Expo
Expo im Aargau? Die Regierung bremst, die Initianten geben Gas

Die Aargauer Regierung unterstützte im Juni wie alle Kantone eine Landesausstellung in der Ostschweiz. Heute sieht sie trotz Aargauer Expo-Plänen keinen Grund für den Rückzug der Zusage. Das schreckt Expo-Aargau-Initiant Kurt Schmid allerdings nicht.

Mathias Küng
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2002 an der Dreiseen-Expo warb der Aargau mit dem Slogan «Ausfahrt Aargau».

2002 an der Dreiseen-Expo warb der Aargau mit dem Slogan «Ausfahrt Aargau».

AZ-Archiv

Im Juli stellte die az erstmals die Idee des kantonalen Gewerbeverbandspräsidenten Kurt Schmid vor, die nächste nationale Expo solle im Aargau stattfinden. Der Artikel löste viele Reaktionen aus. Inzwischen hat Schmid die einstimmige Unterstützung der Präsidentenkonferenz der Gewerbevereine und Branchenverbände, diese Idee weiter abzuklären.

Derzeit stellt er eine möglichst breit abgestützte Interessengemeinschaft auf die Beine. In den nächsten Tagen soll ein öffentlicher Aufruf folgen. Schmid: «Alle Aargauerinnen und Aargauer können sich einschreiben und mitmachen.» In einer zweiten Phase sollen dann Verbände und Persönlichkeiten konkret für ein Kernteam angefragt werden. Bereits hätten sich von sich aus viele Interessenten gemeldet, auch Firmen, sagt Schmid. Namen möchte er noch keine nennen.

Kurt Schmid, Präsident Aargauischer Gewerbeverband: «Ostschweizer haben einen Masterplan, aber noch lange kein Konzept.»

Kurt Schmid, Präsident Aargauischer Gewerbeverband: «Ostschweizer haben einen Masterplan, aber noch lange kein Konzept.»

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Die Diskussion war allerdings von Anfang an überschattet von der Frage, ob sie nicht zu spät kommt. Diese Frage stellte die az Schmid schon im ersten Artikel, weil sich die Konferenz der Kantonsregierungen wenige Wochen zuvor gegenüber dem Bundesrat einstimmig für die einzige vorliegende Kandidatur, diejenige für eine Expo in der Ostschweiz, ausgesprochen hatte.

Schmid sagte damals: «Nein, es ist nicht zu spät, es ist noch nichts entschieden.» Daran hält er auf Nachfrage der az fest. Die Expo sei für 2027 geplant, seines Erachtens könne sie sogar noch später stattfinden: «Es bleibt genug Zeit für diese Diskussion. Wir lassen uns nicht hetzen und gehen Schritt für Schritt vor.»

«Bund muss Vorgaben machen»

Schmid zeigt sich aber enttäuscht von der bundesrätlichen Antwort von vergangener Woche auf eine einfache Anfrage von Nationalrätin und Gewerbeverbands-Vizepräsidentin Sylvia Flückiger (SVP) zu den Rahmenbedingungen für die nächste Expo von 2027. Der Bundesrat hatte darauf ausweichend geantwortet, die Verantwortung für die Initiierung einer Expo liege bei den Regionen oder Kantonen. Einen Zeitplan habe er nicht. Schmid: «Es geht um eine Landesausstellung, da muss der Bund den Lead übernehmen, Vorgaben machen und sagen, wie die Abläufe sind.»

Regierung hält sich sehr bedeckt

Doch was sagt eigentlich die Aargauer Regierung zur Diskussion über eine mögliche Expo-Kandidatur? Regierungssprecher Peter Buri: «Der Regierungsrat hat am 20. Juni 2014 in einer Stellungnahme der Konferenz der Kantonsregierungen (KdK) zusammen mit den 25 andern Kantonsregierungen der Idee einer nächsten Landesausstellung im Raum Bodensee-Ostschweiz zugestimmt und dem Projekt Expo 2027 seine Unterstützung zugesagt.»

Die Projektidee sei bereits vor fünf Jahren von den Kantonen Thurgau, Appenzell Ausserrhoden und St. Gallen lanciert und seither konzeptionell entwickelt worden, sagt Buri weiter. Aufgrund dieser konkreten Vorarbeiten habe sich die KdK einstimmig für die Weiterentwicklung jenes Projekts ausgesprochen. Buri: «Dieses erfreut sich somit einer breiten nationalen Akzeptanz und Unterstützung.»

Daran hält die Regierung auch angesichts der aktuellen Expo-Diskussion im Aargau fest. Nochmals Peter Buri: «Für den Aargauer Regierungsrat haben sich seit dem 20. Juni keine neuen Erkenntnisse für einen Rückzug seiner Unterstützungszusage ergeben.»

Ein Grund, um aufzuhören?

Wie enttäuscht ist Schmid ob dieser Zurückhaltung? Ein Grund, aufzuhören? Er sei nicht enttäuscht, sagt Schmid: «Dass sich die Regierung zurückhält, ist klar. Es liegt kein anderer Auftrag vor. Es gibt bisher auch keinen Vorstoss dazu. Deshalb war es in der Regierung noch kein Thema. Dafür wäre es zu früh.»

Gefreut hätte ihn aber schon, räumt er ein, «wenn die Regierung frühzeitig von sich aus eine mögliche Expo im Aargau zur Diskussion gestellt hätte. Aber sie kann dies immer noch.» Weiter sagt er: «Die Ostschweizer haben wohl einen Masterplan, aber noch lange kein Konzept.» Eine Interpellation (vgl. Artikel unten) sei jetzt der beste Weg, um eine fundierte Übersicht zu erhalten.

Guhl: Aargau kommt zu spät

Wie tönt es im Bundeshaus? Der Aargauer BDP-Nationalrat Bernhard Guhl findet, eine Expo sei für eine Region sicher ein Gewinn, dafür brauche es aber keine Kampfkandidaturen. Guhl: «Die Regionen sollen sich untereinander absprechen. Die Ostschweiz hat schon den Segen der Kantone, da kommt der Aargau zu spät. Für uns stellt sich eher die Frage, ob wir mit anderen Nordwestschweizer Kantonen die übernächste Expo ausrichten wollen.»

Ganz anders SP-Nationalrat Max Chopard. In der Debatte sieht er eine interessante Diskussion. Er weiss, dass sich die Kantone bereits für das Ostschweizer Projekt ausgesprochen haben. Dennoch ärgert ihn, dass von der Kantonsregierung für die Idee einer Aargauer Expo keine Unterstützung kommt: «Sie ist stolz auf die tiefsten Ausgaben aller Kantone, dafür bringt man nichts mehr zustande. Dabei müssen wir in unseren Standort investieren, auch in die Bildung!»

Aus Gesprächen mit Ostschweizer Kollegen weiss Chopard, dass diese über die Aargauer Debatte nicht erfreut sind. Er ist ihr gegenüber aber aufgeschlossen, wenn sie nachhaltig und umweltverträglich gestaltet wird, und würde die Debatte gern offener überkantonal führen, etwa mit Nachbar Solothurn oder noch grossräumiger.

Aargau/Solothurn zusammen?

Tatsächlich fände der Solothurner SP-Nationalrat Philipp Hadorn eine Expo-Debatte auch für seinen Kanton spannend. Hadorn zur az: «Da könnten wir die ausserhalb bisher zu wenig wahrgenommenen Sonnenseiten unseres Kantons präsentieren, den Naturpark Thal, die neue Weissenstein-Bahn usw. Natürlich wären auch Ökologie und Umweltfragen als Zukunftschancen zentral zu thematisieren.»

Das Potenzial wäre da, man könnte vieles nachhaltig sichtbarer machen. Ob es für diese Debatte schon zu spät ist oder nicht, sei sorgfältig zu prüfen. Eine gesunde Wettbewerbssituation zwischen den Regionen um die Expo 2027 fände er aber positiv. Hadorn: «Alle Regionen dürfen, ja sollen sich profilieren können.» Er hofft, dass auch in Solothurn «die Chance für eine mögliche Expo geprüft wird – am liebsten zusammen mit Nachbar Aargau oder gar mehreren Kantonen».