Markus Mohler war von 1979 bis 2001 Kommandant der Kantonspolizei Basel-Stadt, er präsidierte die Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten, war Lehrbeauftragter an den Universitäten Basel und St. Gallen, ist selber Jurist und war früher auch Staatsanwalt – ein Experte also, wenn es um Strafverfolgung und Polizeithemen geht. Kürzlich machte Mohler im «Echo der Zeit» von Radio SRF einen ungewöhnlichen Vorschlag, um die knappen Polizeikorps in den Kantonen aufzustocken.

Er schlägt den Einsatz von Freiwilligen als Hilfspolizisten vor. Diese sollen dieselbe Uniform wie die «echten» Polizisten tragen und mit diesen im Einsatz stehen – auf Patrouillen, bei Demonstrationen, im Verkehrsdienst. Mit einem Abzeichen auf der Uniform soll klargemacht werden, dass Freiwillige im Einsatz sind.

Mohler sagt gegenüber Radio SRF: «Das sind Leute, die einen anderen Beruf als die Polizei ausüben, oder auch Studenten, die sich für die Polizeiarbeit interessieren und gerne einen Beitrag für die Sicherheit leisten möchten.» Sie müssten körperlich und psychisch in der Lage sein, Polizeidienst zu leisten und zudem einen reinen Strafregisterauszug aufweisen, sagt Mohler.

Waffen für freiwillige Polizisten?

Er geht davon aus, dass sich genügend Interessenten finden würden. «In der Schweiz werden viele Aufgaben so gelöst, der grösste Teil der Feuerwehren besteht aus Freiwilligen.» Mohler betont, die Hobbypolizisten wären immer nur mit Berufspolizisten im Einsatz und an deren Weisungen gebunden. Bei einem Fussballspiel, wo ein Grossaufgebot an Sicherheitskräften nötig sei, könnte man dank Freiwilligen mit rund der Hälfte der bisher eingesetzten Polizisten auskommen. Mohler hält es sogar für denkbar, die Freizeitpolizisten zum Selbstschutz zu bewaffnen – dies nach einer entsprechenden Ausbildung.

Ziel sei keineswegs, die Berufspolizisten mit Freiwilligen zu ersetzen, vielmehr gehe es darum, die Korps zu vergrössern. So könnten auch Kantone, die Finanzprobleme haben und beim Personal sparen müssen, ihre Polizeikräfte aufstocken – denn die Freiwilligen würden weniger verdienen als die Profi-Polizisten. Dafür müssten die Kantone in die Ausbildung der Hilfspolizisten investieren, diese sollten laut Mohler in Abend- oder Wochenendkursen für ihre Aufgaben geschult werden. Markus Mohler ist sich bewusst, dass geltende Gesetze für den Einsatz von freiwilligen Polizisten geändert werden müssten. Rechtlich sei dies absolut machbar, sagt Jurist Mohler, entscheidend sei der politische Wille.

«Problematisch und nicht umsetzbar»

Auch im Aargau ist der Polizeibestand relativ niedrig – wären freiwillige Hilfskräfte eine Lösung? Sicherheitsdirektor Urs Hofmann (SP) winkt ab. «Ich erachte – in Übereinstimmung mit der Leitung der Kantonspolizei – den Einsatz von Freiwilligen als problematisch und im allgemeinen Dienst nicht umsetzbar.»

Unabhängig von den Zweifeln, ob die auch für Freiwillige unentbehrlichen Ausbildungsstandards mit Abend- oder Wochenendkursen überhaupt erreicht werden könnten, stelle sich die Frage nach der Verfügbarkeit geeigneter Instruktoren. Es bestehe Grund zur Annahme, dass ein solches Modell mehr Ressourcen verbrauche, als mit dem Einsatz von Freiwilligen geschaffen werden könnten. Hofmann betont: «Unter dem Strich macht es mehr Sinn, Geld und Energie in den kommenden Jahren in zusätzliche bestens ausgebildete Kantonspolizistinnen und -polizisten zu investieren, als sich auf Experimente mit Freiwilligen einzulassen.»

Nicht mit Feuerwehr vergleichbar

Die äusserst vielseitigen Aufgaben der Polizei lassen sich laut Hofmann nicht mit jenen einer Feuerwehr vergleichen, die sich aus Milizdienstpflichtigen und Freiwilligen zusammensetzt. «Die Einsätze dieser Feuerwehren sind örtlich, zahlenmässig und auch vom Auftrag her begrenzt», hält er fest. Demgegenüber sei die Polizei rund um die Uhr im ganzen Aufgabenspektrum gefordert. Hofmann: «Dieser wesentliche Unterschied stellt ganz andere Anforderungen an die Ausbildung.»

Auch Markus Leimbacher, Präsident des kantonalen Polizeiverbandes, steht dem Einsatz von Freiwilligen als Unterstützung für die Polizei sehr kritisch und skeptisch gegenüber. «Die Feuerwehren bestehen nur in ländlichen Gemeinden und Orten, wo es sehr wenige Einsätze gibt, aus Freiwilligen», hält er fest. Die Situation der Polizei, die allgegenwärtig sein müsse, sei damit nicht vergleichbar. Leimbacher betont: «Gerade in Städten mit vielen Einsätzen gibt es aus guten Gründen nur die Berufsfeuerwehr.»

Mehraufwand statt Mehrwert

Auslöser für die Idee sei wohl die Vorstellung, dass auch bei der Polizei gespart werden solle, vermutet der Verbandspräsident. «Dabei wird jeweils vergessen, dass gerade im Aargau die Sicherheit einer der wesentlichen Standortfaktoren ist.» Das Gewaltmonopol stehe ganz klar dem Staat zu, gibt er zu bedenken. Deshalb dürften hoheitliche Massnahmen nicht durch Hilfskräfte geleistet werden, denen die Ausbildung fehle.

«Hilfspolizisten in Uniform führen visuell zu einem falschen Sicherheitsgefühl», sagt Leimbacher und ergänzt: «Ich sehe keinen Mehrwert durch den Einsatz von Freiwilligen, eher sogar einen Mehraufwand: Diese Leute müssten ja durch die eigentlichen Polizisten betreut werden.» Einen gemischten Einsatz von Berufs- und Hobbypolizisten kann sich der Verbandspräsident gar nicht vorstellen. Dies würde eine Zusatzverantwortung für die Ausgebildeten darstellen, die sie in der täglichen Arbeit behindern würde. «Für sie ist es heute schon eine Herausforderung, die Aspiranten der Polizeischule in den aktiven Dienst zu integrieren.»