Übernachtungen
Eurokurs: Auch Aargauer Hoteliers befürchten Schlimmes

Das Geschäft mit Übernachtungen läuft schon seit einiger Zeit nicht mehr gut. 2014 verzeichnete Aargau Minus von 1,7 Prozent – 2015 fing schlecht an, der starke Franken wird das seine dazu beitragen.

Mathias Küng
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Für Hotels an der Grenze ist es besonders schwierig, ist ein Zimmer doch oft nur wenige hundert Meter weiter auf deutscher Seite jetzt noch günstiger.

Für Hotels an der Grenze ist es besonders schwierig, ist ein Zimmer doch oft nur wenige hundert Meter weiter auf deutscher Seite jetzt noch günstiger.

Keystone

Gesamtschweizerisch hielt sich der Tourismussektor letztes Jahr mit einem Übernachtungsplus von 0,9 Prozent ganz passabel. Der Aargau jedoch, der von einem grossen Anteil geschäftsbedingter Übernachtungen profitiert, verzeichnete ein leichtes Minus von 1,7 Prozent.

Dominik Wyss, Präsident des Aargauer Hoteliervereins: «Das ist enttäuschend. Nach dem sehr guten 2013 fehlten uns letztes Jahr 12 000 Übernachtungen. Damit fehlen rund 1,2 Millionen Franken. Weil diese fehlenden Gäste hier auch nicht zu Abend gegessen, nichts eingekauft und kein Benzin getankt haben, entgingen dem Aargau insgesamt wohl gegen 2 Millionen Franken Umsatz. Das tut weh.»

Erklären kann sich Wyss den Rückgang eigentlich nicht – ausser, dass 2013 viele Übernachtungen auf Spezialisten für AKW-Revisionen zurückzuführen waren. Dabei wird das Angebot besser. 2014 kam in Villmergen ein neues Hotel dazu. Es wird weiter zugebaut, etwa in Aarau (Hotel Kettenbrücke) und in Oberentfelden.

Doch was erwartet Wyss jetzt, nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses? Die Hotellerie im Aargau sei grundsätzlich weniger betroffen als diejenige in den klassischen Tourismusregionen, schickt Wyss voraus. Doch auch sie spüre den Frankenschock. Die Übernachtungszahlen für Januar und natürlich auch für Februar liegen noch nicht vor. Im Gespräch mit mehreren Hoteliers hörte Wyss aber von Übernachtungsrückgängen von 4 bis 5 Prozent.

Für Hotels an der Grenze ist es besonders schwierig, ist ein Zimmer doch oft nur wenige hundert Meter weiter auf deutscher Seite jetzt noch günstiger. Wenn Aargauer Firmen weniger exportieren können, haben sie zudem weniger Kundenbesucher, die dann auch nicht hier übernachten.

Wyss mag gleichwohl nicht klagen und stellt keine Forderungen an die Politik: «Wir haben noch Potenzial, etwa mit der vielversprechenden IG Altstadt. Wir können unsere Rentabilität verbessern. Das Sparen hat aber Grenzen im direkten Kontakt mit den Kunden, dort müssen wir aufpassen.» Wyss baut darauf, dass der Aargau zu einer eigenen Tourismusregion wird: «Dieses starke Zeichen wird uns helfen. Jetzt ist es an uns Hoteliers, einen guten Job zu machen!» Er hofft, dass für die frei werdende Geschäftsführungsstelle von Aargau Tourismus (AT) «der bestmögliche Marketingchef eingestellt wird».

Auch für Andrea Lehner, scheidende Geschäftsführerin von AT, ist der Rückgang 2014 ein Stück weit unverständlich. Markant eingebrochen seien im Frühsommer aufgrund des miserablen Wetters die Veloangebote mit Übernachtungen. Das Interesse an touristischen Angeboten habe aber zugenommen, etwa bei Museum Aargau. Und AT hatte auf der Homepage bereits 1,7 Millionen Besucher. Offenkundig bilde sich das aber noch zuwenig in Übernachtungen ab, weil der Aargau sehr viele Tagestouristen hat.

Andrea Lehner fällt auf, dass Aargauer Hotels auf einem grossen Portal wie e-bookers erst wenig präsent sind. Im Tages- und Wochenendausflugsbereich erwartet sie keinen grossen Einfluss der Euroschwäche, aber schon, dass jetzt mehr Schweizer im Ausland Ferien machen. Rückfragen in den Regionen zeigten, dass diese noch nichts spüren. «Aber», so Lehner, «da der Tourismus bei uns erst im Frühling richtig losgeht, werden wir es erst dann wirklich sagen können.»