinung, der Kanton müsse aktiv werden. Kantonsarzt Martin Roth widersprach in der AZ und sagte, es sei Berufspflicht der Ärzte, die Dossiers aufzubewahren und Patienten zugänglich zu machen.

Nun ist das Problem offenbar gelöst, wie Karin Müller, Kommunikationschefin im kantonalen Gesundheitsdepartement, auf Anfrage sagt. Der Kanton habe die Ärztinnen und Ärzte «in den letzten Wochen zusammen mit dem zuständigen Konkursamt bei der Wahrnehmung ihrer Pflicht intensiv unterstützt», teilt Müller mit.

Die elektronischen Patientendokumentationen konnten laut der Sprecherin gesichert werden und werden zuhanden der einzelnen Ärzte aufbereitet und zugänglich gemacht. «Dieser Vorgang benötigt allerdings eine gewisse Zeit, sodass der Zugriff im Moment noch nicht möglich ist», hält Müller fest. Sobald die Patientinnen und Patienten ihre Kranken-geschichten bei den bisherigen Ärzten beziehen könnten, werde eine entsprechende Information erfolgen.