Kölliken
Fahrt zum Sondermüllofen bis nach Norddeutschland

Je nach Belastung werden die 610 000 Tonnen Material aus der Deponie Kölliken unterschiedlich entsorgt.

Hans Lüthi,
Merken
Drucken
Teilen
Fahrt von Kölliken zum Sondermüllofen bis nach Norddeutschland

Fahrt von Kölliken zum Sondermüllofen bis nach Norddeutschland

Emanuel Freudiger

Das schwere Raupenfahrzeug mit Panzerglas und luftdichter Kabine schüttelt einen heftig durch, bevor es an der Abbaufront stillsteht. Die Deponie hat sich seit dem Frühjahr markant verändert: Durch die freie Sicht wirkt die Halle jetzt noch gigantischer.

Als tiefste Stelle ist das sogenannte «Lupfiger Loch» bis zum Felsen leer, dort wo die (damalige) Aargauer Regierung schon vor Eröffnung illegal stark kontaminierte Erde ablagern liess. Die hohe Nordwand ist freigelegt und sauber, die Westwand auch.

29 Bilder

Emanuel Freudiger

Als der Bagger ein verrostetes Blechfass anhebt, kommt plötzlich eine helle Wolke aus dem Container geschossen. Einen Moment lang sieht es nach Rauch und Feuer aus.

«Dann müsste ich sofort wegfahren, damit ein Trax den Brand mit Sand zudecken und ersticken könnte», sagt Fahrer und Geschäftsleiter Benjamin U. Müller. Mit viel Gefühl legen die Baggerfahrer die vor Jahrzehnten abgelagerten Chemiefässer im Deponiekörper frei. Wenn sie nicht völlig durchgerostet sind, werden Material, Plastik und Blech separiert. Den Inhalt prüft ein Chemiker optisch von einem anderen Fahrzeug aus und gibt per Funk Anweisungen für die Triage.

Saubere Entsorgung wichtig

Wohin aber kommt das in Containern vorsortierte Material, damit sich ein weiteres Umwelt-Debakel ausschliessen lässt? Die mit dem Hauptlos beauftragte Eberhard-Gruppe betreibt in Oberglatt ZH ein modernes Bodenbehandlungszentrum. 75 Prozent werden hier sortiert, durch Brecher, Siebe und in Trommeln. Die gröberen und harmlosen Stoffe kommen in eine normale Deponie. Das problematische Material unter 16 Millimetern wird in thermischen Behandlungsanlagen für Sondermüll beseitigt.

25 Prozent werden ohne Behandlung direkt entsorgt. Der grösste Teil davon wird in einem Sondermüllofen verbrannt, zur Hauptsache in Deutschland. Inklusive Transport entstehen Kosten von 500 Franken je Tonne. Der aussortierte Plastik macht nur etwa ein Prozent aus und wird in den Kehrichtöfen in Zürich und Oftringen vernichtet. Für die vielen Batterien und Chargen mit sehr viel Quecksilber wird der spezialisierte Batterie-Recycler Batrec in Wimmis BE eingesetzt.

Kontrolle durch die Behörden

Jeder Entsorgungsweg wird durch die Behörden vorgängig bewilligt und genau kontrolliert. Dafür sind das Bundesamt für Umwelt (Bafu) und die Aargauer Abteilung für Umwelt im Departement BVU zuständig.

Drei bis fünf Züge mit den blaugelben Containern der Firma Eberhard verlassen pro Tag die Deponie Kölliken.

Wenn die Grube leer ist, läuft der Materialfluss umgekehrt: Dann kommen 350 000 bis 400 000 Kubikmeter sauberer Aushub, um die alte Tongrube aufzufüllen.