Reaktionen
Expo im Aargau? Kulturkanton steht hinter kühnen Plänen

Die ersten Reaktionen aus dem Kulturbereich reichen von grundsätzlich positiv bis absolut begeistert für eine Expo im Aargau. Die Frage ist nur, ob der Aargau alleine oder zusammen mit anderen Kantonen die Landesausstellung durchführen soll.

Fabian Hägler
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Der Expo-Auftritt des Aargaus im 2002.

Der Expo-Auftritt des Aargaus im 2002.

KEYSTONE

Die Idee von Gewerbeverbandspräsident Kurt Schmid, die nächste Landesausstellung im Jahr 2027 im Kanton Aargau durchzuführen, stösst in Kulturkreisen auf Wohlwollen. Katja Gentinetta, von 1999 bis 2002 Projektleiterin des Aargauer Auftritts an der Expo.02, findet die Initiative grundsätzlich erfreulich. «Allerdings bin ich davon ausgegangen, dass die Ostschweiz als nächster Standort für die Landesausstellung schon praktisch gesetzt ist», sagt Gentinetta. Sie kennt einige Vertreter jener Region und weiss, dass die Vorbereitungen dort schon ziemlich weit fortgeschritten sind. «Zudem wäre es aus meiner Sicht ein falsches Signal an die Schweiz, wenn der Aargau als einzelner Kanton versucht, eine Expo durchzuführen», findet die Kulturmanagerin. Gentinetta könnte sich indes eine nächste Landesausstellung zusammen mit Nachbarkantonen in der Nordwestschweiz vorstellen.

Passend zum Aargauer Leitsatz

Thomas Pauli, Leiter der Abteilung Kultur im Aargau, war begeistert über die Idee, als er am Samstag davon las. «Ein Kanton braucht Visionen, und eine Landesausstellung ist eine solche Vision, die auch Kräfte wecken kann», sagt Pauli. Eine Expo sei auch immer eine Leistungsschau, «und hier ist der Aargau sehr gut aufgestellt, sowohl was die Tradition, aber auch was die Innovation angeht». Eine Landesausstellung im Aargau würde für Pauli zudem sehr gut zum Leitsatz der Regierung passen: «Menschen machen Zukunft» wäre aus seiner Sicht ein passendes Motto. «Ein solches Projekt könnte den Zusammenhalt unter der Bevölkerung fördern und in vielen Bereichen inspirierend wirken», ist der Kulturchef überzeugt. Pauli ist im übrigen erfreut darüber, dass die Initiative für eine Expo.27 im Aargau aus Gewerbekreisen kommt. «Ich bin aber nicht der Meinung, dass die Wirtschaft alle Kosten übernehmen müsste, hier sollte sich die öffentliche Hand auch engagieren», sagt er.

Neues und Bestehendes verbinden

Jörn Wagenbach, Direktor von Museum Aargau, ist ebenfalls sehr angetan von Kurt Schmids Vorschlag. «Im Aargau eine Landesausstellung durchzuführen, ist eine tolle Idee», sagt Wagenbach. Für ihn wäre eine Expo die perfekte Gelegenheit, den Kulturkanton Aargau in der ganzen Schweiz optimal zu positionieren.

Und was sagt die Vertreterin einer wichtigen Aargauer Kulturinstitution? Sibylle Lichtensteiger, Leiterin des Stapferhauses Lenzburg: «Eine Landesausstellung ist eine grosse Kiste, um eine Expo im Aargau zu realisieren, braucht es den politischen Willen und einen Konsens vieler Kräfte. Die Idee ist sicher prüfenswert, damit sie Wirklichkeit wird, müssen aber viele Leute am gleichen Strick ziehen. Eine Expo im Aargau wäre eine grosse Bühne für Kulturschaffende. Allerdings sollte sie auch nachhaltig sein, eine optimale Verbindung von bestehenden und neuen Kulturangeboten wäre sehr wichtig.»

Tourismus sieht riesige Chance

Andrea Lehner, Geschäftsführerin von Aargau Tourismus, bezeichnet eine mögliche Landesausstellung im Aargau als riesige Chance für den Kanton und die Tourismusbranche. «Das wäre fast unbezahlbare Werbung für die Region, ein solches Projekt wäre aus touristischer Sicht auf jeden Fall zu begrüssen.» Als Expo-Standort würde der Aargau in der ganzen Schweiz massiv an Bekanntheit gewinnen – «einen solchen Effekt könnten wir mit allen Bemühungen von Tourismus Aargau nicht erreichen», sagt Lehner. Weil der Kanton verkehrstechnisch sehr gut erschlossen ist, sieht sie auch den Mangel an Hotelbetten nicht als grosses Problem. «Man müsste hier sicher etwas über den Schatten springen und damit leben können, dass die Besucher auch in umliegenden Zentren wie Zürich, Basel und Luzern übernachten.»

Wie steht die Aargauer Gastrobranche dazu? Wären zusätzliche Kapazitäten im Hotelbereich nötig für eine Expo im Aargau? Dominik Wyss, Chef der Kette Aargau-Hotels mit elf Betrieben, würde sich über eine Expo im Aargau freuen.

Auch private Unterkünfte nötig

«Ähnlich wie Jodlerfest, Schwingfest, Schützenfest oder Turnfest in Aarau hätte ein solcher Anlass nationale Ausstrahlung und würde der Bevölkerung zeigen, dass sie in einem attraktiven Kanton lebt, wo es vorwärtsgeht.» Eine Landesausstellung würde dem Aargau die Möglichkeit geben, sich im besten Licht zu präsentieren und seine Vorzüge zu zeigen, findet Wyss.

«Ob die heutige Zahl der Hotelzimmer ausreichen würde, muss sich zeigen, das hängt auch vom genauen Standort einer Expo ab», erklärt Wyss. Für den Hotelier ist aber heute schon klar, dass auch private Unterkünfte nötig wären: «Da müssten wir über den Tellerrand hinausschauen, wichtig ist schliesslich, dass die Besucher möglichst in der Nähe des Expo-Geländes unterkommen.»

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