Wie gut muss ein Arzt die Landessprache beherrschen? Diese Frage ist nicht nur für Patienten wichtig, sie beschäftigt auch die Parlamentarier in Bern. Derzeit diskutieren sie, ob Sprachhürden für die Zulassung von ausländischen Medizinern eingeführt werden sollen. Anders als in den Nachbarländern müssen ausländische Ärzte, die in einem Schweizer Spital arbeiten wollen, bislang keinen Nachweis erbringen, die hiesige Sprache zu beherrschen.

Das bleibt nicht ohne Folgen: In der «NZZ» berichtet Patientenschützerin Margrit Kessler von Ärzten am Zürcher Universitätsspital, die nur Englisch sprechen, und von einem tragischen Fall in einem anderen Spital, wo ein Patient an einer Entzündung gestorben ist. Der Grund: Der Betroffene habe den Arzt auf einen Infekt hingewiesen, was dieser nicht verstanden habe.

Missverständnis mit Folgen

Yvonne Blöchliger von der Patientenstelle Aargau/Solothurn sagt, Missverständnisse zwischen Ärzten und Patienten kämen immer wieder vor. Das liege einerseits an schwer verständlichen Fachausdrücken, andererseits aber auch an sprachlichen Hürden.

Als Beispiel nennt sie den Fall eines Krebspatienten, der seinen Arzt so verstanden hatte, dass nun die Heilung geglückt sei. Später zeigte sich: Die Aussage bezog sich nur auf die radiologische Untersuchung – geheilt von der Krankheit war er deswegen nicht. «Zu diesem Missverständnis wäre es ohne sprachliche Probleme nicht gekommen», sagt Blöchliger. Sie würde es begrüssen, wenn für die Zulassung von Ärzten bei den Sprachkenntnissen strengere Vorschriften gelten würden. «Die Gespräche zwischen Medizinern und Patienten sind bei der Behandlung zentral.» In den Aargauer Spitälern sei die aktuelle Lage diesbezüglich aber «sicher kein Fiasko».

Zu einem ähnlichen Urteil kommt auch Hans-Ulrich Iselin, Präsident des Aargauer Ärzteverbands: Ein grosses Problem bestehe im Aargau momentan nicht, nur in Einzelfällen führten mangelnde Sprachkompetenzen der Mediziner zu heiklen Situationen. Dennoch ist für Iselin klar: «Ärzte, die mit Patienten arbeiten, müssen die Landessprache der Region, in der sie tätig sind, beherrschen. Sich radebrechend verständigen können, reicht nicht.»

Die Aargauer Kantonsspitäler in Aarau (KSA) und Baden (KSB) teilen auf Anfrage mit: Kommunikationsprobleme gebe es deswegen keine. «Das KSB beschäftigt nur Ärzte mit ausgezeichneten Deutschkenntnissen», sagt Viktor Berger, Leiter Personal und Recht. «Unsere Ärzte müssen sich mit den Patienten verständigen können», sagt KSA-Sprecherin Andrea Rüegg. Die Mehrheit der ausländischen Ärzte stammt ohnehin aus dem deutschsprachigen Raum.

Deutsche und österreichische Mediziner stellen die grösste Gruppe – im KSA stammen nur gerade sieben Prozent aus anderen Ländern. Doch weil die Arbeitsbedingungen in Deutschland besser geworden sind, zieht es weniger deutsche Ärzte in die Schweiz.

Das heisst: Die Spitäler müssen vermehrt in nicht-deutschsprachigen Ländern nach Personal suchen. Dieser Trend geht auch am KSA nicht spurlos vorbei, wie Rüegg bestätigt. «Wir versuchen, unsere Stellen so attraktiv zu gestalten, dass wir Bewerber mit guten Sprachkenntnissen anstellen können.»

Höhere Hürden der falsche Weg?

Ob sich National- und Ständerat für oder gegen härtere Regeln bei der Zulassung ausländischer Ärzte entscheiden werden, ist noch offen. Fest steht: Die Spitäler halten die Verschärfung für den falschen Weg. Es sei leichter, die Sprachkompetenz zu verbessern als die Fachkompetenz, sagt Viktor Berger. «Aus diesem Grund ist es – im Falle eines Engpasses – klüger, fachlich beste Ärzte anzustellen und deren Sprachkompetenz aufzubessern.»