Kolumne

Es braucht weniger Bewegung, als Sie glauben

Es braucht weniger Bewegung, als Sie glauben, meint unser Gast-Autor in seiner Kolumne.

Es braucht weniger Bewegung, als Sie glauben, meint unser Gast-Autor in seiner Kolumne.

Eine Kolumne über das Gesundbleiben während des Corona-Lockdowns.

Während die junge Generation mit Instagram-Yoga und Influencer-instruiertem Fitness die Fenster in der eigenen Wohnung zum Beschlagen bringt, geraten unsere Senioren und chronisch erkrankten Mitmenschen diesbezüglich fast in Vergessenheit.

Körperliche Bewegung ist jedoch gerade jetzt von essenzieller Bedeutung! Die soziale Isolation führt nämlich nicht nur zu deutlich weniger Bewegung, sondern schlägt auch auf das Gemüt. Das ist wissenschaftlich bewiesen.

Ein Lösungsansatz: Bewegung, in welcher Form auch immer. Der Franzose Elisha Nochomowitz rannte während der Quarantäne beispielsweise 6000-mal seinen eigenen Balkon hoch und runter, bis er die Marathondistanz von 42,2 Kilometern zurückgelegt hatte. Bevor Sie jetzt aber Ihren Balkon räumen und sämtliche Geranien zur Adoption freigeben, freuen Sie sich doch über die folgenden wissenschaftlichen Erkenntnisse.

Dank Computer, Auto, Pizza-Bote, Zalando, Galaxus und Co. sind wir nicht erst seit der Covid-19-Pandemie nicht mehr dazu genötigt, uns für die Erledigungen des täglichen Bedarfs aus dem Sessel zu hieven. Dies hat sowohl positive als auch negative Effekte. Spätestens seit einer australischen Studie aus dem Jahr 2019 wissen wir aber, dass Menschen, die mehr als acht Stunden am Tag sitzen, ein rund 80 Prozent erhöhtes Sterberisiko gegenüber aktiven Vergleichsgruppen haben.

Rein statistisch würde somit jeder «Extremsitzer» wöchentlich fünf Stunden Bewegung benötigen, um sein Risiko durch sitzende Tätigkeit zu kompensieren. Der Mensch ist genetisch dazu veranlagt, sich zu bewegen. Nichts tun macht vor allem unser Herz-Kreislauf-System krank. Dabei wäre es so einfach. Eine Viertelstunde tägliches Spazieren würde unser mittelfristiges Sterberisiko schon um 14 Prozent vermindern. Jede weitere Viertelstunde um nochmals vier Prozent. Und das Beste daran; mehr als 100 Minuten Bewegung pro Tag bringt keinen zusätzlichen gesundheitlichen Nutzen.

Auch unser Immunsystem profitiert extrem davon, wenn wir ab und zu unseren inneren Schweinehund in die Knie zwingen. Bei älteren Menschen konnte man beobachten, dass Ausdauersport zu deutlich aktiveren Immun-Abwehrzellen (B- und T-Zellen) im Körper führt, was wiederum mit reduzierten Infektionsraten und weniger chronischen Entzündungen einhergeht.

Zudem weiss man, dass zweieinhalb Stunden Spazierengehen pro Woche (!) das Entstehungsrisiko einer Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus Typ 2) bei Gesunden um 30 Prozent reduzieren kann. Auch unser Hirn freut sich über die Sauerstoff-Dusche, wenn wir uns bewegen. So weiss man, dass bereits zehn Minuten einfaches Spazierengehen die Vernetzung von Neuronen im Gehirn relevant positiv beeinflusst und zu höheren Gedächtnisleistungen führen kann.

Und wem die ganze Coronavirus-Thematik langsam das Lächeln aus dem Gesicht zu nehmen droht, dem sei gesagt, dass 30 Minuten Joggen pro Woche ähnlich wirksam sind wie ein Antidepressivum.

Nun haben es diejenigen unter Ihnen, die ein Stehfahrrad oder sogar ein Laufband zu Hause haben, etwas einfacher, oben genannte Vorschläge umzusetzen. Wem dieses Glück nicht vergönnt ist, denen empfehle ich die Treppen in ihrem Haus zu erkunden und diese 3–4 Mal pro Tag dahin gehend zu überprüfen, ob noch alle Stufen vorhanden und intakt sind (im Mehrfamilienhaus Social Distancing von zwei Metern einhalten).

Dies sollte optimalerweise mittels Begehung kontrolliert werden. Ansonsten kann man bei verschiedenen Online-Anbietern auch sogenannte Bett-Fahrräder beziehen. Ein Abenteuer, das sicherlich eine Reise ins Internet wert ist. Zumal diese Option für Personen mit Stolper- oder Sturzgefahr eine sinnvolle Alternative darstellt.

Abschliessend kann festgehalten werden: Bitte bewegen Sie sich auch zu Hause, sofern Sie können. Auch wenn es nur ein bisschen ist – auf die erste Viertelstunde kommt es an. Lassen Sie sich nicht entmutigen und bleiben Sie gesund.

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