Es mag ein Trost für Eltern sein: Auch dem Country Director von Google Schweiz, Patrick Warnking, fällt es nicht leicht, seine Kinder zu einem vernünftigen Umgang mit dem Internet zu erziehen.

Wie viele Stunden pro Tag dürfen sie damit verbringen? Welchen Quellen können sie vertrauen? «Das ist nicht so trivial», meinte der Referent der gestrigen Lunchveranstaltung des Business Clubs Mittelland im «Hirschen» in Erlinsbach.

Und es mag ein Trost für IT-Anwender sein, die hin und wieder mit der digitalen Welt hadern: Auch beim Google-Chef spielt die Technik nicht immer mit. Wegen Problemen mit der Internetverbindung musste er am Ende seines Vortrages auf die Vorführung zweier Videos von Startup-Unternehmen, die mit Google-Werkzeugen arbeiten, verzichten.

Herausforderung und Chance

An seiner Botschaft änderte dies nichts: Es braucht Leidenschaft für die digitale Transformation. An deren Ende soll dann unter anderem die flächendeckende digitale Kommunikation mit den Kunden stehen.

Es gebe grob gesagt zwei Gruppen von Unternehmen, so Warnking: «Die einen finden Social Media ganz furchtbar, weil sich da Konsumenten auch kritisch äussern können.» Die anderen sähen den Wandel zwar als Herausforderung, aber auch als unglaublich grosse Chance.

Wichtig für Letztere ist laut Warnking die Etablierung einer neuen Unternehmens-Kultur: «Alle Mitarbeiter müssen sich als Teil der Forschungs- und Entwicklungsabteilung begreifen.»

Und nicht nur sie — auch alle Kunden und potenziellen Kunden würden durch ihr Verhalten in den digitalen Kanälen zu einem Teil der Forschungs- und Entwicklungsabteilung.

Beispielhaft führte der Betriebswirtschafter die Bemühungen des Lebensmittel-Multis Nestlé an. Dessen Produktmanager seien heute in der Lage, in kurzer Zeit Videos zu ihren Produkten zu produzieren.

Während bisher eine Abteilung Öffentlichkeitsarbeit alles kontrollierte, bewege man sich jetzt zu einer Kultur hin, «wo Hunderte von Leuten einfach Sachen frei in die Social Media hochladen können.»

In einem typischen Aargauer KMU mögen die Dimensionen etwas bescheidener sein, mit dem Thema Video müssen sich laut Warnking aber alle auseinandersetzen. Nicht zuletzt, um ihre Produkte zu erklären — «denn immer weniger Leute lesen Gebrauchsanweisungen».