Heute Mittwochmorgen 8:30 Uhr am Bezirksgericht Rheinfelden. Der Prozess endete bevor er richtig begonnen hatte. Grund: der Angeklagte verweigerte die Aussage. Vor Gericht steht er, weil er seine getrennt lebende Frau umgebracht hat.

Es war am Pfingstmontag 2013, gegen 13 Uhr: In Möhlin kommen Polizeiautos angebraust. Sie halten vor einem unscheinbaren Mehrfamilienhaus, Uniformierte steigen aus, auch Rechtsmediziner in weissen Schutzanzügen. In einer Wohnung finden sie eine 38-jährige Portugiesin – tot. Was war geschehen?

Kurz zuvor hatte sich der Ehemann des Opfers auf dem Polizeiposten Rheinfelden gemeldet: Er habe seine Frau getötet. Wie die Staatsanwaltschaft danach ermittelte, hatte das Ehepaar seit Monaten nicht mehr zusammengelebt.

Mord in Möhlin: Hatte das Opfer einen neuen Freund

Mord in Möhlin: Hatte das Opfer einen neuen Freund (TeleM1, 21. Mai 2013)

Der 14-jährige Sohn wohnte beim Vater. Zuvor, so berichteten Nachbarn gegenüber Tele M1, habe das Paar «massive Probleme» gehabt. Ein Arbeitskollege des 42-Jährigen Portugiesen sagte der «Basler Zeitung», der Mann habe sehr unter der Trennung gelitten.

Brisant war ein Facebook-Beitrag, der kurz vor dem Mord auf dem Profil des Opfers veröffentlicht wurde: Er zeigte ein Chat-Protokoll, in dem unter anderem intime Details aus dem Liebesleben der Frau standen.

Brutaler Mord wegen Facebook-Intrige (02.02.2016)

Facebook-Intrige: Opfer ahnte nicht, dass neue Chatfreundin ihr Ex ist (TeleM1, 17.09.2015)

Die Staatsanwaltschaft fand heraus: Der Mann hatte sich vor der Bluttat auf Facebook ein gefälschtes Profil erstellt, in dem er sich als Frau ausgab. Er erschlich sich damit als «Freundin» das Vertrauen seiner Ex-Partnerin, um deren Privatleben auszuspionieren.

Vermutlich auf diesem Weg fand er heraus, dass die Frau wieder öfter ausging und einen neuen Freund hatte. Das habe der Mann «fast nicht ausgehalten», berichtete ein Arbeitskollege. Schliesslich soll er sie getötet haben, indem er ihren Kopf mehrmals auf den Boden schlug.

Laut einem psychiatrischen Gutachten litt der Mann zum Tatzeitpunkt an verschiedenen psychischen Störungen. Die Staatsanwaltschaft fordert deshalb eine Gefängnisstrafe von 20 Jahren sowie eine begleitende Therapie. Der Prozess ist auf zwei Tage angesetzt. Am Donnerstag werden am Bezirksgericht Rheinfelden die Plädoyers gehalten. (rio)