Reform

Es drohen Schliessungen: Aargauer Berufsschulen und Politiker machen hinter Kulissen mobil

«BWZ Brugg 4 Ever!»

«BWZ Brugg 4 Ever!»

Bisher wussten sich die gefährdeten Schulen erfolgreich zu wehren – hier demonstrieren Lernende 2015 für den Erhalt des Berufszentrums in Brugg.

Wie die einzelnen Aargauer Standorte der Berufsschulen von der Reform der aargauischen Berufsschullandschaft betroffen sind, wird erst im nächsten Jahr bekannt.

Die Nervosität ist gross. Hinter den Kulissen wird intensiv verhandelt, lobbyiert und mobilisiert. Unbestätigte Einzelheiten sickern durch. Die Politik mischt heftig mit; Grossräte und Grossrätinnen versuchen mit Vorstössen, die Sache möglichst in die ihrer Meinung nach richtige Richtung zu steuern; einzelne Schulen verfallen in Aktivismus und suchen Verbündete in Politik und Wirtschaft. Oder sie fordern schriftlich ihre Lehrpersonen auf, sich vehement und möglichst auch öffentlich für ihre Schule einzusetzen.

Grund für die Aufregung ist die anstehende Reform der aargauischen Berufsschullandschaft. Der Regierungsrat hatte bereits 2017 angekündigt, bis Ende 2018 das entsprechende Konzept auszuarbeiten und darüber zu informieren, wie es mit den 13 kantonalen Berufsfachschulen weitergehen soll. Konkret: Ob es zur Schliessung von einzelnen Schulen oder gar von Standorten kommen wird, welche Regionen allenfalls betroffen sind.

Schon zwei Anläufe gescheitert

Unbestritten ist, dass die über den ganzen Kanton verstreuten, regional stark verankerten Berufsschulen in Kompetenzzentren umzuwandeln sind. Zudem soll der vorhandene Schulraum besser aus- gelastet werden und auch die regionale Bedeutung der Schulstandorte wird bei der Reform berücksichtigt. Auslöser des Vorhabens waren allerdings in erster Linie finanzielle Überlegungen: Der Regierungsrat hat ein maximales Sparpotenzial von sechs Millionen Franken errechnet, wenn es gelingt, echte Kompetenzzentren zu schaffen und damit die teuren, ungenutzten Raumreserven zu beseitigen.

Aber dieses Vorhaben erweist sich als äusserst komplex, konkurrieren doch verschiedene Ansprüche: In der intensiv geführten Auseinandersetzung zwischen pädagogischen, finanzpolitischen und regionalpolitischen Argumenten setzten sich bisher die Regionen durch. Das führte dazu, dass bisher zwei Vorschläge der Regierung grandios gescheitert sind.

Aller guten Dinge sind drei

Ein erster Vorschlag überstand 2015 nicht einmal die Vernehmlassung. Eine überarbeitete, moderatere Fassung, die vorsah, dass jede Region mindestens eine Berufsschule behalten kann, wurde im Wahljahr 2016 vom Grossen Rat für unbrauchbar erklärt. Mit 127 gegen 5 Stimmen entschied das Parlament, gar nicht erst auf die Vorlage einzutreten und schickte sie zurück an die Regierung.

Im dritten Anlauf soll es nun endlich klappen. Damit die Reform gelingen kann, hat der Kanton alle Beteiligten ins Boot geholt: Es gab eine breite Anhörung mit den Schulvorständen und den Rektoren der Schulen; mit am Tisch waren auch Vertreter der Branchenverbände sowie der Standortgemeinden. Dazu gab es Umfragen bei Berufsverbänden, Lehrbetrieben und Berufsfachschulen. Bisher ging man davon aus, dass bis Ende Jahr der Lösungsvorschlag der Regierung vorliegt. Deshalb auch der zunehmende Aktivismus der verschiedenen Protagonisten.

Es dauert doch etwas länger

Einer, dem die Berücksichtigung der Regionen bei der Standortwahl besonders am Herzen liegt, ist der Fricktaler Grossrat Christoph Riner (SVP) aus Zeihen. Er hat am 20. November ein Postulat nachgereicht, das die Regierung nochmals darauf hinweist, dass die Schaffung von Kompetenzzentren eine gute Sache sei, man aber unbedingt die Regionen berücksichtigen müsse. Natürlich denkt Riner dabei zuerst an das gefährdete Berufsbildungszentrum Fricktal in Rheinfelden.

So war denn sein Vorstoss ursprünglich nur von 16 Fricktaler Grossrätinnen und Grossräten unterzeichnet; in der bereinigten Fassung sind es dann 42 Unterzeichnende aus allen Regionen und Fraktionen. «Auch andere Regionen sind in einer ähnlichen Situation wie das Fricktal», sagt Christoph Riner. «Wir sollten gemeinsam dafür kämpfen, dass die Regionen bei der Reform nicht vergessen gehen.» Riner ist überzeugt, dass es falsch wäre, vorschnell Schulraum oder gar Standorte aufzugeben. Denn gerade in den Randregionen sei künftig mit einer deutlichen Bevölkerungszunahme zu rechnen.

Nicht kämpfen mochte der Grosse Rat am 20. November hingegen für die Schule für Gestaltung in Aarau. Der Rat lehnte eine Motion deutlich ab, die eine Fortsetzung der finanziellen Unterstützung des Vorkurses gefordert hatte. Dies war im Sinne von Bildungsdirektor Alex Hürzeler, der durch die Blume erklärte, dass die Schule für Gestaltung wohl eine der Schulen sein werde, die bei der Bildung von Kompetenzzentren ihre Selbstständigkeit verlieren und einer grösseren Schule als Abteilung zugeschlagen werden könnte.

Absolute Klarheit wird indes erst die Botschaft der Regierung bringen, die laut dem ursprünglichen Zeitplan «im 4. Quartal 2018» vorliegen sollte. Auf Anfrage der AZ erklärt Simone Strub, Sprecherin des kantonalen Bildungsdepartements, dass es nun wohl doch noch etwas länger dauern könnte, bis die dritte Fassung der Reform auf dem Tisch liegt. «Der Regierungsrat wird aber noch in diesem Jahr über den Stand der Dinge und das weitere Vorgehen informieren», sagt Strub.

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Autor

Jörg Meier

Jörg Meier

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