Fachkräfte

Fachkräftemangel: «Wo soll man denn die Ausländer hernehmen?»

Die Spitäler leiden besonders stark unter dem Fachkräftemangel (Archiv)

Die Spitäler leiden besonders stark unter dem Fachkräftemangel (Archiv)

Die Regierung zeigt sich optimistisch, dass weiterhin genügend Arbeitskräfte aus dem Ausland rekrutiert werden können.

Die Wirtschaft beklagt einen zunehmenden Fachkräftemangel und ist auf die Rekrutierung von Personal aus dem Ausland angewiesen. Darum wollte die FDP-Grossratsfraktion vom Regierungsrat wissen, wie er den Zuzug von qualifizierten Fachkräften unter dem Regime der Masseneinwanderungs-Initiative zu gewährleisten gedenkt.

Die Antwort dürfte keine Begeisterungsstürme auslösen. Aufgrund der vom Bundesrat reduzierten Anzahl Bewilligungskontingente werde die Gesuchsprüfung in gewissen Bereichen wohl strenger gehandhabt und an bereits vorgenommene und weitere Änderungen der Bundespraxis angepasst werden müssen, schreibt der Regierungsrat.

Neben höheren Anforderungen bei der Neuansiedlung von Unternehmen könne dies zum Beispiel zu vermehrten unkontingentierten Bewilligungen bis maximal vier Monate statt den kontingentierten Kurzaufenthaltsbewilligungen bis 12 Monate führen. Weiter verweist der Regierungsrat auf verstärkte Erwartungen an die Unternehmen, das inländische Arbeitkräftepotenzial zu nutzen und Arbeitsplätze für inländische Arbeitskräfte zu schaffen.

Er sei überzeugt, das mit der bisherigen und aktuellen Bewilligungspraxis die im gesamtwirtschaftlichen Interesse liegenden Bedürfnisse der Aargauer Wirtschaft befriedigt werden können, heisst es in der Antwort des Regierungsrats auf die FDP-Interpellation. Allerdings fällt die Bilanz dazu durchzogen aus.

Einerseits wird zwar auf erfolgreiche Lösungen verwiesen, die man «bei besonders begründeten Anliegen von Unternehmen» im direkten Kontakt mit den Bundesbehörden erzielen konnte – insbesondere mit dem Staatssekretariat für Migration, dessen Zustimmung die Arbeitsbewilligungen unterliegen.

Anderseits hätten aber der Kanton und betroffene Unternehmen/Branchen (insbesondere die Forschung) auch zur Kenntnis nehmen müssen, dass gewisse Gesetzesbestimmungen den von Aargauer Seite als sachgerecht erachteten Lösungen in manchen Fällen entgegenstehen. Da würden sich die Bundesbehörden nicht bereit zeigen, abweichende Gesetzesauslegungen zu akzeptieren oder entsprechende Änderungen in die Wege zu leiten.

Was die Vorschläge des Bundesrats zur Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative betrifft, verweist der Regierungsrat auf seine Vernehmlassungsantwort. Er hat darin unter anderem verlangt, dass die Rolle der Kantone gestärkt werden müsse. Ihnen komme bei der Ermittlung und Festlegung der Höchstzahlen – nicht zuletzt aufgrund ihrer Nähe zu den regional unterschiedlichen Bedürfnissen der Wirtschaft – eine zentrale Bedeutung zu.

Die FDP wollte auch wissen, wie viele Aufenthaltsbewilligungen im Aargau in den letzten Jahren für qualifizierte Fachkräfte und unqualifizierte Personen erteilt wurden.

Die Bewilligungen werden vom Amt für Migration und Integration aber nur in der Gesamtheit und nicht nach spezifischen Qualifikationen oder Branchen erfasst.

Seit 2010 waren es 33 791 Bewilligungen für EU-Bürger und 2048 Bewilligungen für Arbeitskräfte aus Drittstaaten. Dabei gingen die Drittstaaten-Bewilligungen in den letzten zwei Jahren deutlich zurück, während die Zuwanderung Aus EU-Ländern kontinuierlich und deutlich zunahm. (mou)

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