Geothermie
Erstes geothermisches Kraftwerk soll bis 2020 im Aargau entstehen

Eine neue Karte des Aargauer Fördervereins zeigt, wo der Untergrund für Bohrungen genügend heiss ist. Der Verein verfolgt das erklärte Ziel, in den kommenden Jahren den Weg für eine erstes geothermisches Kraftwerk zu ebnen.

Hans Lüthi
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Eine Geothermiebohrung in Zürich (Archiv)

Eine Geothermiebohrung in Zürich (Archiv)

Keystone

Das Wärmepotenzial der Erde ist fast endlos, 99 Prozent des Planeten sind über 1000 Grad heiss. Auf dieser Tatsache beruhen die Hoffnungen, Kernenergie, Öl und Gas könnten einst durch Geothermie abgelöst werden. Allerdings wird die neue Bandenergie frühestens in kleinen Pilotanlagen zur Verfügung stehen, wenn die Kernkraftwerke Beznau 1 und 2 vom Netz gehen. Bei Anlagen mit einer Netto-Leistung von 2 bis 3 Megawatt bräuchte es 250 bis 300 geothermische Kleinkraftwerke, um die 730 Megawatt der beiden Beznau-Blöcke zu ersetzen. Intensive Forschung ist zuerst nötig, um Bohrtiefe und damit auch Temperaturen und Energieproduktion erhöhen zu können.

Der Verein Geothermische Kraftwerke Aargau (VGKA), mit Präsident Mark Eberhard an der Spitze, hat das erklärte Ziel, den Weg für ein erstes Kraftwerk zu ebnen. Auf 120 Mitglieder ist der Verein gewachsen, kompetente Personen aus Politik, Wirtschaft und Bankenwelt sind gut vertreten. 2013 wird zum wichtigen Jahr: «Wir gründen eine geothermische Kraftwerkgesellschaft. Unser Ziel ist ein erstes Kraftwerk im Aargau bis 2020», sagt Hans-Kaspar Scherrer. Der CEO von IBAarau leitet eine Arbeitsgruppe, die einen Businessplan vorbereitet.

Die roten Gebiete eignen sich für für ein geothermisches Kraftwerk

Die roten Gebiete eignen sich für für ein geothermisches Kraftwerk

Eberhard & Partner AG

Bei den Abklärungen des Potenzials sollten alle mitwirken, die AEW Energie AG, die Stadtwerke und auch die Gemeindewerke, betont Scherrer zur Rolle der IBAarau. «Wir sind Versorger und wollen in die neue Technologie investieren, damit wir in Zukunft auch ohne Kernkraftwerke noch Licht haben», betont Scherrer. Der Verein sei auch für interessierte Privatpersonen offen. Auf eigene Geokraftwerke setzt die Axpo. Der Stromkonzern ist vor allem an elektrischer Bandenergie interessiert, die Stadt- und Gemeindewerke wollen Strom und Wärme.

Hohe Millionensummen nötig

Teuer und sehr schwierig sind die Tiefenbohrungen. Bis zu einer Pilotanlage sind mit 60 bis 100 Millionen Franken Investitionen zu rechnen. Das Geothermie- und Fernwärmeprojekt St. Gallen hat ein Budget von 159 Millionen Franken, der Bohrstart wird auf Anfang 2013 erwartet. Weil es im Untergrund mit zunehmender Tiefe heisser wird, ist der Verschleiss an Bohrkronen enorm. Die ETH Zürich und andere Universitäten erforschen korrosionsbeständige Bohrgestänge aus Karbon-Verbundstoffen und die berührungslose Gesteinszerstörung mit Laser-, Plasma- oder Elektroimpulsen.

Mit zwei Bohrungen in 3000 bis 5000 Meter Tiefe, im Abstand von 30 bis 40 Metern, kann das heisse Wasser gefördert und wieder in die Tiefe geleitet werden. Für die Stromproduktion sind hohe Temperaturen von über 150 Grad vorteilhaft. Mit technischen Verfahren ist es jedoch möglich, schon ab 95 oder 115 Grad Dampf für den Antrieb der Turbinen zu erzeugen. «Unser Ziel ist es, Heisswasser von über 150 Grad zu erhalten», erklärt Hans-Kaspar Scherrer, weil das mehr Strom bringt.

Konflikt mit anderen Nutzern

Weil sich im tiefen Untergrund auch andere Nutzer tummeln, hat der Aargau gesetzliche Regeln erlassen. Bei der Suche auf der neuen Karte in den roten Bereichen sind noch keine Standorte fixiert. Den Thermalbädern in Bad Zurzach, Baden oder Schinznach-Bad will man das Wasser sicherlich nicht abgraben. «Das Gebiet mit der Fernwärme Refuna im unteren Aaretal wäre für die Wärmeeinspeisung gut geeignet», betont Scherrer. Konflikte mit Tiefenlagern in nur 250 bis 900 Meter Tiefe seien nicht zwingend programmiert, aber auch nicht ganz auszuschliessen. So oder so ist der Weg in die Tiefe steinig und lang.

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