Die Kantonsregierung besteht seit acht Jahren aus Vertretern von fünf Parteien, nämlich von SVP, FDP, SP, CVP und einer Vertreterin der Grünen. Bleibt es dabei? Stützt man auf die Momentaufnahme einer Exklusivumfrage der az ab, hat derzeit Rot-Grün klar die besseren Chancen, den frei werdenden Sitz von Susanne Hochuli in ihren Reihen zu halten.

Auf Rang 5 hinter den Bisherigen und Markus Dieth (CVP) ist nämlich SP-Nationalrätin Yvonne Feri (vgl. Grafik). Auf sie folgt – noch vor der SVP-Kandidatin – überraschend der grüne Grossrat Robert Obrist. Für sie enttäuschend liegt Franziska Roth (SVP) laut Umfrage nur an siebter Stelle. Sie muss bis zum Wahltag kräftig aufholen. Sonst dürfte man sich in der SVP aufgrund ihrer Akzeptanz für den zweiten Wahlgang grundlegende Überlegungen zur Person machen.

7 Fragen, 7 Mal nur Ja oder Nein als Antwort

7 Fragen, 7 Mal nur Ja oder Nein als Antwort

Das sagen die Kandidaten Feri, Dieth und Roth  zu Atomausstieg, integrativer Schule und mehr Polizisten.

Schafft es Dieth im 1. Wahlgang?

Unbestritten scheint, dass die CVP ihren Sitz mit dem Wettinger Gemeindeammann und Grossrat Markus Dieth verteidigen kann. Er kommt in der Umfrage auf 33,6 Prozent. Es könnte also – sofern am 23. Oktober so gewählt wird wie bei unserer Sonntagsfrage – hauchdünn schon im ersten Wahlgang reichen. Dieths Umfrageergebnis zeigt, dass er als «Unbestrittener» im Kampf zwischen SP/Grünen und SVP um den Sitz von Susanne Hochuli bei den Wählern bisher nicht vergessen ging.

77 Prozent der CVP-Sympathisanten wollen Markus Dieth gemäss Umfrage die Stimme geben, stark verankert ist er mit 41 Prozent auch bei den Freisinnigen. 27 Prozent der SVP-Sympathisanten wollen ihn wählen, bei SP und Grünen sind es unter 20 Prozent. Am besten kommt er bei den über 55-Jährigen und bei Männern an.

Bisherige marschieren durch

Die drei wieder antretenden Regierungsräte liegen in der Umfrage uneinholbar vorn. Innendirektor Urs Hofmann (SP), Bildungsdirektor Alex Hürzeler (SVP) und Baudirektor Stephan Attiger (FDP) werden das absolute Mehr im ersten Wahlgang erreichen. Sie liegen mit 52,3 (Hofmann), 51,9 (Hürzeler) und 50,7 Prozent (Attiger) sehr nahe beieinander. Alle drei werden leicht stärker von Männern als von Frauen gewählt, alle drei sind bei den über 35-Jährigen noch besser verankert als bei den jüngsten Wählern.

In der eigenen Parteibasis am besten verankert ist Stephan Attiger mit 92 Prozent, gefolgt von Alex Hürzeler mit 80 sowie Hofmann mit 76 Prozent. Hofmann kompensiert diesen vergleichsweise niedrigen Wert mit der breitesten Verankerung in der ganzen Wählerschaft.

Er bekommt nämlich auch 68 Prozent der CVP-Stimmen und selbst 27 Prozent der SVP-Stimmen. Hürzeler erreicht auch bei den FDP-Wählern mit 72 Prozent einen Traumwert, dafür gönnen ihm nur 11 Prozent der grünen Wähler ihre Stimme. Früher hätte man bei der SVP angenommen, sie gewinne auf dem Land deutlich mehr Stimmen, so Werner Reimann von Demoscope. Alex Hürzeler und Franziska Roth holen aber jetzt in der Stadt fast gleich viele Stimmen wie auf dem Land.

Hürzelers Umfragewerte zeigen zudem, dass ihm die kürzlich publik gewordene Abwahlempfehlung eines enttäuschten Parteikollegen nicht geschadet hat. Er bleibt in der SVP-Basis gut verankert. Zudem zeigen Erfahrungswerte, dass Magistraten, die sich im Amt von ihrer Partei emanzipieren, eher an Akzeptanz gewinnen.

Das sind die Regierungsratskandidierenden 2016:

Grüner Herausforderer an 6. Stelle

Robert Obrist, der den Sitz von Susanne Hochuli für die Grünen verteidigen soll, liegt hinter Yvonne Feri, aber vor Franziska Roth, die den Grünen den Sitz für die grösste Partei im Kanton wegschnappen soll. 26,3 Prozent für den erst seit 2014 im Grossen Rat politisierenden Grünen sind ein guter Wert. Seine Wählerschaft ist über die Altersgruppen und zwischen Mann und Frau recht gleichmässig verteilt. Auch bezüglich Akzeptanz auf dem Land oder in der Stadt gibt es keinen Unterschied.

82 Prozent der Grünen-Wähler wollen Obrist die Stimme geben, bei den SP-Wählern sind es noch 53 Prozent. Bei FDP- und CVP-Sympathisanten sind seine Werte unter 20, bei der SVP nur knapp über 5 Prozent. Für den zweiten Wahlgang dürften genau diese Stimmen aus der bürgerlichen Mitte eine entscheidende Rolle spielen.

7 Fragen, 7 Mal nur Ja oder Nein als Antwort – die Kandidaten im Vergleich

7 Fragen, 7 Mal nur Ja oder Nein als Antwort – die Kandidaten Bally, Scheier und Obrist im Vergleich

Maya Bally führt Verfolgerfeld an

Bei den weiteren Kandidierenden kommt die BDP-Fraktionspräsidentin im Grossen Rat, Maya Bally-Frehner, auf gemessen an der Grösse ihrer Partei ansehnliche 16,3 Prozent. Auch in ihrer Wählerschaft sind Frauen und Männer gleichmässig vertreten, bei über 55-Jährigen kommt sie am besten an. Ihr fehlen natürlich viele Stimmen der Anhänger der Regierungsparteien.

Genau gleich geht es GLP-Grossrätin Ruth Jo. Scheier. Sie macht bei Männern mehr Stimmen als bei Frauen und punktet bei Jungen überdurchschnittlich. Gleichauf liegt die parteilose Jil Lüscher. Ob sie tatsächlich so viele Stimmen bekommt, ist unklar.

Denn viele Sympathisanten geben an, eher nicht oder nicht zu wählen. Nochmals deutlich weiter hinten rangieren die drei Juso-Kandidatinnen Ariane Müller, Mia Gujer und Mia Jenni. Sie holen ihre Stimmen vorab bei den Jungen. Am Schluss rangiert der rührige «ewige Kandidat» Pius Lischer.