Asylbetreuer in der Kritik

«Es geht nicht um Rassismus, es fehlt qualifiziertes Personal»

Wie viel Asylbewerber muss jede Gemeinde im Baselbiet aufnehmen? Mit der Veröffentlichung der Zahlen will der Kanton darüber Klarheit schaffen. Foto: Annika Bütschi

Wie viel Asylbewerber muss jede Gemeinde im Baselbiet aufnehmen? Mit der Veröffentlichung der Zahlen will der Kanton darüber Klarheit schaffen. Foto: Annika Bütschi

Das zuständige Departement von Susanne Hochuli hat einen Rassismus-Vorwurf gegen Asylbewerber intern untersuchen lassen. Patrizia Bertschi vom Verein Netzwerk Asyl bestätigt den rauhen Umgangston, sieht das Grundproblem der Asylbetreuung aber an einem anderen Ort.

René Baumgartner war Nachtbetreuer in Aargauer Asylunterkünften und somit vom Kanton angestellt. Nun hat er gekündigt. Grund: Die unhaltbaren Zustände in den Asylunterkünften. Baumgartner erhebt vor allem gegen einen seiner Arbeitskollegen schwere Vorwürfe, wie die WOZ berichtet. 

"Man sollte die Leute einschläfern können", soll der Arbeitskollege einmal über einen jungen Pakistani, der aufgrund eines schweren Kriegstraumas oft über Kopfschmerzen klage, gesagt haben. Während denn Nachtschichten im Asylheim sei es immer wieder zu solchen rassistischen Aussagen und Schikanen gekommen. 

In einem Mail meldet sich Baumgartner im Juli an die zuständige Regierungsrätin Susanne Hochuli. "Ich bin nicht mehr bereit, in Strukturen zu arbeiten, in der menschenverachtender, rassistisch motivierter Menschenhass von oben geduldet wird" schreibt er.

Daniela Diener, Leiterin Kommunikation beim Departement für Gesundheit und Soziales, bestätigt gegenüber der az, dass Regierungsrätin Susanne Hochuli von einem Mitarbeitenden des Nachtdienstes ein Mail mit Rassismus-Vorwürfen erhalten habe und eine Untersuchung umgehend eingeleitet wurde. 

"Solche Vorwürfe wurde das erste Mal erhoben. Natürlich muss man diese ernst nehmen, was mit der Untersuchung auch gemacht wurde", sagt Diener. Die Untersuchung habe gezeigt, dass unter den Mitarbeitern der Umgangston manchmal rau sei. 

Bei den Einvernahmen habe sich gezeigt, dass menschenverachtende Äusserungen unter den Kollegen des Nachtdienstes häufig genutzt werden und im Team ein rauer und respektloser Umgang herrsche, was das Departement nicht duldet.

Die interne Untersuchung hat ergeben, es sei nicht zu rassistischen Äusserungen gegenüber Asylsuchenden gekommen und auch seien die erwähnten menschenverachtenden Äusserungen nicht strafbar, da sie nicht in der Öffentlichkeit gemacht wurden. Es werde die Rückkehr zum Normalbetrieb gefordert. 

Susanne Hochuli selber sagte zur WoZ: "Es ist mir ein Anliegen, dass Vorwürfe sorgfältig abgeklärt und die Ergebnisse ebenso bewertet werden. Das war im vorliegenden Fall so." 

«Ich habe die Schikanen selber erlebt»

"Aus meiner Sicht geht es hier nicht um Rassismus", sagt Patrizia Bertschi, Präsidentin des Vereins Netzwerk Asyl, gegenüber der az. Sie sei generell immer zurückhaltend mit dem Wort Rassismus. Bertschi sieht das Problem in den fehlenden Ressourcen. Unter anderem fehle den Betreuern Zeit, die sie mit den Leuten verbringen können. "Die Katze beisst sich in den Schwanz. Die Chance, dass es zu Problemen kommt, ist bei einem Betreuer pro hundert Leute gross", sagt Bertschi. 

Bertschi kritisiert aber, es herrsche in der Tat ein Mangel an qualifiziertem Personal. "Ich habe die Betreuer schon erlebt und manchmal frage ich mich, ob sie am richtigen Ort arbeiten“, sagt Bertschi. Sie habe den harrschen Umganston, die Schikanen und das fehlende Verständis gegenüber den Asylsuchenden selbst erlebt. "Ich weise die zuständigen Stellen darauf hin. Mehr kann ich jedoch nicht tun, das ist dann die Sache des Kantons." 

Hochulis Sprecherin Diener weist die Vorwürfe zurück, bei der Asylbetreuung nicht über genügend qualifiziertes Personal zu verfügen. "Die Mitarbeitenden im Nachtdienst sind in einem ordentlichen Verfahren rekrutiert worden und sind entsprechend für ihre Aufgaben qualifiziert."

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