Urteil

Es gab zu viele Zweifel: Hundezüchterin trifft keine Schuld

Hundezüchterin Daniela K. von allen Vorwürfen freigesprochen

Hundezüchterin Daniela K. von allen Vorwürfen freigesprochen

Die Züchterin aus Leutwil musste sich heute vor dem Bezirksgericht verantworten, weil ihre Hunde mehrmals bei Tier und Mensch zugebissen haben sollen.

Eine Aargauerin, deren Hunde zugebissen haben, wird vollumfänglich freigesprochen. Aussage gegen Aussage führte letztendlich zum Urteil. Es blieb nichts anderes übrig als im Zweifel für die Angeklagte zu entscheiden.

Die beiden Klagenden, Ueli (alle Namen geändert), 62, und Elena, 48, ohne Anwalt angetreten, nehmen das Urteil zur Kenntnis: Die Angeklagte, Karin, 57, sportlich, auf jugendlich blondiert, wird nach knapp vier Stunden von jeglicher Schuld und Strafe freigesprochen. Tröstlich ist immerhin, dass Gerichtspräsident Christian Märki den beiden Klägern nicht abspricht, die Wahrheit gesagt zu haben. Wenn aber Aussagen gegen Aussagen stehen und eine Widerhandlung nicht rechtsgenüglich erwiesen ist, bleibt dem Richter nichts anderes übrig, als im Zweifel für die Angeklagte zu entscheiden.

Beim Schnuppern von Hunden gebissen worden

Die Vorwürfe, die das Gericht beurteilen musste, sind happig: vorsätzliche Widerhandlungen gegen das Tierschutzgesetz, Sachbeschädigung, Nichtbefolgen einer amtlichen Verfügung, fahrlässige Körperverletzung. Karin führt in einem Dorf in der Region einen Hof mit Ponys und Hunden. Letztere züchtet sie auch. Vor allem um diese Tiere geht es am Bezirksgericht Kulm. Und in einem Fall um die Verletzung eines Menschen.

Elena, selber Tierbetreuerin, schnupperte an zwei Tagen auf dem Hof. Dabei sei sie am Ostersamstag und am Ostermontag 2019 von Hunden gebissen worden. Der Ungereimtheiten sind viele. Welches Bein ist wann gebissen worden? Waren an einem Tag gemäss Zeugen (ein Kunde von Karin und der Ehemann einer Mitarbeiterin) gar keine Hunde auf dem Hof? Wann wurden die Fotos gemacht? Und worin hätte das ­Versäumnis von Karin bestehen sollen?

Zweimal wurden auch Hunde von Karins Tieren gebissen. Einmal, als Karin eine Ponykutsche lenkte und ihren Hund einer anderen Person überliess, die das Tier nicht mehr unter Kontrolle halten konnte, worauf er einen anderen Hund biss. Als der «Quasischwiegervater» mit dem Hund unterwegs war, geriet auch der Hund von Uelis Konkubinatspartnerin in ein Gerangel mit einem von Karins Hunden. Karins Anwalt moniert, Ueli sei gar nicht berechtigt zu klagen, da es nicht sein Hund sei.

Dieser Argumentation folgt Christian Märki nicht, denn Ueli geht mit dem Hund auch Gassi und zum Tierarzt und Futter kaufen. Dennoch: Karin sei vom Pferd abgestiegen, habe die Hunde an die Leine genommen, und erst als Uelis Hund mit einer langen Leine Karin quasi fesselte, sei es zum Beissvorfall unter den beiden Hunden gekommen. Was hätte sie tun sollen? Fehlende Vorkehrungen kann der Richter nicht erkennen. Vorsatz schon gar nicht. Und Fahrlässigkeit ist nicht eingeklagt. Karin und Ueli haben sich übrigens mit Hilfe des Friedensrichters auf einen Vergleich bezüglich der Tierarztkosten geeinigt.

Ist ein Sulky eine Kutsche oder nicht?

Immerhin – und damit kommen wir zum nächsten inkriminierten Delikt: Der Veterinärdienst des Kantons verfügte am 15. Januar 2019 unter anderem, dass keine Hunde mehr an der Kutsche, am Pferd oder am Fahrrad geführt werden dürften. Nun wird’s amüsant am Bezirksgericht, denn Zeugen haben gefilmt, wie Karin oder teils minderjährige Drittpersonen Hunde an einem Pferd oder am Sulky geführt haben. Die Frage: Ist ein Sulky eine Kutsche? Der Verteidiger, aber auch der Richter haben sich vertieft mit den Begriffen auseinandergesetzt. Ein ­Sulky ist ein Gefährt für Trabrennen, ohne Verdeck und Boden, derweil eine Kutsche ein Transportmittel vorab für Menschen ist und über ein Fahrwerk mit Federung und eine Karosserie verfügt. Also keine Widerhandlung. Christian Märki: «Man hätte von einem Pferdefuhrwerk oder von einem Pferdegespann reden müssen.»

Nicht verwertbar, da zu unpräzise, sind in den Augen Märkis Aussagen, die von Zeugen nach einer Berichterstattung von Tele M1 gemacht wurden, des Inhalts, Karin habe auch andere Auflagen (mit nicht mehr als einem Hund spazieren, Kurzleinenpflicht) missachtet.

Statt einer bedingten Geldstrafe von 12'600 Franken (Probezeit vier Jahre), einer Busse von 3000 Franken, Anklagegebühr von 1500 Franken plus Verfahrenskosten bekommt Karin nun eine noch richterlich zu bestimmende Parteientschädigung. Die Verfahrenskosten gehen auf die Staatskasse.

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