Insekten

Es kreucht und fleucht – Mücken vermehren sich wegen Trockenheit rasend schnell

Weil der Oktober zu warm und zu trocken ist, gibt es ungewöhnlich viele Mücken. (Themenbild)

Weil der Oktober zu warm und zu trocken ist, gibt es ungewöhnlich viele Mücken. (Themenbild)

Wer im Wald unterwegs ist, wird von Stechmücken geplagt, und wer in der Dämmerung entlang eines Gewässers Velo fährt, darf Mund und Augen nicht zu weit aufreissen. Der Grund für die Insektenplage ist das heisse und trockene Wetter.

Daheim hängen die Ecken voller Spinnweben, und kaum stehen die Fenster zum Lüften offen, krabbeln stinkende Wanzen ins Warme. Insekten, wohin man auch kommt und blickt, und das Ende Oktober – mehr als in anderen Jahren. Tatsache oder blosse Einbildung?

Eigentlich weder noch, sagt Thomas Baumann, Biobauer und Projektleiter Naturförderung im Naturama. «Das Aufkommen der Insekten ist wärmeabhängig», sagt Baumann. «So warm wie es aktuell ist, ist das Aufkommen also nicht ungewöhnlich gross.» Auch aus naturwissenschaftlicher Sicht sei ein aussergewöhnliches Mücken-Aufkommen nicht bekannt.

Zu warm und zu trocken

Ungewöhnlich ist bloss der Zeitpunkt. Der Oktober ist zu warm und vor allem zu trocken. Das macht selbst Fliessgewässer zu beinahe stehenden Gewässern – das freut die Mücken, die hier ihre Eier ablegen. Davon profitieren wiederum die Spinnen, denen das Futter noch immer zu Hauf ins Netz geht. Und der stinkenden Wanze, die hier keine natürlichen Feinde hat und die es jetzt doch schon etwas an die Beinchen friert, gefällt es an warmen Hausmauern, und noch besser: in warmen Stuben. Da kommen die Wanzen ganz leicht rein, weil die Fenster länger offenstehen als sonst Ende Oktober. Und natürlich führt das warme Wetter dazu, dass man sich länger und öfter im Freien aufhält, als in vorangegangenen Herbsten. «Wenn man sich mehr draussen bewegt, fallen einem die Insekten einfach mehr auf», sagt Baumann.

Er erklärt sich den Eindruck, dass diesen Herbst speziell viel kreucht und fleucht, nicht zuletzt auch damit, dass die Gesamtmasse der Insekten in den letzten Jahrzehnten um rund drei Viertel zurückgegangen ist. Ein Rückgang, den kaum jemanden weiter stört, sind Insekten doch für die meisten nur lästige Viecher. «Früher war ein grosses Insektenaufkommen aber völlig normal», sagt Baumann. «Heute ist man es sich wohl einfach nicht mehr gewohnt.»

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