AZ-Steuerhotline (Teil 2)

Experten wurden mit Fragen überhäuft: «Warum kann ich für die Krankenkasse nicht mehr abziehen?»

Die Steuerexperten Lukas Kretz von der BDO AG Aarau (links im Bild) und Silas Rohner vom VZ VermögensZentrum Aarau in der AZ-Zentralredaktion in Aarau.

Noch bis 31. März haben natürliche Personen Zeit, ihre Steuererklärung abzugeben. Höchste Zeit also zu klären, welche Versicherungen und welche Gesundheitskosten man abziehen kann. Hier erfahren Sie es – und viel mehr, dass die Experten unserer Steuer-Hotline beantwortet haben.

Lukas Kretz von der BDO AG Aarau und Silas Rohner vom VZ VermögensZentrum Aarau standen unseren Leserinnen und Lesern zwei Stunden lang telefonisch Red und Antwort. Das Telefon läutete ununterbrochen. Hier Teil 2 der spannendsten Fragen und Antworten (und hier geht es zu Teil 1).

Als verheiratetes Paar können wir für die Krankenkasse nur 4000 Franken abziehen. Die Kosten sind aber inzwischen sehr viel höher. Wann geht der Abzug endlich rauf?!

Silas Rohner: Es ist so, dass Sie als gemeinsam steuerpflichtige Ehegatten für Versicherungsprämien (inklusive Krankenkassenprämien) und Sparzinsen in der Steuererklärung 2018 auf kantonaler Ebene 4000 Franken abziehen können. Bei den übrigen Steuerpflichtigen sind es 2000 Franken. Auf Bundesebene sind es 3500 Franken für Personen mit Pensionskasse/Säule3a-Anschluss. Sonstige Verheiratete: 5250. Es sind auf Bundes- und Kantonsebene Bestrebungen in Gang, diesen Abzug zu erhöhen. Ob, wann und in welchem Ausmass das geschehen wird, ist aber noch offen.

Wir hatten 2018 erhebliche Kosten im Gesundheitsbereich. Kann man da steuerlich etwas machen?

Lukas Kretz: Ja. Diese können Sie in der Rubrik Krankheitskosten deklarieren. Dazu gehören beispielsweise auch die Franchise und die bezahlten Selbstbehalte. Wahrscheinlich haben Sie von Ihrer Krankenkasse eine Auflistung all der Kosten bekommen, die sie selbst getragen haben. Auflisten können Sie auch die neue Brille, ein Hörgerät, sofern selbst bezahlt, und die Zahnarztkosten. Wichtig ist aber, dass Sie steuerlich erst dann einen Abzug berücksichtigen können, wenn Ihre Gesundheitskosten mehr als fünf Prozent des Reineinkommens ausmachen. Beträge, die darunter liegen, können nicht in Abzug gebracht werden.

Wie merke ich, dass es für einen Abzug reicht?

Lukas Kretz: Wenn Sie die Steuererklärung mit EasyTax ausfüllen, berechnet die Software diesen Abzug automatisch.

Ich habe nichts Derartiges bekommen. Dann muss ich die Angaben alle selbst zusammensuchen?

Lukas Kretz: Ich empfehle Ihnen, sich bei Ihrer Krankenkasse zu melden, und einen Auszug zu verlangen. Damit sparen Sie viel Zeit. Nach meiner Erfahrung klappt das in den meisten Fällen. Sollte es nicht klappen, bliebe Ihnen tatsächlich nichts anderes übrig, als die selbstgetragenen Kosten zusammenzutragen.

Muss ich dann diese Belege einsenden, oder reicht es, wenn ich sie für Nachfragen bereit halte?

Lukas Kretz: Ich empfehle Ihnen, je eine Kopie der Belege der Steuererklärung beizulegen, damit das Steueramt die Kosten nachvollziehen und überprüfen kann.

Meine Mutter ist im Pflegeheim. Da fällt eine Pflegetaxe an, ebenso eine Pensionstaxe. Die Pensionstaxe allein macht monatlich etwa 4000 Franken aus. Was davon kann meine Mutter steuerlich abziehen?

Lukas Kretz: Das hängt davon ab, ob ihre Mutter als behinderungsbedingt (also mehr als eine Stunde Pflegeaufwand pro Tag benötigt) oder altersbedingt im Heim ist. Da der Pflegeaufwand bei ihr so hoch ist, ist davon auszugehen, dass sie diese Kosten als behinderungsbedingte Kosten geltend machen können. Bei dauerhaften behinderungsbedingten Aufenthalten in Pflegeheimen werden jedoch die dabei eingesparten Lebenshaltungskosten (Unterkunft und Verpflegung zu Hause) mit 40 Prozent der Grundtaxe (Pensionstaxe) in Abzug gebracht.

Ich habe anfangs 2019 mein Pensionskassenguthaben auszahlen lassen. Schon kurz danach kam die Steuerrechnung. Woher wissen die das? Das ist doch eine Sauerei.

Silas Rohner: Die Vorsorgestiftung, die Ihnen Ihr Guthaben ausbezahlt hat, ist verpflichtet, den Bezug der Vorsorgegelder dem Steueramt direkt zu melden. Das ist gesetzlich vorgeschrieben. Das hat also seine Richtigkeit. Zudem wird die Steuer beim Bezug des Guthabens fällig.

Muss ich es denn auch noch in der Steuererklärung eintragen?

Silas Rohner: Ja, Sie müssen den Bezug auch in der Steuererklärung deklarieren – aber erst in derjenigen für 2019 – deklarieren. So kann das Steueramt Ihr entsprechend höheres Vermögen nachvollziehen. Diese Steuer, die Sie jetzt zahlen, fällt natürlich nicht noch einmal an. Aber das Geld unterliegt der Vermögenssteuer.

Warum wird die Steuer sofort fällig, statt erst nächstes Jahr? Da kassiert der Staat sogar Zinsen – auch wenn die momentan nicht hoch sind.

Silas Rohner: Kapitalauszahlungen werden von Gesetzes wegen beim Auszahlungszeitpunkt besteuert. Dies ist wichtig, etwa wenn Sie zum Beispiel in diesem Jahr den Wohnkanton wechseln sollten. Es ging mit dieser Rechnung also mit rechten Dingen zu.

Ich bin frisch pensioniert, und habe mir die Säule 3a und 3b auszahlen lassen. Jetzt wird das ganz unterschiedlich besteuert. Warum?

Silas Rohner: Das Kapital in der Säule 3a mussten sie bisher nicht als Vermögen deklarieren, und Sie konnten die Einzahlungen bis zum gesetzlich vorgegebenen Umfang jeweils vom Einkommen abziehen. Deshalb wird beim Bezug jetzt auch eine Steuer fällig, wobei der Betrag separat und mit einem ermässigten (Vorsorge)-Tarif besteuert wird. Bei der Säule 3b konnten Sie die Zahlungen nicht abziehen. Deshalb fällt jetzt auch keine Kapitalauszahlungssteuer an.

Ich habe meiner Tochter einen Betrag ausbezahlt, damit sie für ihre Familie ein Haus kaufen kann. Wie muss ich das deklarieren?

Silas Rohner: Sie können es als Schenkung oder als Erbvorbezug deklarieren. Beides ist möglich.

Und was empfehlen Sie mir?

Silas Rohner: In der Regel wird dies als Erbvorbezug oder Vorerbschaft deklariert. Steuerlich macht es für Sie aber keinen Unterschied. Für Sie ist das steuermässig neutral, d.h. es fällt keine Erbschafts/Schenkungssteuer an. Wichtig ist noch zu wissen, ob Sie weitere Kinder haben? Dann wäre eine allfällige Ausgleichspflicht zu prüfen.

Ich habe nur eine Tochter, das fällt dann weg. Kann ich aber in die Pflicht genommen werden, falls ich einst ins Pflegeheim muss, und Ergänzungsleistungen (EL) brauche?

Silas Rohner: Erst zu Ihrer Tochter: Sie muss den Betrag ebenfalls deklarieren, die Schenkung erhöht ihr Vermögen. Jetzt zu Ihnen selbst: Sollten Sie dereinst EL benötigen, dann schaut die Sozialversicherungsbehörde genau hin, was Sie früher mit Ihrem Geld gemacht habenb, ob Sie es beispielsweise verschenkt haben oder nicht. Bei einem Vermögensverzicht (Schenkung) werden pro Jahr 10 000 Franken akzeptiert. Ist es mehr, würde dies dann im EL-Fall Ihrem Vermögen angerechnet, und es gäbe entsprechend weniger EL für Sie.

Ich machte letztes Jahr von einer Grosstante eine Erbschaft. Wie geht das jetzt mit der Steuererklärung?

Lukas Kretz: Die Wohnortsgemeinde Ihrer verstorbenen Grosstante berechnet die Erbschaftssteuer. Diese hängt nicht vom Steuerfuss der Gemeinde ab. Sie ist im ganzen Aargau gleich hoch. Sie müssen das Erbe aber trotzdem auch auf der ersten Seite Ihrer Steuererklärung 2018 angeben. Damit weisen sie gegenüber dem Steueramt Ihren Vermögenszuwachs nach. Selbstverständlich unterliegt das neue Vermögen auch der Vermögenssteuer wie auch die Erträge der Einkommnenssteuer ab dem Zeitpunkt des Erbanfalls.

Unsere Tochter ist in der Kantonsschule. Wo kann ich die Kosten für ihr Bahnbillett und die Auswärtsverpflegung deklarieren?

Silas Rohner: Diese Kosten sind für ihre Tochter im Kinderabzug bereits enthalten. Sie können dies Kosten nicht noch separat abziehen. Der Kinderabzug beträgt 9 000 Franken für Ihre Tochter in Ausbildung, wenn sie zwischen 14 und 18 ist. Sobald sie älter, aber noch in Ausbildung ist, beträgt er 11 000 Franken – sofern Sie zur Hauptsache für ihren Unterhalt aufkommen.

Meistgesehen

Artboard 1