Die ambitionierten Läufer müssen mindestens fünf Stunden vor dem Lauf aufstehen, damit sie beim Start den Kreislauf auf voller Leistungsfähigkeit haben. So gesehen ist das Volunteer-Leben geradezu ein Schleck: Der Wecker holt mich erst um 4.45 Uhr aus den Träumen. Aber nicht der optimalen Leistungsfähigkeit wegen, sondern pünktlich um sechs Uhr für den Aufbau des Startgeländes in Brugg bereit zu sein.

Rund 300 Gleichgesinnte haben sich über swissvolunteers.ch für den Einsatz am zweiten Aargau Marathon gemeldet. Bei einigen – beim Schreibenden auch – schlägt ein (Ex-)Läuferherz in der Brust. Somit ist Helfen auch um 6 Uhr morgens eine Herzensangelegenheit. Aber der Spirit alleine reicht noch nicht, es braucht auch Einsatzbereitschaft und «Muckis».

Impressionen vom Aargau Marathon 2018

Dabei hilft die Gabe zu sehen, wenn der Kollege den Hammer braucht, oder direkter gesagt: Merken, wo meine Arbeitskraft gerade gebraucht werden könnte. Ohne persönlich zu werden, es ist beim Volunteering wie im Alltag: Diese Gabe haben nicht alle.

Impressionen vom Aargau Marathon:

Linda Hunziker, die im Auftrag des OK mit der Firma Visus Service die Läuferanmeldungen verwaltet und die Helfereinsätze koordiniert, kann nicht alle Wünsche der Helfer erfüllen. Während Catering und Verpflegungsposten äusserst beliebt sind, fügen nur wenige die Position «Streckenposten» in ihre Wunschliste. Wobei dann erst nach dem Versand der Einteilung die Mutationsflut beginnt.

Was zu tun ist

Der Startbereich wird mit Absperrgittern gesichert. An diese montieren wir Sponsorenbanderolen, der Startbogen kommt an seinen Platz und die Läuferverpflegung in Form von Bananen und Getränken wird vorbereitet. Der Wind pfeift dabei giftig übers Brugger Eisi, was jedoch die Freiwilligen weniger kümmert als die Läufer (droht Gegenwind?).

Die Volunteers erhalten nicht nur ein Lunchsäckli, sondern auch ein hellblaues T-Shirt. Ausgezeichnet mit dieser Uniform ist man sofort erkennbar und wird zur Auskunftsperson: Wo ist der Effektenbus; wo hole ich die Startnummer; wo sind die Toiletten? Das geht ja alles noch, aber: in welche Richtung laufen wir?.

Je näher die Startzeit rückt, umso stärker meldet sich das Läuferherz: Wie schön wärs doch mitzulaufen. Dazu ist es jetzt zu spät: Die Aargauer Sportlerin des Jahres, Kathrin Stirnimann, schickt die Läufer in drei Paketen auf die Strecke. Kaum sind die letzten aus dem Startbereich verschwunden, beginnt mein nächster Einsatz: Abbau und Aufräumen. Wie so oft ist der Abbau schneller erledigt als der Aufbau. Bald ist das Eisi wieder im Originalzustand und unser Postenchef kann uns getrost in den Muttertag entlassen. Währenddessen sind alle Wechselzonen, Streckenposten und natürlich das Ziel noch im Hochbetrieb. Aber die sind ja auch später aufgestanden.

Promis beweisen sich am 2. Aargau Marathon

Promis beweisen sich am 2. Aargau Marathon

  

*Roman Würsch ist Chef vom Dienst bei der Aargauer Zeitung.