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Facebook-Spiel: Warum plötzlich so viele Aargauer baden gehen

Auf Facebook macht ein Spiel die Runde: Leute nominieren andere und fordern sie auf, ins Wasser zu steigen – oder einen Kasten Bier zu spendieren. Ursprünglich ging es aber darum, Geld für einen kleinen Jungen zu spenden, der an Krebs erkrankt war.

Dominic Kobelt
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Er scheint sich auf die Abkühlung zu freuen.
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Hier gehen gleich über ein Dutzend Pesonen eines Vereins gemeinsam ins Wasser.
Auch das kann oft beobachtet werden beim Facebook-Spiel: Bevor sie ins Wasser geht, spricht sie in die Kamera.
Da kann nichts passieren: Dieser Unihockey-Goali ist in einen Brunnen gestiegen.
Er steigt in ein fliessendes Gewässer - was nicht ungefährlich sein kann.
Auch er geht ins (grüne) Wasser.
Auch das gibts da und dort: Sie verkleidet sich, bevor sie ins Wasser geht.
Facebook-Spiel: Sie alle gehen ins Wasser

Er scheint sich auf die Abkühlung zu freuen.

Facebook

Vielleicht haben Sie sie auch schon gesehen: Leute, die mitsamt Kleidung in einen See springen, sich in einen Brunnen setzen oder im Fluss planschen. Es ist ja nicht so, dass es bereits so warm wäre, dass eine Abkühlung in einem öffentlichen Gewässer ein Genuss wäre: Hintergrund der skurrilen Aktionen ist ein neues Facebook-Spiel. Wer in einem öffentlichen Gewässer baden geht, darf drei Leute nominieren, die es ihm gleichtun sollen – weigern sie sich, schulden sie demjenigen eine Kiste Bier. Als Beweis dient ein Video, das auf Facebook hochgeladen wird. Klar, dass es möglichst originell sein sollte: Egal, ob man durch eine Waschanlage hüpft, im Anzug schwimmen geht oder in einem Fasnachtskostüm, Hauptsache, es sieht lustig aus.

Was manch einer als Blödsinn abtut, ist aus einer lobenswerten Idee heraus entstanden. Ursprünglich war der Antrieb nicht, einen Kasten Bier zu gewinnen, sondern Geld für den kleinen Landon zu sammeln. Der Startschuss für das Internetphänomen fiel am 30. März. Damals erstellten US-amerikanische Freunde der Familie Shaw aus Tokio die Facebook-Seite «Plunge for Landon». Der damals fünf Monate alte Landon Shaw leidet an einer seltenen Krebsart. Da sich die Eltern die teure Behandlung nicht leisten konnten, wollten die Freunde Geld für das kranke Baby sammeln und riefen zum Sprung ins kalte Wasser auf. Wer nominiert wurde, sollte innert 24 Stunden ins Wasser hüpfen und für den kleinen Landon spenden.

Obwohl der wohltätige Zweck zwischenzeitlich abhandengekommen ist, haben einige wieder begonnen, eine Spende mit der Badeaktion zu verbinden. Auch die Guggenmusik Sädelgeischter aus Zufikon hat diesen Gedanken wieder aufgenommen: Sie sammelte 525 Franken und nominierte drei andere Vereine, es ihr gleichzutun – ansonsten erwarte man eine Einladung zum Grillieren. Rund 15 Leute sprangen gemeinsam in die Reuss, das gesammelte Geld spendeten sie der Stiftung Theodora. «Wir hatten einen Helferanlass und dachten uns, warum nicht als Verein baden gehen? Die Aktion hat guten Anklang gefunden», sagt Präsident Stephan Moosmann. Von den nominierten Guggen haben es ihnen bis jetzt die Gyre Sümpfer aus Widen gleichgetan und sammelten 500 Franken für die Stiftung Wunderlampe.

Bei der Krebsliga Schweiz sind immerhin 13 Spenden im Wert von rund 500 Franken mit Hinweis auf das Facebook-Spiel eingegangen. Einige Spenden dürften auch ohne den entsprechenden Vermerk erfolgt sein. Auf der Facebook-Seite der Krebsliga Aargau wurden auch schon mehrere Videos gepostet und anscheinend auch mehrere tausend Franken gesammelt. «Wir freuen uns natürlich über jede Spende, aber es sollte nicht mit Aktionen verbunden sein, die vielleicht sogar gefährlich sein könnten», sagt die Medienverantwortliche der Krebsliga Schweiz, Cathy Maret. Tatsächlich sind auch einige recht gewagte Videos auf Facebook veröffentlicht worden. Sprünge von hohen Brücken bergen grundsätzlich ein gewisses Risiko, und natürlich hat man mit den nassen Kleidern ein zusätzliches Gewicht. Wie der «Schweiz am Sonntag» bekannt ist, gab es auch schon Fälle, in denen Leute ärztlich behandelt werden mussten.