Regierungsratswahlen
Erster Schlagabtausch – und schon streiten SP-Feri und SVP-Roth über die «naive Willkommenskultur»

Der Regierungsratswahlkampf im Aargau nimmt langsam Fahrt auf. Gestern kam es zur ersten direkten Konfrontation von Markus Dieth (CVP), Franziska Roth (SVP) und Yvonne Feri (SP), die sich um die frei werdenden Sitze von Roland Brogli (CVP) und Susanne Hochuli (Grüne) bewerben: Sie kreuzten die Klingen im «Talk Täglich» von Tele M1.

Urs Moser
Merken
Drucken
Teilen

Dass Dieth den Sprung in den Regierungsrat schafft, davon gehen die meisten Beobachter schon fast selbstverständlich aus. Er sei überall gut Freund, ob das eine gezielte Wahlmasche sei, wollte az-Chefredaktor Christian Dorer von Dieth wissen.

Der liess sich nicht aufs Glatteis führen: «Wer mich kennt, weiss, dass ich authentisch bin», sagte er in der Sendung «TalkTäglich» auf Tele M1. Die Menschen gern zu haben und auf sie zuzugehen, das sei eine Voraussetzung, um ein Regierungsamt erfolgreich ausfüllen zu können.

Mehr Druck in Bern machen

Während der CVP-Sitz von keiner Seite ernsthaft bestritten ist, wird es um den zweiten frei werdenden Platz in der Regierung eine harte Auseinandersetzung zwischen der Linken und der SVP geben. Handicap der SVP-Kandidatin: Sie ist in der Aargauer Politik eine Unbekannte. Handicap von Yvonne Feri: Sie gilt als prononciert links und wird es daher schwer haben, im bürgerlichen Lager zu punkten.

Der Wahlkampf laufe nach den Sommerferien erst richtig an, schon im Frühjahr den Kanton mit Wahlwerbung zu bombardieren, wäre beim Publikum schlecht angekommen, konterte Roth den Vorwurf, worauf sie denn eigentlich noch warte, um ihren Nachteil wettzumachen. Sie sei es sich als Gemeinderätin von Wettingen gewohnt, auch mit den Bürgerlichen Kompromisse zu suchen, und wisse, wann Pragmatismus vor Parteiprinzipien zu stellen ist, erklärte Feri.

Und wie schlagen sich die Kontrahentinnen in der direkten politischen Auseinandersetzung? Es lag auf der Hand, dass Moderator Dorer dies am Beispiel der Asylpolitik auslotete, wo die SVP Susanne Hochuli und ihre Amtsführung unter Dauerbeschuss nimmt.

Was würde hier Regierungsrätin Roth also anders machen? «Schwierige Frage», meint sie und erklärt dann, es müsste doch wohl möglich sein, in Bern bestimmter aufzutreten und dort klarzumachen, dass man als Kanton nicht bereit sei, die Folgen der «naiven Willkommenskultur» durch die Aufnahme von immer mehr Asylsuchenden zu tragen.

Starke Worte, aber auch ein starker Konter von Yvonne Feri: Die Schweizer Asylgesetzgebung sei schliesslich stark von der politischen Rechten geprägt, und den Kantonen bleibe da bei der Umsetzung gar kein grosser Spielraum. Und den Begriff «naive Willkommenskultur» würde sie sich bei Menschen, die vor Krieg und Elend flüchten, sowieso verbieten.

Franziska Roth (SVP)
22 Bilder
Regierungsratskandidatin Franziska Roth im Fokus Was bedeutet die Nomination der Brugger Bezirksgerichtspräsidentin und wie wird sie versuchen, ihren Bekanntheitsgrad zu verbessern? (April 2016)
Yvonne Feri (SP)
Die 50-jährige Nationalrätin kämpft um einen zweiten SP-Sitz in der Aargauer Regierung. Feri ist noch bis Ende Jahr Gemeinderätin von Wettingen und unter anderem Präsidentin von "Kinderschutz Schweiz" sowie des "Vereins für Soziale Gerechtigkeit".
Die Aargauer Regierungsratskandidaten 2016 Markus Dieth (CVP)
Der 49-jährige Wettinger sitzt seit 2009 im Grossrat und präsidierte diesen im Jahr 2015. 2006 wurde er in den Gemeinderat von Wettingen gewählt, wo er seit 2008 das Amt des Gemeindeammanns ausübt.
Alex Hürzeler (SVP)
Der 51-Jährige sitzt seit 2009 im Aargauer Regierungsrat und hat dort das Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) inne. Der Fricktaler stellt sich diesen Oktober für eine weitere Amtsperiode zur Wahl.
Maya Bally: «Die Chancen stehen gut für eine Frauenkandidatur aus der Mitte» (8.8.2016)
Die 55-jährige Hendschikerin ist seit 2012 Mitglied der kantonalen Parteileitung und Präsidentin der Bezirkspartei Lenzburg. Im Oktober 2012 wurde sie in den Grossen Rat gewählt, seit 2013 ist sie Präsidentin der Fraktion. Als Schulpflegepräsidentin liegen ihre politischen Schwerpunkte in der Bildung aber auch bei Wirtschaft und Finanzen.
Stephan Attiger (FDP)
Der 49-Jährige steht im Regierungsrat seit 2013 dem Departement für Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) vor. Am 23. Oktober kandidiert er für seine Wiederwahl.
Urs Hofmann (SP)
Der 59-jährige Aarauer leitet im Regierungsrat seit 2009 das Departement Volkswirtschaft und Inneres (DVI). Im Oktober will er den SP-Sitz in der Aargauer Regierung verteidigen.
Mia Jenni, Ariane Müller und Mia Gujer: Dieses Trio zieht für die Juso in den Regierungsrats-Wahlkampf. Mia Jenni (21) ist Vorstandsmitglied der Juso Aargau und studiert Germanistik und Kunstgeschichte. Ariane Müller (23) studiert zurzeit Geschichte und Geologie und ist Präsidentin der Juso Freiamt. Mia Gujer (22) ist Präsidentin der JUSO Aargau und arbeitet als Kampagnen-Mitarbeiterin.
Robert Obrist (Grüne)
Der 58-jährige Schinznacher sitzt seit Januar 2014 im Grossen Rat. Als Agronom und Departementsleiter am Forschungsinstitut für biologischen Landbau in Frick (FiBL) sind Umwelt und Bildung die Themen, die Obrist am meisten umtreiben.
Ruth Jo. Scheier (GLP)
Die 40-Jährige wohnt seit 2005 in Wettingen. Sie ist alleinerziehende Mutter einer 17-jährigen Tochter. Sie arbeitet als kaufmännische Angestellte in einer Schmuck-Grosshandelsfirma. Die Grossrätin ist auch Vize-Präsidentin der GLP Aargau.
Die transsexuelle Jil Lüscher kandidiert als Parteilose.
Pius Lischer (IG-Grundeinkommen)
Der 53-jährige Pius Lischer wohnt in Oberrüti und ist schon bei mehreren Wahlen angetreten – jeweils ohne Erfolg.

Franziska Roth (SVP)

Alex Spichale

Was man nach dem Auftritt auch noch von den Kandidaten weiss: Nur Yvonne Feri ist klar für den Atomausstieg, nur Feri ist gegen den Ausbau der A1 auf sechs Spuren, alle drei sind für eine weniger grosszügige Ruhegehaltsregelung für die Regierung, alle finden mehr Polizisten für den Aargau notwendig, nur Franziska Roth will die integrative Schule abschaffen, nur sie ist der Meinung, dass die Familiengerichte keine personelle Verstärkung brauchen, und nur sie ist gegen eine staatliche Unterstützung von Wasserkraftwerken, die wegen billigem Importstrom unter Druck geraten.