Vierfachmord
«Es wurde niemand verhaftet» – Staatsanwaltschaft hat trotzdem News zum Fall Rupperswil

Ist den Ermittlern im Fall Rupperswil der Durchbruch gelungen? Die Staatsanwaltschaft und die Kantonspolizei Aargau kündigen für Donnerstag eine Medienkonferenz an.

Silvan Hartmann, Philipp Zimmermann und Fabian Hägler
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Gelang den Ermittlern der Durchbruch? Ermittlungsarbeiten zum Tötungsdelikt in Rupperswil AG (Archivbild)

Gelang den Ermittlern der Durchbruch? Ermittlungsarbeiten zum Tötungsdelikt in Rupperswil AG (Archivbild)

Keystone/PATRICK B. KRAEMER

Haben die Ermittler im Vierfachmord von Rupperswil eine heisse Spur? Fest steht: Am Donnerstag um 14 Uhr informieren die Aargauer Staatsanwaltschaft und Kantonspolizei an einer Medienkonferenz über den aktuellen Stand der Ermittlungen. Die az wird live vor Ort berichten, auf Tele M1 läuft ab 13.50 Uhr eine Sondersendung.

Einen möglichen Täter dürften die Behörden aber noch nicht präsentieren. «Bisher wurde niemand verhaftet», sagte Sandra Zuber, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, gestern Mittwoch auf Anfrage der az.

Wie der «Blick» berichtet, haben am Dienstagmorgen neun Ermittler im Haus, wo vier Opfer am 21. Dezember tot aufgefunden worden waren, erneut Spuren gesichert. Mussten dabei neue Erkenntnisse mit der Situation am Tatort verglichen werden? Auf Nachfrage macht Zuber klar, dass vor der Medienkonferenz keine weiteren Informationen preisgegeben werden. Sie bestätigt einzig, dass die Spurensicherung am Dienstag am Tatort war.

Eigene und auswärtige Ermittler und Spezialisten mit weissen Overalls, Mundschutz und Handschuhen betraten gegen 10 Uhr das Haus der Familie Schauer im Rupperswiler Spitzbirrli-Quartier, wie Polizeisprecher Bernhard Graser sagt. Zu Werk gingen sie auch in der Garage. Zumindest in der Küche wurde gemäss dem «Blick» fotografiert. Nach zwei Stunden versiegelten die Ermittler die Eingangstür und verlassen den Tatort.

Noch ein Aufruf an Bevölkerung?

Wie lassen sich der erneute Einsatz der Spurensicherung am Tatort und die gestern angekündete Medienkonferenz interpretieren? Markus Melzl, ehemaliger Kriminalkommissar und Sprecher der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt, sagt gegenüber Tele M1: «Entweder ist man einen Schritt weiter bei der Suche nach dem Täter, oder man hat neue Erkenntnisse und möchte einen weiteren Aufruf an die Bevölkerung machen.»

Carla Schauer während ihres Barbezugs am Schalter in der AKB-Filiale in Wildegg am Montagmorgen, 21. Dezember 2015. Geld hob sie zuvor um 9.50 Uhr bei einem Bankomaten der Hypothekarbank Lenzburg in Rupperswil ab. Dabei wurde sie von einer Kamera gefilmt.
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So wurde die schreckliche Tat entdeckt: In einem Doppel-Einfamilienhaus stiessen Feuerwehrleute bei einem Brand am 21. Dezember 2015 auf vier Leichname.
Bei den Opfern handelt es sich um Carla Schauer (†48), ihre beiden Söhne (†13 und †19) sowie die Freundin des älteren Sohnes (†21). Dieses Bild vor dem Haus der Opfer wurde zirka 9 Tage nach der Tat aufgenommen.
Carla Schauer am Bancomaten in Rupperswil am Tag ihrer Ermordung. Sie hob hier am Tatmorgen 1000 Euro in 100er-Noten ab.
Die Filiale der Hypothekarbank Lenzburg in Rupperswil im Gebäude rechts hinten, etwas vom Baum verdeckt.
Die Lenzhardstrasse in Rupperswil, wo die Familie Schauer wohnte.
Die Feuerwehr rückte am Tattag um 11.20 Uhr wegen des Brands zum Haus an der Lenzhardstrasse aus.
Einsatzkräfte fanden im Haus die vier verkohlten Opfer. Sie wiesen alle Stich- oder Schnittverletzungen auf.
Roland Pfister, Medienchef der Kantonspolizei Aargau, informiert Medienschaffende nach der Tat.
Der Tattag: Ein Grossaufgebot von Feuerwehr, Polizei und Rettungskräften ist vor Ort.
Das Grossaufgebot von Polizei und Feuerwehr lockt auch zahlreiche Anwohner an.
Vor Ort stehen Spezialisten der Polizei, Rechtsmediziner und Vertreter der Staatsanwaltschaft im Einsatz.
Ermittler bei der Arbeit: Sie sichern Spuren im und vor dem Haus.
Für die Ermittler ist Knochenarbeit angesagt: Ein Polizist leuchtet in einen Schacht.
Auch das Care-Team Aargau ist vor Ort.
Das Quartier, in dem das Verbrechen geschah.
In der linken Doppelhaushälfte kam es zu den vier Tötungsdelikten.
Schüler und Anwohner stellen, als das Ausmass des Verbrechens klar wird, vor dem Haus Kerzen auf.
Schüler und Anwohner stellen, als das Ausmass des Verbrechens klar wird, vor dem Haus Kerzen auf.
Zwischen den Kernen befinden sich persönliche Abschiedsbotschaften.
Blick auf das Dorfzentrum von Rupperswil.
Flugblatt statt Facebook: Die Polizei sucht direkt in Rupperswil nach Personen, die Auskunft zur Bluttat mit vier Toten geben können.
Neun Tage nach der Tat stehen nach wie vor viele Kerzen vor dem Haus der Opfer.

Carla Schauer während ihres Barbezugs am Schalter in der AKB-Filiale in Wildegg am Montagmorgen, 21. Dezember 2015. Geld hob sie zuvor um 9.50 Uhr bei einem Bankomaten der Hypothekarbank Lenzburg in Rupperswil ab. Dabei wurde sie von einer Kamera gefilmt.

Kapo AG

Dass Kriminaltechniker auch Wochen nach einem Delikt den Tatort noch einmal untersuchen, sei durchaus üblich. Aufgrund der Ermittlungsergebnisse könnten sich neue Fragen ergeben, «oder man muss etwas genau anschauen, das zuvor nicht wichtig zu sein schien».

Zum vierfachen Tötungsdelikt, einem der schrecklichsten Gewaltverbrechen der Schweiz, kam es vor knapp acht Wochen, am 21. Dezember 2015. Was zunächst als harmloser Wohnungsbrand in einem Einfamilienhausquartier aussah, entpuppte sich als Gewaltverbrechen von besonderer Brutalität.

Bei den Löscharbeiten wurden im Haus vier Leichen gefunden. Schnell wurde klar, dass die vier Personen nicht Opfer der Flammen geworden, sondern einem Tötungsdelikt zum Opfer gefallen waren. Sie wiesen Stich- oder Schnittverletzungen auf und waren stark verkohlt. Bei den Opfern handelt es sich um Carla Schauer (†48), ihre beiden Söhne Davin (†13) und Dion (†19) sowie dessen Freundin Simona F. (†21). Die Täter hatten den Brand offenbar gelegt, um Spuren zu verwischen.

Carla Schauer hob noch am Morgen vor ihrem Tod bei zwei Banken in der Region Geld ab. Die Polizei veröffentlichte ein Überwachungsbild, das sie beim Geldbezug zeigt, und verteilte in Rupperswil und Umgebung auch Flugblätter. Trotzdem konnten die Behörden seit dem Mord keinen Fahndungserfolg melden. Ob sich dies ändert, wird sich heute Nachmittag an der Medienkonferenz weisen. Dort informieren der leitende Oberstaatsanwalt Philipp Umbricht, die fallführende Staatsanwältin Barbara Loppacher sowie Kriminalpolizei-Chef Markus Gisin.