Aargau
Es braucht mehr Deponien für Aushubmaterial, weil im Kanton mehr gebaut wird

Der Kanton will Platz für 2,6 Millionen Kubikmeter Material schaffen. Dies, weil so viel gebaut wird und so mehr Aushubmaterial anfällt. Und zugleich der Kiesabbau stagniert.

Hans Lüthi
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Das Deponiegebiet «Babilon» ist in dieser Geländesenke vorgesehen, der Blick geht von Dietwil in Richtung Norden. Eddy Schambron

Das Deponiegebiet «Babilon» ist in dieser Geländesenke vorgesehen, der Blick geht von Dietwil in Richtung Norden. Eddy Schambron

Nötig wären die neuen Deponien für sauberen Aushub schon jetzt, aber die dreistufigen Verfahren benötigen viel Zeit. Ohne eine enge Tuchfühlung zu den Planungsverbänden und den Standortgemeinden wäre vor dem Richtplan-Eintrag mit Widerstand zu rechnen. In Dietwil und in Seon ist diese Vorarbeit geleistet worden, jetzt geht es um die Festsetzung der Standorte Babilon und Turbemoos in den kantonalen Richtplan. «Drei Schritte sind nötig», erklärt Peter Kuhn, Leiter Abfälle und Altlasten in der Abteilung für Umwelt. Bis zum 25. November läuft die öffentliche Anhörung. Später kommt die Nutzungsplanung in der Gemeinde, am Schluss das Verfahren für die nötige Baubewilligung der Deponie.

Zu wenig Platz im Freiamt

Dank Recycling stagniert der Kiesabbau im Aargau bei 2 Millionen Kubikmetern jährlich. Mit 2,5 bis 3 Millionen Kubikmetern ist die Auffüllmenge markant höher. Wegen der massiven Bautätigkeit überall gab es im letzten Jahr 350'000 Kubikmeter mehr Aushub. Mangels Kiesgruben und nur einer Deponie in Beinwil/Freiamt ist die regionale Situation prekär. Im ganzen Aargau gäbe es dank grosser Gruben noch Platz, «aber wir wollen mit diesem Material nicht kreuz und quer durch den Kanton fahren und die Strassen noch mehr belasten», sagt Kuhn. Widerstand gegen die Deponien in Dietwil und Seon ist ihm bisher nicht bekannt. Aber «erst die Anhörung wird jetzt zeigen, wie die Stimmung zu diesen Projekten ist», so Kuhn.

Abfälle ab 2015 und 2016

Der dreimonatigen Anhörung in den Standortgemeinden und beim Kanton folgt Anfang 2014 die Behandlung im Grossen Rat. Die Gemeindeversammlungen in Dietwil und in Seon werden sich im nächsten oder übernächsten Jahr mit den Deponien befassen. «Auch sie können Ja oder Nein sagen», erklärt Peter Kuhn. Wenn alles ohne grossen Widerstand abläuft, könnte die Deponie Turbemoos in Seon ab 2015 und der Standort Babilon Dietwil ab 2016 bereit sein. Genau richtig für den Tunnelaushub der Umfahrung Sins.

10 Jahre Betrieb in Dietwil

Das Deponiegebiet liegt 130 Meter westlich der Kantonsstrasse Dietwil–Oberrüti und wird landwirtschaftlich genutzt – was auch später wieder möglich ist. Bei einem Volumen von 1,4 Millionen Festkubikmetern und einer jährlichen Zufuhr von 175'000 Kubikmetern wird «für Vorbereitung, Betrieb und Rekultivierung mit einer Dauer von 10 Jahren gerechnet», heisst es in den Erläuterungen. An der höchsten Stelle wird die Deponie 22 Meter hoch. Nach der Rekultivierung stehen für die Bauern wieder 14,6 Hektaren Fruchtfolgeflächen zur Verfügung. Daraus resultiert zu heute ein kleiner Überschuss von 0,4 Hektaren. Die Region Freiamt hat einen jährlichen Bedarf von 400'000 Kubikmetern Deponieraum, der heute einzige Platz in Beinwil kann nur die Hälfte schlucken.

15 bis 20 Jahre Betrieb in Seon

Für 1,2 Millionen Festkubikmeter hat es Platz im Turbemoos Seon, bei einer jährlichen Ablagerung von 60'000 bis 80'000 Kubikmetern rechnet der Kanton hier mit 15 bis 20 Jahren Dauer. Auf der Seetalstrasse ergebe das 48 zusätzliche Lastwagen täglich. Das bedeute eine Zunahme des Gesamtverkehrs um 0,3 Prozent.

Für den weiteren Standort Rönnfeld in Egliswil/Seengen ist erst der Status Zwischenergebnis im Richtplan vorgesehen. «Damit sie nicht das Gefühl haben, die Katze im Sack zu kaufen, sollen die Leute auch die langfristige Planung kennen.» Das betont Jörg Hartmann, stellvertretender Leiter der Abteilung Raumentwicklung im BVU.

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