Im Kanton Aargau gibt es keinen «Fall Carlos». Jugendliche Straftäter erhalten keine privilegierten Sondersettings. So lautet die Antwort des Aargauer Regierungsrates auf eine Interpellation der BDP.

Die bisher teuerste Massnahme im Kanton sei die Einweisung eines Jugendlichen ins Massnahmezentrum Uitikon per 1. September dieses Jahres gewesen, der ein Tötungsdelikt verübt hatte, so der Regierungsrat.

Die Sonderbetreuung in der geschlossenen Abteilung kostet in diesem Fall 26‘400 Franken im Monat.

Bei diesem teuren Einzelfall handelt es sich um einen Jugendlichen, der nach einem Tötungsdelikt in die geschlossene Abteilung des Massnahmenzentrums Uitikon eingewiesen wurde. Dort sitzt derzeit auch der Jugendliche, der unter dem Namen "Carlos" schweizweit für Schlagzeilen gesorgt hatte.

Zum Vergleich: Das Sondersetting von „Carlos" belief sich auf rund 29‘000 Franken monatlich, nachdem er vor drei Jahren einen Jugendlichen mit einem Messer attackierte und ihn schwer verletzte.

Der Mörder von Boi kostet den Aargau 26 400 Franken

Der Mörder von Boi kostet den Aargau 26 400 Franken

Die Zahlen vom Aargauer Regierungsrat zeigen damit: Die Kosten für die stationäre Unterbringung ist fast gleich hoch, wie das Sondersetting von Carlos.

Ein weiterer, teurer Aargauer Einzelfall betraf einen suizidgefährdeten und gewalttätigen Jugendlichen, der 126 Tage in den Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel untergebracht werden musste.

Dort betrugen die monatlichen Kosten 23'700 Franken, wie die Regierung in ihrer am Freitag veröffentlichten Antwort auf eine Interpellation der BDP-Fraktion schreibt.

Die meisten sind in Jugendheimen untergebracht

Werden jugendliche Straftäter in klassischen Jugendheimen untergebracht, so kostet dies den Kanton Aargau durchschnittlich 15'000 Franken pro Jugendlichen und Monat. Dies trifft auf den Grossteil der jungen Aargauer Straftäter zu, nämlich auf 18 von 34.

15 weitere verbringen ihre Zeit in Kleinheimen oder bei Pflegefamilien. Diese Art der Unterbringung ist mit monatlichen Kosten von 8000 bis 9000 Franken wesentlich günstiger.

Ein weiterer Aargauer Jugendstraftäter verbüsst seine Tat im Gefängnis, wie aus der Interpellationsantwort hervorgeht.

Die 34 jugendlichen Straftäter kosteten den Kanton Aargau, berechnet auf den Monat Juni 2013, fast 400'000 Franken.

Pro Unterbringung ergab dies monatliche Kosten von knapp 12'000 Franken. Durchschnittlich musste der Kanton Aargau für den Jugendstrafvollzug in den letzten 10 Jahren pro Jahr zwischen 4 und 4,5 Millionen Franken aufwenden.

Zwei der 34 Jugendlichen sind 15 Jahre alt, 19 befinden sich im Alter zwischen 16 und 18 Jahre. Die restlichen 13 Aargauer Jugendlichen im Strafvollzug sind derzeit zwischen 19 und 21 Jahre alt. (ser/sda)