Meisterschwanden hat es versucht. Vor einer Woche hat der Gemeinderat die Einwohnerinnen und Einwohner über einen Aufruf auf der Website gebeten, sparsam mit dem Wasser umzugehen. «Gebracht hat der Aufruf nichts», sagt Brunnenmeister Stefan Vatter. Seit Freitagabend ist es in Meisterschwanden und Tennwil deshalb verboten, den Rasen zu bewässern, Pools neu zu füllen und Autos zu waschen. «Es geht nicht mehr anders», sagt Vatter.

Er ist seit 17 Jahren Brunnenmeister und kann sich nicht erinnern, dass der Gemeinderat in dieser Zeit je ein Bewässerungsverbot verhängt hat. Aber im Moment brauche die Bevölkerung mehr Wasser, als gefördert werden könne. Meisterschwanden kaufe bereits heute 150 Kubikmeter Trinkwasser pro Tag von einer Nachbargemeinde zu. Das entspricht 1000 vollen Badewannen. «Das kann langfristig keine Lösung sein, denn irgendwann wird auch dort das Wasser knapp.»

Der Gemeinderat hat am Freitagmorgen alle Haushalte mit einem Flyer über das Verbot informiert. Seither klingelt Vatters Telefon regelmässig. «Die Leute sind verunsichert, wollen wissen, was sie noch dürfen und was nicht.» In der Schweiz seien sich viele nicht bewusst, was es heisst, Wasser zu sparen. «Wir drehen den Hahn auf und das Wasser fliesst. Wir sind verwöhnt.»

Trotzdem ist er überzeugt, dass sich die Meisterschwanderinnen und Meisterschwander ans Bewässerungsverbot halten werden. Es sei weder sein Ziel noch das des Gemeinderates, das Verbot mit einem «Bussenblöckli» durchzusetzen – obwohl das Wasserreglement Bussen zulassen würde. «Ich suche das Gespräch, wenn mir auffällt, dass sich jemand nicht ans Verbot hält.»

Der Nachbar ist der beste Polizist

Gleich klingt es in Fischbach-Göslikon, wo es seit über einer Woche verboten ist, den Rasen zu wässern, das Auto zu waschen oder Pools zu füllen. «Unser oberstes Ziel ist es, die Bevölkerung mit Trinkwasser zu versorgen», sagt Gemeindeschreiber Lukas Jansen.

Auch er erinnert sich nicht daran, dass es in den letzten sieben Jahren, seit er Gemeindeschreiber ist, schon einmal ein Bewässerungsverbot gab. Die Bevölkerung halte sich aber daran. Nachbarn würden sich gegenseitig beobachten, sodass Kontrollen seitens Gemeinde nicht nötig seien.

Die ersten Aargauer Gemeinden, die ein Bewässerungsverbot verhängt haben, dürften Bözen, Elfingen und Hornussen gewesen sein. Das Verbot gilt dort bereits seit Mitte Juli und habe «kurzfristig eine gute Wirkung erzielt», informieren die Gemeinderäte in einer Mitteilung.

Mittlerweile steige der Wasserverbrauch aber wieder deutlich an. Deshalb wurde die Bevölkerung am 31. Juli noch einmal dringend dazu aufgerufen, haushälterisch mit dem Trinkwasser umzugehen und sich an die Verbote zu halten. Die Gemeinden ihrerseits haben die Brunnen abgeschaltet und bewässern Schulanlagen und Friedhöfe nicht mehr.

Weniger ernst ist die Lage in der Region Aarau. Es sei trotz Trockenheit noch genügend Trinkwasser vorhanden, schreibt das Energie- und Wasserversorgungsunternehmen Eniwa in einer Mitteilung. Die Versorgung der Stadt Aarau sowie der umliegenden Gemeinden Küttigen, Unterentfelden und Erlinsbach sowie Schönenwerd, Eppenberg-Wöschnau und Gretzenbach im Kanton Solothurn sei gewährleistet.

Im Notfall könne auch Wasser nach Buchs, Oberentfelden und Suhr geliefert werden. Die Grundwasserströme der Aare und der Suhre würden derzeit noch ausreichend Wasser spenden. Trotzdem sei ein sparsamer Umgang mit dem Trinkwasser wichtig.

Nur Trinkwasser-Verschwendung? Autowaschverbot in Meisterschwanden

Nur Trinkwasser-Verschwendung? Autowaschverbot in Meisterschwanden (Beitrag vom 3.August 2018)

Weil der Regen immer noch auf sich warten lässt, dreht die Gemeinde den Autoliebhabern momentan den Wasserhahn ab.

Der Kanton hat aufgrund der Trockenheit Wasserentnahmen aus Bächen verboten. Weil die Abflüsse bei allen Gewässern stetig sinken und die Wassertemperaturen gleichzeitig steigen, bewilligt der Kanton keine kurzfristigen Wasserentnahmen mehr. Derzeit gilt das Wasserentnahmeverbot für die Sissle und ihre Seitenbäche, für den Wissenbach in Merenschwand, für die Bünz und ihre Seitenbache, für Wyna und Wigger.

Ab dem 5. August darf auch aus dem Aabach kein Wasser mehr entnommen werden. Noch erlaubt – aber auf das Nötigste zu reduzieren – sind Wasserentnahmen aus der Suhre, der Uerke und der Surb. «Eine Sistierung steht auch hier bevor», schreibt das Departement Bau, Verkehr und Umwelt auf seiner Website.