Ende Oktober haben Kinderärzte und Psychologinnen Alarm geschlagen. Im Aargau herrsche Behandlungsnotstand in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Severin Lüscher, Grossrat der Grünen, forderte den Regierungsrat in einer Motion auf, das Angebot für das ganze Kantonsgebiet sicherzustellen. Inzwischen liegt die Antwort des Regierungsrats vor. Er lehnt die Motion ab, ist aber bereit, sie als Postulat entgegenzunehmen.

In der Begründung schreibt der Regierungsrat, er sei sich der Problematik bewusst. «Die Zahl frei praktizierender Kinder- und Jugendpsychiater ist zu gering, um der steigenden Nachfrage zu genügen.» Verschärft werde der «Mangel» durch Pensionierungen. Weil Kinder- und Jugendpsychiater keine Nachfolger fanden, konnten Praxen nicht weitergeführt werden. «Der Hauptgrund dürfte darin liegen, dass generell zu wenig Ärzte und im Speziellen Kinder- und Jugendpsychiater ausgebildet werden», schreibt der Regierungsrat.

Keine Besserung in Sicht

Allerdings seien die Steuerungs- und Einflussmöglichkeiten auf kantonaler Ebene in diesem Bereich «nur gering». Einerseits würden «nach wie vor» zu wenig Ärzte diplomiert. Andererseits entscheiden sich von diesen Medizinern nur wenige für die Fachrichtung Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Der Regierungsrat geht deshalb davon aus, «dass die Nachfrage das Angebot auch in den nächsten Jahren übersteigen wird». Die Regierung betont aber erneut, der Kanton verfüge bei beiden Punkten über «keine konkreten Steuerungsmöglichkeiten».

Investition in Weiterbildung

Allerdings befasse sich der Regierungsrat zurzeit mit dem Beitritt zum «Konkordat über die kantonalen Beiträge an die Spitäler zur Finanzierung der ärztlichen Weiterbildung und deren Ausgleich unter den Kantonen». Durch einen Beitritt würde der Aargau seinen finanziellen Verpflichtungen im Bereich der Weiterbildung von Ärzten besser nachkommen und seinen Beitrag zur Versorgung der Bevölkerung mit Fachärzten beitragen.

Grossrat Severin Lüscher hatte in seiner Motion vorgeschlagen, den «regulatorischen Spielraum auszureizen», etwa indem die Hürden zur Verordnung und Durchführung delegierter Psychotherapie gesenkt würden.

Davon will der Regierungsrat aber nichts wissen. Das Gesundheitsgesetz verlange, dass die fachliche Qualifikation gewährleistet sei. Von dieser Anforderung könne nicht abgewichen werden. Sie ist aus Sicht des Regierungsrats «zwingend notwendig, um eine angemessene Versorgung der Patienten zu gewährleisten».