Atomendlager
Erste Entscheide zu Atomfabriken

Ein kleiner Etappensieg der Aargauer im Widerstand gegen Atommülllager: In der Region Jura-Südfuss sind Kölliken und Suhr als Standorte für den Zugang zu einem potenziellen Lager vom Tisch. Jedenfalls, wenn es nach dem Vorstand der Regionalkonferenz geht.

Urs Moser
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Tiefenlager Standorte: Ein Entscheid für noch viele Generationen nach ihm.

Tiefenlager Standorte: Ein Entscheid für noch viele Generationen nach ihm.

Chris Iseli/ AZ

Das Verfahren zur Auswahl der potenziellen Standortregionen für geologische Tiefenlager kommt in eine heisse Phase. Grundsätzlich will niemand, dass der Schweizer Atommüll dereinst für immer bei ihm versenkt wird. Bevor feststeht, wo ein Tiefenlager entstehen soll, haben die Regionen aber zu melden, welchen von der Nagra vorgeschlagenen Standort an der Oberfläche für den Zugang zu einem Lager sie gesetzten Falls favorisieren würden. So will es das vom Bund vorgegebene Verfahren. Nehmen die Regionalkonferenzen die Möglichkeit zur Zusammenarbeit bei der Suche nach geeigneten Plätzen für eine Oberflächenanlage, wo das Material für die Endlagerung vorbereitet wird, nicht wahr, gewinnen sie nichts: Die Nagra erarbeitet dann die Projektvorschläge einfach ohne sie weiter.

Die Entscheide der Regionalkonferenzen stehen nun demnächst an: als Erstes für die Region Jura-Südfuss am 27. April. Das hat auch der Verein Kaaz mitbekommen: Kein Atommüll im Ballungsgebiet Aarau-Zofingen-Lenzburg. In einem offenen Brief kritisiert er die mangelnde Transparenz in der Entscheidfindung und fordert den Vorstand der Regionalkonferenz «Plattform Jura-Südfuss» auf, sich der öffentlichen Diskussion zu stellen. Antwort habe man noch keine bekommen, so Präsidentin Eva Schaffner. Es sei wohl auch keine zu erwarten.

Sie irrt. Es sei zwar nicht Sache der Regionalkonferenz, öffentliche Hearings zu veranstalten, sagt deren Geschäftsstellenleiter Markus von Arx. Man werde den Verein Kaaz aber einladen, an der Vollversammlung der Regionalkonferenz am 27. April teilzunehmen und dort falls gewünscht auch gerne seine Aufnahme in die Regionalkonferenz beantragen.

Der Verein formierte sich erst vergangenen Sommer, um gegen die potenziellen Standorte für eine Oberflächenanlage in Suhr und Kölliken anzutreten, während im Nachbarkanton Solothurn der Verein «Niederamt ohne Endlager» schon seit 2008 gegen die Nagra-Pläne lobbyiert. Ein Anruf hätte genügt, und die Kaaz-Leute hätten eine positive Nachricht erhalten: Es sieht so aus, dass die Solothurner den Kürzeren ziehen. Wie die knapp 100 Mitglieder der Regionalkonferenz am 27. April wirklich entscheiden, ist zwar offen. Markus von Arx bestätigt aber, dass für die Fachgruppe Oberflächenanlagen und den Vorstand die Standorte in Kölliken und Suhr aus dem Rennen sind. Der Antrag lautet, der Nagra zu empfehlen, nur den Standort im solothurnischen Däniken weiter zu verfolgen.

In den Regionen Jura Ost (Bözberg) und Nördlich Lägern ist man noch nicht ganz so weit. Ursprünglich hätten die Entscheide schon Ende 2012 fallen sollen. Das Verfahren verzögerte sich dann, weil die Kantone verlangten, es seien mit einer stärkeren Gewichtung auf den Gewässerschutz alternative Standorte zu prüfen. In der Region Jura-Südfuss machten die sogenannten Potenzialräume aber weder für den Kanton Aargau noch für die Regionalkonferenz Sinn. In Jura-Ost kamen Varianten zu den Standorten in Hornussen, Bözen, Würenlingen und Villigen ins Spiel. Der Entscheid der Regionalkonferenz soll am 6. Juni fallen. In der aktuellen Bewertung schwingt der neu ins Spiel gebrachte Standort «3 plus» obenaus. Man könne aber noch nicht von einem Vorentscheid sprechen, sagt Gerry Thönen, Geschäftsstellenleiter der Regionalkonferenz. Der Standort befindet sich noch etwas näher beim Paul-Scherrer-Institut als der ursprünglich von der Nagra präsentierte Vorschlag in Villigen. Deshalb seien noch zusätzliche Abklärungen in Gang. Es geht vor allem um mögliche Beeinträchtigungen für das PSI mit seinen hoch sensiblen Anlagen. Fest steht, dass sich die Regionalkonferenz mit dem Kanon überwirft, sollte sie sich für diesen Standort entscheiden: Er läuft den Plänen für die Hightech-Zone um das PSI zuwider. Vom Kanton eingebracht wurde für die Region Bözberg dafür ein weiterer Alternativstandort beim Bahnhof Effingen. Er kommt für die Nagra allerdings höchstens für eine Oberflächenanlage eines Lagers für schwach- und mittelaktiven Atommüll infrage. Die Region Jura-Ost steht aber auch für ein Tiefenlager für hoch radioaktive Abfälle zur Diskussion.

Für Nördlich Lägern bewertet die Regionalkonferenz die vier Anfang 2012 von der Nagra präsentierten Standorte in Mellikon/Rekingen, Weiach und Glattfelden zwar noch vor der Regionalkonferenz Jura-Südfuss: am 20. April. Hier sind von der Nagra aber nach der Kritik der Kantone am Evaluationsverfahren zehn weitere sogenannte Potenzialräume vorgeschlagen worden, von denen die Regionalkonferenz drei näher geprüft haben will: neu in Schneisingen sowie ebenfalls in Mellikon und Weiach. Wenn die Nagra bis Mitte Mai detaillierte Standortvorschläge präsentiert, wird die Fachgruppe Oberflächenanlagen der Regionalkonferenz entscheiden, ob sie diese nach dem gleichen Raster prüfen will wie die ersten vier Standorte.

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