Aargauer Wirtschaft
Exportstatistik: Der Kanton steht besser da, als es die Zahlen zeigen

Die Exportstatistik weist -3,9 Prozent für den Aargau und +2,6 Prozent für die Schweiz aus – wie lässt sich dieser massive Unterschied erklären?

Mathias Küng
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Zell- und Gentherapie im Labor im Novartis Werk in Stein: Warum die Exportzahlen der Aargauer Pharma rückläufig sind, lässt sich nicht restlos klären.

Zell- und Gentherapie im Labor im Novartis Werk in Stein: Warum die Exportzahlen der Aargauer Pharma rückläufig sind, lässt sich nicht restlos klären.

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Das Exportvolumen der Schweiz betrug 2019 wertmässig 312 Milliarden Franken, im Aargau waren es 11 Milliarden. Gesamtschweizerisch stieg der Wert um 2,6 Prozent, im Aargau sank er hingegen um 3,9 Prozent (siehe Tabelle). Zum negativen Ergebnis trug ein Minus von 9,2 Prozent bei den Produkten der Chemisch-Pharmazeutischen Industrie besonders stark bei. Das kontrastiert stark zu positiven Geschäftszahlen von Pharmaunternehmen. Wie also ist ein solches Minus zu erklären?

Eine abschliessende Antwort sei nicht möglich, da verschiedene Entwicklungen auf die Exportstatistik einwirken, sagt Sandra Olar, Sprecherin des Volkswirtschaftsdepartements. Es gebe verzerrende statistische Effekte, Anpassungen im Vertrieb und der internen Verrechnung oder in den Lieferketten der Unternehmen. Wichtiger aus Sicht des Kantons sei, «dass die Pharmabranche im Fricktal sehr vital ist». Das würden die Rückmeldungen und Ausbaupläne der Unternehmen bestätigen, sagt Olar. Auch gemäss den Prognosen von BAK Economics vom April 2019 nehme das Bruttoinlandprodukt zu laufenden Preisen in der Pharma- und Chemiebranche im Kanton Aargau seit 2016 ständig weiter zu.

Statistik zeigt nicht, wie Produkte hin- und hergeschoben werden

Wie geht das zusammen, zumal die Statistik für den Aargau in diesem Exportsektor über mehrere Jahre stark rückläufige Zahlen aufweist? Beim Kanton kennt man diese Thematik schon länger. Die Statistik der Eidgenössischen Zollverwaltung bilde bei der Abgrenzung der Warenimporte und -exporte nach Kantonen die wirtschaftliche Realität nicht immer vollständig ab, sagt Olar. «So werden Halbfertig- oder Fertigprodukte über Kantonsgrenzen hinweg zur Verarbeitung oder Verpackung verschoben, was aus der Statistik nicht ersichtlich ist. Zudem ist der Eingangs- oder Abgangsort von Waren, der von der Statistik erfasst wird, nicht immer identisch mit dem tatsächlichen Produktionsstandort.» Dies treffe im Aargau insbesondere auf den Export der Pharma- und Chemiebranche zu.

Konjunkturbarometer: Trend zeigt zum ersten Mal seit Monaten nach unten

Vier Mal in Folge ist der Aargauer Konjunkturbarometer gestiegen. Jetzt mussten die Aargauische Kantonalbank und Aargau Services Standortförderung, die den Barometer zusammen herausgeben, diesen nach unten korrigieren. Der Indikator steht neu auf 90,1 Punkten und damit 3,6 Prozent tiefer als im Vormonat. Beinahe alle Komponenten seien unter Druck, heisst es zur Begründung.

Am stärksten gingen im Januar die Autoverkäufe zurück, diese Reaktion habe man nach dem sehr starken Dezember 2019 erwartet. Die Volatilität an den Finanz- und Rohstoffmärkten sei nicht zuletzt aufgrund des Corona-Virus wieder gestiegen. Das drückt sich auch im Tiefstand des Euro (am Freitag stand er bei 1,06 Franken) aus, was die Aargauer Exportindustrie natürlich schmerze. Der Schweizer Industrie-Index verharrt saisonbereinigt schon seit April 2019 unter der Wachstumsschwelle. Die Pandemie-Risiken und die neuerliche Frankenstärke dürften dazu beitragen, «dass sich zunächst an dieser Schwäche nicht viel ändern dürfte».

Als erfreuliche Konstante erweise sich hingegen die Binnenkonjunktur. Die Entwicklung auf dem Jobmarkt sei weiter freundlich. Auch die Baukonjunktur sei nach wie vor solide, wie der Trend der Baugesuche im Aargau aufzeige. Schweizweit scheint die Dynamik jedoch abzunehmen. (mku)

Frankenmässig im Minus waren 2019 laut Statistik auch die Exporte von Metallen, nämlich um acht Prozent. Derweil hielten sich Maschinen, Apparate und Elektronik mit einem Plus von einem Prozent gut. Die entsprechenden Branchen seien sehr konjunkturabhängig, sagt Sandra Olar. Die Exportwerte aus dem Aargau hätten sich in den letzten Jahren «mehr oder weniger im Gleichschritt mit jenen der Schweiz entwickelt». In den letzten Jahren hätten Unsicherheiten im Welthandel und die Frankenstärke zu weniger Aufträgen aus dem Ausland geführt. Zur spezifischen Entwicklung im Aargau werde der Jahresbericht der Aargauischen Industrie- und Handelskammer im Frühjahr detailliert Aufschluss geben, sagt sie. Die Prognosen von BAK Economics vom April 2019 seien für diese Branchen für den Aargau «verhalten optimistisch, wenn auch auf etwas tieferem Niveau als für die Schweiz».

Aber wie erklärt man sich im kantonalen Volkswirtschaftsdepartement die insgesamt grosse Differenz zwischen den schweizerischen Zahlen (+ 2,6) und den aargauischen Werten (-3,9)? Wenn man die Exportwerte der weniger konjunkturabhängigen Pharma- und Chemiebranche aus dem Wert des Gesamthandels herausrechne, relativiere sich der Unterschied, sagt Sandra Olar. Dann seien die Warenexporte im Aargau «nur» um 1,6 Prozent rückläufig, während sich für die Schweiz ein Minus von 0,9 Prozent ergeben würde.