Premiere
Fachhochschule Nordwestschweiz prämiert: «Das bringt Wind in unsere Segel»

Warum der erste «Swiss Industry 4.0 Award» an die Fachhochschule Nordwestschweiz geht.

Manuel Bühlmann
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Der erste Preis ist überreicht: Organisator Philippe Ramseier, Fachhochschulrat-Präsidentin Ursula Renold und Nationalrat Thierry Burkart (von links).ZVG/André Urech

Der erste Preis ist überreicht: Organisator Philippe Ramseier, Fachhochschulrat-Präsidentin Ursula Renold und Nationalrat Thierry Burkart (von links).ZVG/André Urech

Andre Urech

Draussen auf dem Gang im Badener Trafo kurvt ein Roboter herum, der Behälter transportiert und in Englisch zurechtweist, wer ihm im Weg steht. Drinnen wird gleich der «Industry 4.0 Award» verliehen – eine Premiere. Mit dem Preis – am Dienstagnachmittag erstmals vergeben – werden Hochschulen, Institutionen, Unternehmen oder Persönlichkeiten ausgezeichnet, die sich für die Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandorts Schweiz im digitalen Wandel einsetzen.

Die vierte industrielle Revolution – nach der mechanischen Produktion durch Wasserkraft und Dampfmaschine, Massenproduktion am Fliessband sowie Automatisierung – ist das Schlagwort einer Entwicklung, wonach Abläufe der verarbeitenden Industrie künftig vollständig digitalisiert werden. Diese Entwicklung sei für die Wirtschaft von grosser Bedeutung, sagt Philippe Ramseier. Der Inhaber der Villmerger Firma Autexis und Organisator des Anlasses steht auf der Bühne und beruhigt das Publikum: «Der Mensch wird auch in Zukunft eine tragende Rolle spielen.» Kurz darauf verkündet Ramseier den Namen der ersten Preisträgerin: die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW).

2000 neue Fachkräfte pro Jahr

Von einer «exzellenten Wahl» spricht FDP-Nationalrat Thierry Burkart in seiner Laudatio. «Die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes beginnt im Klassenzimmer» – dieser Satz von Autoproduktionspionier Henry Ford habe bis heute Gültigkeit. «Er ist sogar aktueller denn je.» Zwar zähle die Schweiz zu den wettbewerbsfähigsten Ländern der Welt, doch Gesellschaft, Politik und Bildung seien gefordert, um diesen Status auch in Zukunft verteidigen zu können. Burkart: «Die grossen Herausforderungen im Bereich Industrie 4.0 können wir nur gemeinsam lösen.» Einen wichtigen Beitrag leiste dabei bereits jetzt die Fachhochschule Nordwestschweiz, die Jahr für Jahr rund 2000 gut ausgebildete Fachkräfte auf den Arbeitsmarkt bringe. Die FHNW sei seit der Gründung 2006 zu einem der grossen Aushängeschilder bei der Aus- und Weiterbildung in Bezug auf die Industrie 4.0 geworden, lobt Burkart.

Ein Preis zum richtigen Zeitpunkt

Die blaue Trophäe – gefertigt mit einem 3-D-Drucker – nimmt Ursula Renold in Empfang. «Wow, das ist eine grosse Ehre», sagt die Präsidentin des Fachhochschulrats. «Der Preis verschafft uns Wind in den gehissten Segeln und zeigt uns, dass die angefangene Strategie richtig ist.» Ursula Renold betont, der digitale Wandel sei einer der strategischen Schwerpunkte der nächsten Jahre. An der FHNW ist diese Entwicklung sowohl in den technischen Disziplinen als auch in allen neuen Hochschulbereichen ein Thema. Eingerichtet worden ist etwa ein interdisziplinäres Kompetenzzentrum Industrie 4.0, an dem auch die Hochschule für Wirtschaft und das Institut für angewandte Psychologie beteiligt sind.

Getragen wird die Fachhochschule Nordwestschweiz von den vier Kantonen Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Solothurn. Renold nennt in ihrer Dankesrede einen weiteren Grund, warum die Auszeichnung zum aktuellen Zeitpunkt genau richtig komme: «Wir sind in einer Phase der nicht ganz einfachen Verhandlungen mit unseren Trägern.»