Der Aargau ist Teil des europäischen Kulturraums. Er verfügt über ein reiches Kulturerbe, das Jahrtausende zurückreicht und seit je auch international geprägt war. So eroberten und besiedelten die Römer das Gebiet des heutigen Aargaus, die Dynastie der Habsburger nahm hier ihren Anfang, und es war Napoleon, der den Kanton «erfand».

Für die Abteilung Kultur war es deshalb klar, dass sich der Aargau am «Europäischen Jahr des Kulturerbes» beteiligen wird. Das Jahr wurde vom EU-Parlament und dem Europarat gemeinsam lanciert. Es soll auf die Vielfalt und den Reichtum des kulturellen Erbes hinweisen. Die Bevölkerung soll Gelegenheit erhalten, Geschichte neu zu entdecken und über ihre Bedeutung für die Gesellschaft zu diskutieren.

Der Aargau beteiligt sich mit speziellen Aktivitäten am Kulturerbejahr 2018. «Es soll ein Jahr für alle werden», verspricht Thomas Pauli, Leiter der Abteilung Kultur beim Kanton. Zahlreiche Veranstaltungen, die über das ganze Kantonsgebiet verteilt stattfinden werden, sollen mithelfen, sowohl das bauliche als auch das archäologische Kulturerbe, aber auch das, was in Bibliotheken und Archiven gesammelt wird, bekannter zu machen. Zudem fällt ins Jahr 2018 auch das 75-jährige Bestehen der kantonalen Denkmalpflege und der Kantonsarchäologie.

Freiwillige willkommen

Eingebettet in das umfangreiche Programm sind es zwei Aktivitäten, die besonders auffallen: Ab Mitte 2018 wird das Freiwilligenprogramm ausgeweitet. Bisher engagierten sich Freiwillige vor allem im Museum Aargau. Sie taten dies so erfolgreich, dass nun weitere Aargauer Kulturinstitutionen Freiwillige in die professionelle Kulturarbeit integrieren.

«Im nächsten Jahr werden wir auch im Aargauer Kunsthaus, in der Kantonsbibliothek und in der Kantonsarchäologie gerne freiwillig Mitarbeitende einsetzen», sagt Pauli. Die bisherigen Erfahrungen seien durchweg positiv, nicht zuletzt auch deshalb, weil die Freiwilligen nicht nur grosses Engagement und Interesse, sondern oft auch viel Fachwissen mitbrächten. Das neue Angebot für Freiwillige soll im August 2018 starten.

Bereits ab dem 1. April läuft die Aktion «Eingeladen»: Im Jahr 2018 haben alle Aargauerinnen und Aargauer, die sich in irgendeiner Form freiwillig in einer kulturellen Organisation betätigen, freien Eintritt in rund 50 Aargauer Museen. «Das gilt für den Hornisten im Musikverein genauso wie für die Sängerin im Kirchenchor oder den Helfer am Open Air», erklärt Thomas Pauli.

Alle, die kulturell tätig sind, sind in die Museen eingeladen; man muss auch nicht beweisen, was man tut oder geleistet hat; die Angabe genügt. «Die Einladung in die Aargauer Museen soll ein Zeichen der Wertschätzung sein für die unzähligen Menschen, die zum vielfältigen kulturellen Leben im Kanton beitragen», sagt Pauli.

Wenig bekannte Schätze

Die Aargauer Aktivitäten im Kulturerbejahr beschränken sich nicht auf die bekannten Schauplätze. Vielmehr verteilen sie sich auf das ganze Kantonsgebiet. Die Bevölkerung erhält so die Möglichkeit, bisher kaum zugängliche und wenig bekannte Objekte kennen zu lernen. «Zu Gast bei» heisst diese Veranstaltungsreihe, und sie ermöglicht etwa, den Muri-Amtshof in Bremgarten, dessen markante Fassade schweizweit bekannt ist, einmal von innen zu besichtigen.

Wer mag, erfährt, was es mit dem Kirchenbezirk von Herznach auf sich hat, lernt die Hammerschmiede in Seengen kennen, wird durch das Kloster Fahr geführt oder entdeckt die ehemalige Taverne an der Steingasse in Wohlen.

Auf der Augmented-Reality-Tour entlang der industriegeschichtlichen Zeugnisse am Aabach begegnen sich industrielle Vergangenheit und digitale Gegenwart. Wer mag, besucht die Sammlung der hunderttausend Gegenstände des Museums Aargau im Sammlungszentrum Egliswil.

Und gewandert wird auch: Im Rahmen der AZ-Leserwanderungen führt eine Tour über die Römerstrasse am Bözberg, eine zweite auf historischen Wegen auf den Achenberg.
Das detaillierte Programm wird in den nächsten Tagen fertiggestellt und ist dann auch im Internet verfügbar unter www.ag.ch/kultur.