Aufsichtsverfahren

Ex-KSA-Chefarzt Javier Fandino: «Ich habe nichts Unethisches getan»

Der ehemalige KSA-Chefarzt Javier Fandino.

Der ehemalige KSA-Chefarzt Javier Fandino.

Zwei ehemalige KSA-Angestellte haben schwere Vorwürfe gegen das Kantonsspital Aarau und den ehemaligen Neurochirurgie-Chefarzt erhoben. Diese werden nun in einem Aufsichtsverfahren vom Departement Gesundheit und Soziales geprüft. Javier Fandino weist die Vorwürfe zurück.

Das Kantonsspital Aarau (KSA) und Neurochirurgie-Chefarzt Javier Fandino haben die langjährige Zusammenarbeit Ende April Knall auf Fall beendet. Die genauen Gründe für die Trennung sind heute noch unklar.

Es ist die Rede von unterschiedlichen Auffassungen über die Art der Kommunikation. Aber es stehen auch Vorwürfe gegen den Neurochirurgen im Raum. Die Vorwürfe sind so schwer, dass sich inzwischen das Gesundheitsdepartement eingeschaltet hat.

Es sei ein Aufsichtsverfahren gegen die Kantonsspital Aarau AG und Javier Fandino eingeleitet worden, teilte das Departement von Regierungsrat Jean-Pierre Gallati am Mittwoch mit. Anlass für das Verfahren war ein Schreiben von zwei ehemaligen KSA-Angestellten, in dem diese schwere Anschuldigungen erhoben. Die Vorwürfe beträfen «Unregelmässigkeiten, unethisches Verhalten und fehlende Bewilligungen im Zusammenhang mit medizinischen Studien», heisst es in der Mitteilung zusammenfassend.

Dem KSA ist eine lückenlose Klärung ein Anliegen

Das KSA wurde gestern kurz vor der Öffentlichkeit über das Aufsichtsverfahren in Kenntnis gesetzt. «Dem KSA ist es, wie dem Kanton, ein Anliegen, dass die in den Raum gestellten Vorwürfe lückenlos geklärt werden», sagt Mediensprecherin Isabelle Wenzinger.

Selbstverständlich werde das KSA dazu mit dem Departement Gesundheit und Soziales kooperieren. Weiter will sich das Spital im Moment nicht dazu äussern.

Javier Fandino weist die Vorwürfe entschieden zurück

Auch Javier Fandino sagt, er unterstütze die Untersuchung und habe ein Interesse daran, dass die Sache aufgeklärt werde. Die erhobenen Vorwürfe der beiden ehemaligen KSA-Mitarbeitenden weist der Arzt zurück. «Ich habe nichts Unethisches gemacht. Alle meine Studien wurden von der Ethikkommission bewilligt und die Patientinnen und Patienten aufgeklärt.»

Er schickt der AZ ausserdem eine schriftliche Bestätigung des KSA-Rechtsdienstes. Darin steht, «dass Stand 9. September 2020 am KSA kein Haftpflichtfall existiert, in dem eine Haftung durch die Arbeit von Herrn Fandino anerkannt oder gerichtlich festgestellt ist». Aktuell sei ein Fall hängig. «Eine Patientin macht in einem Fall eine Haftung geltend, das KSA geht aber aktuell nicht von einer Haftung aus», heisst es im Schreiben des Rechtsdienstes weiter.

Es gab Gerüchte

Das eingeleitete Aufsichtsverfahren gegen das KSA und den ehemaligen Chefarzt wird von der Abteilung Gesundheit geführt. Diese wird von Barbara Hürlimann geleitet. Sie sagt, es würden nun alle Vorwürfe der beiden ehemaligen KSA-Mitarbeitenden genau untersucht und die entsprechenden Abklärungen getätigt. Das Aufsichtsverfahren werde einige Monate in Anspruch nehmen.

Das Schreiben der beiden ehemaligen KSA-Mitarbeitenden sei erst vor Kurzem eingegangen, sagt Hürlimann. Gerüchte mit ähnlichen Vorwürfen habe es gegeben. «Aber das alleine genügt nicht, um eine Aufsichtsuntersuchung einzuleiten», erklärt sie.

Für Konsequenzen ist es noch zu früh

Die weiteren Schritte hängen von den Ergebnissen der Sachverhaltsabklärung ab. Für Javier Fandino hat das laufende Aufsichtsverfahren vorläufig keine Konsequenzen. «Um zum Beispiel eine Auflage, eine Einschränkung oder gar einen Entzug der Berufsausübungsbewilligung verfügen zu können, müssen wir zuerst das Resultat der Sachverhaltsabklärungen abwarten», erklärt Hürlimann.

Ein Aufsichtsverfahren ist auch kein Strafverfahren. Sollte im Verlauf der Abklärungen allerdings strafrechtlich Relevantes ans Licht kommen, werde das Gesundheitsdepartement eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft sicher prüfen, sagt Barbara Hürlimann.

Javier Fandino war 17 Jahre lang am KSA tätig. Hürlimann kann den Zeitpunkt, der untersucht wird, nicht genau eingrenzen. «Wir gehen den Vorwürfen im Schreiben nach und gehen so weit wie nötig zurück, um uns ein Bild zu machen.»

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