Schadenfrohen Zeitgenossen wird besonders empfohlen: Besuchen Sie um 6.45 Uhr das Perron 4/5 am Bahnhof Aarau, warten Sie zwei Minuten und erfreuen Sie sich an den enttäuschten, wütenden, vielleicht sogar fluchenden Menschen, die ihren Zug nach Bern auf Gleis 5 um genau eine Minute verpasst haben.

Denn am Wochenende war der grosse jährliche Fahrplanwechsel der SBB. Die meisten Züge fahren zur gleichen Zeit wie zuvor, einige fahren etwas später – und der Interregio nach Bern fährt eben nicht mehr x.47, sondern neu x.46 jede Stunde, also eine Minute früher.

Übrigens betrifft das nicht nur die Pendler nach Bern, sondern auch nach Basel, weil diese bis Olten im selben Zug sitzen. Und wer seinen 46er verpasst, muss eine halbe Stunde warten. Um x.14 fährt der nächste Zug nach Bern beziehungsweise Basel, allerdings ab Gleis 6 und in beide Richtungen mit Umsteigen in Olten.

«Ich habe zwar verschlafen – aber ich gewöhne mich schon noch dran»: Das sagen die Pendler am Montagmorgen zum Fahrplanwechsel.

«Ich habe zwar verschlafen – aber ich gewöhne mich schon noch dran»: Das sagen die Pendler am Montagmorgen am Zürcher Hauptbahnhof zum Fahrplanwechsel.

Wer täglich pendelt, weiss genau, wie lange er sich morgens mit dem Kauf von Kaffee und Gipfeli aufhalten darf und wohin er sich danach stellen muss, damit er nicht nur den Zug nicht verpasst, sondern auch exakt dort wartet, wo die Tür des Zuges zu stehen kommt.

Doch Gewohnheit birgt die Gefahr der Trägheit. Man weiss ja, wann der Zug fährt und muss nicht nachschauen. Ab heute, bei Pendlern vor allem am Montag, würde sich das aber sehr lohnen. Denn neben den teilweise geänderten Abfahrtszeiten dauern auch einige Zugfahrten etwas länger als bisher.

Der 46er ab Aarau nach Bern beispielsweise dauert nicht mehr 38, sondern neu 40 Minuten. Das könnte Auswirkungen auf die Anschlussverbindungen in der Bundeshauptstadt haben.

In die Gegenrichtung, von Aarau nach Zürich, dürfen die Pendler hingegen einen Gang runterschalten. Der chronisch überfüllte 7.14er wird zwar nach wie vor vollgestopft sein, jedoch erst eine Minute später fahren, ebenso der 7.23er. Der 7.30er fährt sogar erst zwei Minuten später, dennoch kommen alle drei zur gleichen Zeit in Zürich an wie bisher. Die Züge legen also einen Zahn zu, dafür haben die Pendler von Aarau nach Zürich einen gemütlichen Start in die dritte Adventswoche.

SBB stellt Weichen neu

SBB stellt Weichen neu

Dies sind nur einige Beispiele dafür, wie sich der Fahrplanwechsel auf die Pendler auswirken kann. Vermutlich wird es am Montag nicht nur beim 6.46er von Aarau nach Bern frustrierte Nichtinformierte geben, die ihn verpassen.

Doch nochmals ein Tipp für die Schadenfrohen: Sollte wider Erwarten niemand den 6.46er verpassen – was tatsächlich unwahrscheinlich scheint, denn dieser Interregio erwartet jeweils eine «sehr hohe Belegung» in beiden Klassen –, müssen Sie nicht traurig sein. Erkundigen Sie sich vorab auf der Website der SBB über die Änderungen. Sicher ist: Um 7.47 Uhr haben sie eine neue Chance, sich ins Fäustchen zu lachen. Und zwar erneut auf Perron 4/5 am Bahnhof Aarau.

HIER - Das hat sich mit dem neuen Fahrplan geändert.